"Die deutliche Reduzierung möglicher Veranstaltungstage, die Beschneidung der Veranstaltungsdauer und der zusätzlich festgelegte Ausschankschluss 30 Minuten vor Veranstaltungsende und die damit einhergehenden finanziellen Einbußen bedeuten für uns, dass wir Veranstaltungen im Kulturpark nicht mehr realisieren können." Der zentrale Satz des offenen Briefes, den die Veranstalter von Fabrikneu, Benny Dornhauer und Oliver Haller, "an die Bürger der Stadt Strausberg", die Stadtverwaltung und alle Stadtverordneten adressiert haben, fasst das Problem zusammen: Nach allen Diskussionen mit Anwohnern und Stadtverordneten, der Verwaltung und Behörden sowie nach einer Begehung des Kulturparks liegt jetzt ein Entwurf einer neuen "Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Ausnahmen vom Verbot der Störung der Nachtruhe und Lärmbelästigung durch Tonträger in der Stadt Strausberg" auf dem Tisch der Fachausschüsse. Am 11. April soll die Stadtverordnetenversammlung sie beschließen.
Bisher waren zehn Veranstaltungen bis 2 Uhr früh im Kulturpark erlaubt. Jetzt soll Nachtruhe ab 2 Uhr lediglich für die Drachenbootfesttage gelten. An ganzen drei weiteren Veranstaltungstagen darf bis Mitternacht gefeiert werden, aber halb zwölf wird der Zapfhahn zugedreht.
Die Veranstalter waren bisher schon auf Sponsoren und Förderung durch die Stadt angewiesen, um ihre Kulturangebote zu finanzieren. Voraussetzung waren Synergieeffekte der Veranstaltungen untereinander, so dass auch kleinere Events wie das Kino im Amphitheater sichergestellt werden konnten: "Auch die Aufwendungen für die Infrastruktur der Drachenbootfesttage am Straussee und dem ,Cirque de la Lune’ lassen sich nur durch Mehrfachnutzung im Rahmen der Sommerveranstaltungen im Zirkuszelt refinanzieren", schreiben sie.
Dabei zeigen sie weiterhin Kompromissbereitschaft: Man könne sich ja über eine Reduzierung der Dauer und Anzahl der Veranstaltungen verständigen und darüber hinaus bauliche Maßnahmen einleiten, um die Anwohner zu schützen.
Benny Dornhauer und Oliver Haller posteten ihren Brief in den sozialen Netzwerken, wo er umgehend in verschiedenen Gruppen geteilt und heftig diskutiert wurde. Dort stellte unter anderem die Linken-Stadverordnete Ute Wunglück klar: "Die neue Ordnungsbehördliche Verordnung basiert auf keiner gemeinsamen Lösung."  Fiele der Entwurf durch, bliebe die Vorgänger-Regelung in Kraft und es bestünde die Möglichkeit, dass die Anwohner gegen die im vorigen August amtlich gemessene deutliche Überschreitung der gesetzlich zulässigen Immissionswerte klagen. Der Gründer der Facebook-Gruppe Strausberger Runde, Frank Huckel, sieht für Musikveranstaltungen im Kulturpark keine großen Möglichkeiten mehr, wohl aber für Erlebniskultur: "Meine Lösung: Den Kulturpark zu einem beliebten Freizeitangebot für Familien in Strausberg zu entwickeln. Zum einen durch einen Trimm-dich-Pfad, ... Tischtennisplatten, eine Bocciabahn, Minigolf und einen Volleyballplatz. In der Hauptsaison lädt der Veranstaltungskalender der Stadt vor allem Familien dazu ein, an einigen Wochenenden im Kulturpark gemeinsam etwas zu unternehmen. Diese Angebote sollten kostenlos sein", erklärt er.
Heute Abend steht der Entwurf bereits im Bauausschuss zur Diskussion. Der Kulturausschuss tagt am Donnerstag.