Ein Potsdamer Ingenieurbüro für Akustik, das auch im Sommer in Hoppegarten beim Lollapalooza-Festival tätig war, soll künftig einbezogen werden, um die widerstreitenden Interessen von Veranstaltern und Anwohnern des Kulturparks auszugleichen. Das kündigte Fachbereichsleiterin Gudrun Wolf in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend, Kultur, Sport und Soziales an. Anfang Januar werde das Landesumweltamt die Lage des Kulturparks zum Wohnumfeld prüfen, "um uns zu sagen, wo die Grenzen sind, und wie wir dort arbeiten können", wie Gudrun Wolf mitteilte.
Für Benny Dornhauer vom Veranstalter Fabrikneu, der im Kulturpark ein Zirkuszelt für Veranstaltungen errichtet hat, ist das Hauptproblem die Wohnbebauung direkt am Park: "Und das Zirkuszelt kann nur direkt dort aufgebaut werden, wo es jetzt steht", betonte er. Da es auch an anderen Seiten Wohnhäuser gebe, brächte ein Versetzen auch wenig. Nach seiner Erfahrung beschwerten sich die Anwohner vor allem über die Eigenveranstaltungen von Fabrikneu, weil deren Musik etwas basslastiger sei. Es habe ja auch schon vor Jahren Veranstaltungen und Festivals im Kulturpark gegeben, aber die hätten die Anwohner offenbar nicht so gestört. "Uns liegt aber sehr am Herzen, gut mit den Anwohnern zusammenzuarbeiten", unterstrich er und schlussfolgerte aus den bisherigen Erfahrungen: "Wir müssen mehr und früher mit den Anwohnern reden, möglichst schon am Jahresbeginn unser Veranstaltungsprogramm mitteilen, damit sie sich darauf einstellen können."
Sonja Zeymer, die den Ausschuss stellvertretend leitete, sagte: "Seitdem wir die Bebauung dort haben, haben wir auch Probleme dort, seien es Beschwerden über die laute Badestelle, den Uferwanderweg oder Veranstaltungen. Reden wird da schwierig." Linken-Stadtverordnete Ute Wunglück würdigte das Engagement von Farbikneu: "Eine Zeitlang gab es gar keine Veranstaltungen mehr im Kulturpark, das früher so bunte Strausberger Kulturleben ist ohnehin auf wenige Veranstaltungen zusammengeschrumpft." Wenn der Kulturpark nicht mehr als solcher genutzt werde, fürchtet sie, werde er wohl bald bebaut. Auch ihr Fraktionskollege Martin Schultheiß dankte Fabrikneu, dass sie als letzte noch große Veranstaltungen für junge Menschen anböten. Und Sabine Brosch (Linke) schob nach: "Ich fände es schade, wenn solche Beschwerden auch die letzte Kultur aus Strausberg verschwinden ließen." Alt-Bürgermeister Jürgen Schmitz hingegen verwies auf die grundgesetzlich geschützte Unversehrtheit der Wohnung, und darauf, dass Lärm eine sehr subjektive Empfindung sei.
Für Oliver Haller von Fabrikneu gehe es bei dieser Problemlage um die Sicherheit, "ob wir überhaupt noch große Veranstaltungen im Kulturpark machen können, mit deren Erlösen wir auch kleinere Projekte finanzieren können". Susanne Bock sagte: "Das sind junge Strausberger Unternehmer, die wir unterstützen sollten." Sonja Zeymer forderte: "Der Ausschuss sollte sich hinter die Kultur in Strausberg stellen. Vielleicht hilft ja ein Anwohner-Stammtisch, die Betroffenen einzubeziehen und mitzunehmen. Auf jeden Fall sollten wir uns zu den Kulturveranstaltern der Stadt bekennen." Allgemeine Zustimmung.

Kommentar


Jürgen Schmitz hat eine Binsenweisheit ausgesprochen: Lärmbelastung ist immer sehr subjektiv. Was der eine als seine Lieblingsmusik gar nicht laut genug hören kann, ist für den anderen Körperverletzung.Fakt ist, dass dem immer die innere Einstellung zur jeweiligen Lärmquelle zugrunde liegt. Es ist ja nicht nur des einen Lieblingsmusik mit den hämmernden Bässen, die aufregt. Andere regt der Fluglärm auf, gerade wenn sie ihr Heim in der Nähe des Flugplatzes gebaut haben. Wer dort wohnt und selbst gerne ein Ultraleichtflugzeug steuert, der wird sich nie über Fluglärm beschweren. Auch Hundehalter werden tunlichst unterlassen, sich über Hundegebell aufzuregen. Und nur, wer aus der Stadt aufs Dorf zieht, beklagt das frühe Hähnekrähen. Die Landbewohner kennen es nicht anders.So bleibt Toleranz der einzige Ausweg. Ein erstes Gespräch machte Mut.Jens Sell

Einziger Ausweg Toleranz