Es sind gleich viermal 85 Jahre, also insgesamt stolze 340, die da zusammenkommen. Denn so alt sind nicht nur die beiden Programmakteure Erika und Manfred Schulz sowie Renate Hummel, die in der Gastgeberrolle als Vorsitzende der Volkssolidarität-Ortsgruppe alle im Mehrgenerationenhaus Strausberg-Nord begrüßt. Auch Renate Holland-Moritz, wäre sie nicht bereits 2017 gestorben, hätte dieses Jahr am 29. März ihren 85. Geburtstag feiern können.

Großes Vorbild für die Arbeit

Schon allein dieser Umstand für sich hätte Schulz & Schulz ausgereicht, sich an ein Programm zu ihrer Ehrung zu machen. Dass aus diesem Anlass aber auch noch ein neues Buch über die Autorin erschienen ist, das den viel sagenden Titel „Du mit Deiner frechen Schnauze“ trägt, machte alles noch etwas einfacher. Aus diesem gab es beispielsweise zu Anfang die Schilderung, wie sie gleich nach dem Ende der Schulzeit 1952 „als 17-jähriger ahnungsloser Teenager“ von einem Verlag als Volontärin eingestellt wurde. Großes Vorbild: der rasende Reporter Egon Erwin Kisch. So wie er wollte sie tätig sein, „mit möglichst unnormierter Arbeitszeit“.

Von der jungen Gerichtsreporterin zur Kino-Eule

Die erste Phase als Gerichtsreporterin währte nur ein paar Jahre, mit ihrem ersten Feuilletonstück bewarb sie sich dann 1957 beim „Eulenspiegel“ und erhielt prompt eine Einladung des von ihr bereits verehrten Hans-Georg Stengel. Der brachte sie beim Vorstellungsgespräch kurz ins Schwitzen, als er fragte, ob sie auch dichten kann. Als sie ihr „poetisches Unvermögen“ gesteht, folgt der erlösende Satz Stengels: „Dann können Sie bleiben, dichten kann hier jeder Idiot.“
Eine Meisterin der Sprache mit zugleich imposanter Beobachtungsgabe war sie aber allemal, und mit einem ganz eigenen Stil von Humor reihte sie sich bald bei den Großen unter den Eulenspiegel-Autoren ein. Erika und Manne Schulz haben selbst reichlich Spaß, als sie zum Beispiel bei „Der Ausflug der alten Damen“ mit Hut und Perücke in die Rollen von Frieda und Otti schlüpfen. Die lassen sich bei der Dampferfahrt über die Berliner Gören und deren überforderte Mütter sowie mancherlei mehr aus. Zwischendrin die versorgungstechnische Frage: „Sagen Se mal, Herr Ober, is die Bockwurscht mit Pelle oder nackich?“

Blumenzwiebel-Schmuggelaktion aus Westberlin für Willi Schwabe

Nicht minder reichlich Zwerchfellkitzel bietet als besondere Anekdote eine Blumenzwiebel-Schmuggelaktion über die Grenze, die ihr damaliger Mann bei einem Westberlin-Gastauftritt für Willi Schwabe durchführte: Der Herr der Rumpelkammer war der Nachbar von Holland-Moritz in Altglienicke. Sie selbst ist vielen DDR-Bürgern vor allem auch mit ihren Filmkritiken als „Kino-Eule“ in Erinnerung geblieben, wofür es im Programm drei Beispiele gab. Doch auch ein Seitenhieb zu 30 Jahren deutsche Einheit durfte nun aus aktuellem Anlass nicht fehlen: Den „1. Jahrestag der Kohlonisierung“ hatte sie damals satirisch verarbeitet: „Zu Beginn meiner Laufbahn als BRD-Azubi hatte ich ein paar Verständigungsschwierigkeiten“, heißt es da über das Problem mit der Steuererklärung.
Es war, wie Renate Hummel sagte, nach einer langen Corona-Pause das erste Mal seit März, dass sich die seit 25 Jahren bestehende und von ihr geleitete Volkssolidarität-Ortsgruppe wieder traf. Von den 46 Mitgliedern waren gut 30 erschienen. „Erst wenn wir aufhören, werden wir alt!“, dieser Leitsatz gilt nicht nur für sie selbst in ihrem Einsatz, sondern genauso für Schulz & Schulz, die auf der „Bühne“ ebenso viel Spaß hatten wie das Publikum.