Rund zehn Jahre seit der ersten Idee und der daraus resultierenden Gründung des Fördervereins hat es bis zu diesem Moment gedauert. Eine lange Zeit, weshalb sich die Anwesenden am Sonnabend in Reichenberg weder durch die aufgrund der Corona-Pandemie notwendigen Vorsichtsmaßnahmen noch das völlig verregnete Wetter in ihrer Freude einschränken ließen. Endlich konnte für das Lebenszentrum „Thomas Müntzer“ als Ganzes Einweihung gefeiert werden. Und der schon beim vormittäglichen Festakt im Kreis geladener Gäste draußen strömende Regen war Sinnbild für so manche Hürden, die das Projekt seit Anbeginn zu nehmen hatte.

Sonderapplaus für Einsatz von Käte Roos

Niemand weiß das besser als die Frau, die seit der Ideenphase dabei war, später den Förderverein bis zur Fusion mit dem DRK-Kreisverband vor einem Jahr geführt hat und bis heute als Projektleiterin und Herz des Ganzen alle Fäden koordinierend in der Hand hält. Ein fast minutenlanger Sonderapplaus war deshalb Ausdruck für den großen Respekt, den Käte Roos ob dieses immensen individuellen Einsatzes genießt. Mag der Verein von 14 Gründungsmitgliedern auf schließlich über 150 angewachsen sein, mit dem Deutschen Roten Kreuz Märkisch-Oder-Havel-Spree (MOHS) nun ein insgesamt starker Träger hinter dem Ganzen stehen: Es war Käte Roos, die mit „Offenheit, Ausdauer, Durchsetzungskraft, starkem Glauben und Menschenfreundlichkeit“ gegen alle Widrigkeiten für die Idee geworben und ihre Realisierung überwacht hat, wie Pfarrer i. R. Manfred Caesar würdigte.

Bewusste Bezüge zum Namenspatron

Caesar begann mit einem Segensspruch für das, was alles im ehemaligen Schulgebäude an Neuem entstanden ist. „Das Netzwerk, das wir knüpfen, verhilft uns zum Leben“, und das Haus stehe für Gemeinschaft. Einen weiten Bogen schlug er vom Namenspatron, der sich schon damals für eine bessere Welt einsetzte, über die Jugendlichen der Fridays-for-Future-Bewegung, die erst tags zuvor rund um den Globus erneut mit gleichem Anliegen demonstriert hatten, bis hin zu diesem Beitrag für Lebenskraft und Miteinander im ländlichen Raum.
Nicht ohne Grund sei der noch aus Schulzeiten stammende Name „Thomas Müntzer“ übernommen worden, hatte als Vorredner bereits Landrat Gernot Schmidt auf den Zeitgenossen Martin Luthers Bezug genommen. Es sei gut, dass heute die EU Fördermittel für solche Projekte zur Verfügung stelle. Ehrenamtliche und Gemeinde hätten gemeinsam an der Verwirklichung gearbeitet: „Was wären wir ohne die Menschen, die für Ideen brennen und uns voranbringen“, sagte er, ebenfalls mit Blick auf Käte Roos. Sie hatte gleich eingangs Ex-Schatzmeister Dieter Völkel genannt, der sie in der ersten Phase zu nahezu allen Terminen begleitet hatte. Einen besonderen Dank richtete sie auch an die Petershagener Architektin Grit Schulze, die mit allen Planungen in Vorleistung gegangen war, damit überhaupt der Förderantrag gestellt werden konnte.

Architektin ging mit Planungen in Vorleistung

Heike Belian mit ihrer Hausarzt-Praxis war vor einem Jahr die Erste, die einzog. Kurz darauf folgte die Kita „Waldmäuse“, als Drittes die Tagespflege der Diakonie. Deren Koordinatorin Franziska Templin und Kita-Leiterin Heinke Wiesinger berichtetem vom jetzt schon gelebten Miteinander der Generationen im Haus, gemeinsamen Aktivitäten. Auch der Dorfladen und die auf 300 Essenportionen ausgelegte Produktionsküche, die alle Teileinrichtungen im Haus sowie die anderen beiden DRK-Kitas in Bollersdorf und Klosterdorf versorgt, sind inzwischen dazugekommen. Zahnarztpraxis und Ergotherapie reihen sich als neueste Elemente ein, schrittweise gibt es auch verschiedene fachärztliche Angebote. Alles für Einwohner aus 18 Dörfern im Umkreis – etwa deckungsgleich mit dem früheren Einzugsbereich der Schule. In diesem Gesamtpaket ist das Lebenszentrum im Land bislang einmalig – und will Vorbild für andere Regionen sein.

Schon 23 neue Arbeitsplätze, perspektivisch 30

„Ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde“ sei das DRK durch mehrere glückliche Fügungen erst zur Trägerschaft der Kita, dann mit der Vereinsverschmelzung auch des Gesamtprojekts gekommen, sagte Kreisverbands-Vorstandschef Klaus Bachmayer. Aus geplanten 2,5 Millionen Euro Investitionen werden nun wohl 3,5 Millionen. Was da mit Förderung aus EU- und Landesmitteln sowie der Robert-Bosch-Stiftung entstand, habe schon 23 neue Arbeitsplätze (davon 18 Frauen) gebracht, perspektivisch werden es 30 oder noch mehr sein. Im Obergeschoss werden nun noch die fünf barrierefreien Wohnungen fertig gestellt.
Die regionalen Anbieter an den Ständen auf der durchweichten Festwiese räumten zwar wetterbedingt vorfristig ihre Stände, im Zelt aber sorgten unter anderem die Kita-Kinder und die Pelle-Kids noch mit Auftritten für Stimmung, in der extra hergerichteten Turnhalle, für deren Zukunftsnutzung eine Umfrage lief, die Aikido-Gruppe von Ishlar Smolny.