Während des Gespräches fährt ein Transporter an Der Anderen Welt in der Garzauer Straße vor. Drei schwere Kartons werden ausgeladen. Schrauben und Dübel für die Wandbefestigungen der Heizung für den Theaterbau im Wasserwerk sind darin.
Theaterleiterin Melanie Seeland klatscht in die behandschuhten Hände: „Auf den Tag pünktlich, es läuft alles planmäßig!“ So, wie die Strausberger und viele Kulturfreunde aus der Region und besonders auch aus Berlin Die Andere Welt Bühne angenommen haben und wie andererseits Kollegen darauf aufmerksam geworden sind und ihrerseits Interessen an einer Mit- und Zusammenarbeit bekundet haben, reichen die künstlerischen und Zuschauer-Kapazitäten für einen ganzjährigen Spielbetrieb. Was fehlt, ist der bauliche Rahmen, also der beheizte und unter heutigen bzw. Nach-Pandemie-Bedingungen belüftete Bühnenraum.

Ein Traum geht in Erfüllung

„Wenn wir nach dem Lockdown wieder mit dem Spielbetrieb starten dürfen, müssen wir eine moderne Belüftungsanlage installiert haben, und das werden wir“, sagt Melanie Seeland, „und das Schöne daran ist, dass die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft uns das aus dem Programm Neustart Kultur mit Bundesmitteln wirksam fördert.“ Doch würde das noch nicht helfen, auch in der kalten Jahreszeit Stücke aufzuführen. Das Wasserwerk wirkt am Dienstag trotz frostfreier Außentemperaturen wie eine Kühltruhe. „Und dieses Problem lösen wir jetzt mit dem Einbau einer modernen Heizungsanlage, mit der wir die stillzulegende alte Ölheizung ablösen“, sagt Inés Burdow, die zweite Theaterleiterin. „Das finanziert uns dankenswerterweise unser Vermieter Matthias Merkle. So können wir, wenn diese Corona-Pandemie vorbei ist, tatsächlich in einen Ganzjahresbetrieb starten. Ein Traum geht in Erfüllung.“

Auch für andere Vereine nutzbar

Den Einbau der Lüftungsanlage begleiten der Bauingenieur Achim Sell von der Staatsoper Berlin und der Sachverständige Professor Dr. Rüdiger Külpmann, der dazu sagte: „Diese Anlage wird das Theater zu einem Aushängeschild der gute Hygiene und aerosolfreien Belüftung für einen Veranstaltungssaal in Strausberg machen.“ Die Theaterleiterinnen bieten an, dass dann auch andere Gremien und Vereine das Theater für ihre Zwecke nutzen können. Auch hinsichtlich der Heizung bemühen sich die Leiterinnen um zeitgemäße Technologien. Es werden gewissermaßen Heizschlangen an den Wänden verlegt wie in einer Fußbodenheizung und diese dann dünn verputzt. Als Wärmequelle dient Erdwärme. Später, wenn das ganze Areal weiterentwickelt wird, soll diese Erdwärmegewinnung mit einer größeren Solaralage kombiniert werden und im Endstadium das Gelände insgesamt CO2-neutral beheizt werden.

Spenden für neue Stühle sehr willkommen

Bis dahin ist es noch ein steiniger Weg, verrät ein Blick ins Theater. Was auffällt: Die klobigen Sitzbänke sind ausgeräumt. „Die sollen auch nicht wieder hinein“, verrät Melanie Seeland, „denn die lassen eine optimale Sitzverteilung unter Corona-Bedingungen nicht so richtig zu.“ Und Inés Burdow ergänzt: „Ja, wir streben eine neue, moderne und bequeme Bestuhlung an, für die wir allerdings keine Fördermittel bekommen und für die uns eigene Mittel fehlen.“ Deshalb appellieren die Theaterleiterinnen an ihr Publikum und andere Kunstfreunde in Strausberg und der Umgebung, sie mit Spenden für neue Stühle zu unterstützen. Spendenquittungen kann das Theater natürlich ausstellen.

Im Spannungsfeld von Mensch und Technik

Für die neue Saison, so die Pandemie vorbei ist, sprühen die Theatermacherinnen vor Ideen und konkreten Plänen. Für das erste Stück auf dem Programm, „R.U.R.“ von Karel Capek, wird Jens Bluhm Regie führen. Das vor 100 Jahren uraufgeführte Stück behandelt das Spannungsfeld von Mensch und Technik, Robotern, Künstlicher Intelligenz. Es passt wie kaum ein anderes in die Zeit von Digitalisierung und Homeoffice. „Der analoge Mensch, das analoge Theater mit seinem Unsinn im besten Sinne – was macht sie aus im Gegensatz zur Effizienz der digitalen Welt und Geräte?“, damit werde sich die Inszenierung auseinandersetzen, an der neben Inés Burdow und Melanie Seeland neue und junge Schauspieler wie Chris Eckert aus Salzburg und Cynthia Buchheim aus Berlin mitwirken werden. Um die Dramaturgie werde sich künftig bei den meisten Stücke die junge Juliane Logsch kümmern. Alle drei haben sich in der vorigen Saison Aufführungen der Stücke angeschaut und waren vom Konzept des Theaters begeistert.

Auch Gastspiele, Lesungen und Kindertheater

Der aus Strausberg stammende Wiener Regisseur Paul Spittler wird die Uraufführung des neuen Stückes von Tine Rahel Völcker „Adam und die Deutschen“ inszenieren, in dem das historisch gebrochene Verhältnis zwischen Polen und Deutschen beleuchtet wird. Spittler führt auch Regie beim zweiten Teil von „Unvergessen“, der sich mit dem Kalten Krieg befassen wird. Das vierte Stück wird eine Koproduktion mit dem Verein Theaterland, dessen Vorsitzender Wolfram Scheller das Stück „Stadt ohne Liebe“ inszenieren wird. Aber damit sei erst im August zu rechnen, sagen die Theaterleiterinnen. Fortgesetzt werden die Gastspiele anderer Theatertruppen, die Reihe der Lesungen – Marion Brasch und Wolfgang Kohlhaase haben zugesagt, Uwe Preuß wird sein neuen Buch vorstellen –, und das Kindertheater mit Flunkerproduktionen soll allmonatlich Familien in Die Andere Welt Bühne locken. „Und ich träume davon, dass wir in diesem Jahr ein Weihnachtsmärchen aufführen“, sagt Melanie Seeland versonnen.

Spendenkonto: Kontoinhaber: Wasserwerk Kulturstätte gUG IBAN: DE78 1009 0000 2674 2250 00 BIC: BEVODEBB Berliner Volksbank