Betrachtet man die Fotos von Harald Hauswald, die derzeit im Strausberger Stadtmuseum zu sehen sind, bekommt man das beklemmende Gefühl, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Ungeschminkt zeigen sie „unsere“ Menschen in der ehemaligen DDR. Uns, das meint „wir“, die wir die DDR bewusst erlebt haben. Viel Grau, viel Verfall, ein vergangenes Land, das wie ein Dritte-Welt-Land daherkommt und doch ein Teil unserer Erinnerung ist.
Bei der Eröffnungsveranstaltung der Schau „Voll der Osten. Leben in der DDR“ am Montagnachmittag äußerte Hauswald in der Diskussion, dass er es nicht als grau empfunden hätte, es war einfach die Normalität. Die DDR hatte nach eigenen Verlautbarungen den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Das machte Hauswald auch, nur wörtlich, was ihm prompt die Beobachtung durch die Stasi einbrachte. Einfühlsam und ungeschminkt zeigt er die Menschen, wie sie leben, einfach leben.
Thematisch aufbereitet auf 20 Rolltafeln mit 100 Fotos werden Themen wie Traurigkeit, Freude, Abschied und Sehnsucht dargestellt. Viele Fotos sind inzwischen Allgemeingut geworden. Müde Menschen auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Oder Jugendliche gelangweilt vor einem runtergekommenen Jugendklub. Und immer spricht die Liebe zu den Personen aus Hauswalds Bildern.
Der Fotokünstler beantwortete unbefangen die Fragen des Publikums. Hat er Ärger von den Dargestellten bekommen? Nein, man wollte nur einen Abzug. Man merkt schnell, Hauswald ist selbst Teil der Menschen in seinen Bildern, er steht nicht darüber, sondern ist mittendrin. Schade nur, dass die Fotos auf den Rolltafeln so klein sind.
In der Diskussion, geleitet von Ulrich Mählert, berichtet Hauswald von seinem Werdegang, der so typisch DDR-Aussteiger war. Heizer, Telegrammbote und Mitarbeiter einer kirchlichen Einrichtung. Die Auswahl der Bilder besorgte Stefan Wolle, Historiker und Buchautor, der wie der Fotograf in der DDR aufgewachsen ist. Er hat auch die Texte zu den Tafeln verfasst. Die verlinken mit QR-Codes zu kurzen Videointerviews im Internet, in denen der Fotograf berichtet, wie und in welchem Kontext jeweils das zentrale Foto entstanden ist.
Diese Rollbildausstellung wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Fotografenagentur Ostkreuz erstellt. Sie wurde im vergangenen Jahr mehr als 2000-mal gebucht. Zu sehen ist die Schau im Stadtmuseum nun bis August.