Läufer sind ganz offensichtlich glückliche Menschen. Trotz großer Strapazen, egal auf welcher Strecke sie nun an den Start gegangen waren, hatten sie fast alle ein breites Grinsen im Zielbereich auf dem Gesicht. Den meisten, obwohl der erste Blick auf der Ziellinie der eigenen Laufuhr galt, war dann die Laufzeit doch egal.
"Ich konnte gar keine Bestzeit laufen", sagte Stephan Bahn (Fortuna Marzahn), bei dem die Uhr nach 2:56:58 Stunden stehen blieb. Was war passiert? "Am Ende des Lichtenberger Tunnels wurde das Feld aufgehalten. Erst nach zehnminütiger Unterbrechung ging es weiter. "Keine besonders gute Idee, man findet nämlich schwer in einen eigenen Rhythmus", sagte Bahn, der ansonsten aber mit der Streckenführung sehr zufrieden war.Diese Unterbrechung hatte der Veranstalter eingerichtet, um das Feld bis zum Verlassen des Berliner Stadtgebietes ein wenig zusammenzuhalten. Er und die hinter ihm Platzierten sprachen von besonders strapaziösen letzten Kilometern. Bis Kilometer 31 war Bahn gemeinsam mit Tobias Singer und dem späteren Drittplatzierten Christian Fleischer in einer Spitzengruppe weit vor dem Feld.
Egal, mit welchen Ambitionen die Aktiven bei diesem Marathon, Start war am Berliner Strausberger Platz, antraten, Bewunderung gilt ihnen allen.
Marco Jänicke aus Woltersdorf wollte unter 3:15 Stunden bleiben, Katrin Meisel und Iris Lepel aus Oderaue wollten so lange wie möglich zusammenlaufen und Detlef Rosenheinrich aus Rüdersdorf nahm sich als Schichtarbeiter extra einen Tag Urlaub. Olaf Graf (TSG Rot-Weiß Fredersdorf) wollte neben dem eigenen Leistungsvermögen gleichzeitig als Trainer das seines Schützlings Ronny Westphal testen.
Im Startbereich am Strausberger Platz herrschte teilweise große Anspannung. Christian Hacker war sich nicht ganz sicher, ob es reichen würde. Und auch seine Frau Anja Tittel schaute immer wieder in den Himmel, denn am Start (8 Uhr) war es noch recht ungemütlich und stark bewölkt. "Wenn gar nichts mehr läuft, dann biege ich eben in Eggersdorf einfach rechts ab und laufe nach Hause." Aber sie und ihr Mann hielten tapfer durch. Richtig gut war die Stimmung bei der Mannschaft von Blau-Weiß Petershagen-Eggersdorf. "Ich habe mir extra die Fingernägel geschnitten, damit ich leichter bin", erklärte gut gelaunt Michael Hölzner, der den Marathon Hand-in-Hand durchs Ziel laufend mit seiner Gattin Norma beendete.
Und während Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler kurz vor dem Start dem Berliner Publikum die Schönheiten ihrer Stadt erklärte, um Minuten später dann auch den Startschuss abzufeuern, bereitete sich der Hennickendorfer Steffen Hinze vor. "Gestern Abend habe ich mir noch einen Nerv eingeklemmt." Hinze hielt aber durch und wurde von seiner Frau Melittta empfangen. Beide waren sich einig, dass es so etwas im Hause Hinze wahrscheinlich nicht noch mal geben wird. Seit Monaten drehte sich alles nur um die Vorbereitung auf diesen Tag.
Sieger bei den Frauen wurde Franziska Wenske. Die Berlinerin war völlig überrascht und freute sich riesig über ihren Erfolg. "Mein Fünfter in diesem Jahr und der Erste, den ich gewonnen habe."
Richtig angefeuert wurde auf den letzten Metern André Lubitz, der mit seinem Lauf auf den Strausberger Verein Miko - Menschen in Kooperation aufmerksam machte. Auch für ihn galt: Hauptsache ankommen.
Der Halbmarathon wurde im Neuenhagener Gewerbegebiet gestartet. Marathonis und Halbmarathonis liefen dann eine gemeinsame Strecke bis ins Strausberger Ziel.
Schnellster bei den Männern war ein Neuenhagener. John Volkenandt studiert derzeit in Dresden Maschinenbau. Der 21-Jährige hatte einen deutlichen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Thomas Hantke aus Fredersdorf-Vogelsdorf. Die Konkurrenz der Frauen gewann die Berlinerin Claudia Seliger.
Auch in Neuenhagen war immer wieder zu hören: "Ich freue mich auf den Lauf." Edelgard Pecher sagte scherzhaft: "Ich habe ein Handy dabei, wenn gar nichts mehr geht." Manuela und Peter Graetz liefen im Trio mit Birgit Schmidt im Trikot von Blau-Weiß Petershagen-Eggersdorf und auch eine Bekannte der Strausberger Laufszene war da. Die 65-jährige Gisela Göthel bereitet sich derzeit auf ihren 70. Marathon vor.
Rhönradturnerin Lilly Jüdes (TSC Strausberg) lief 2:04 Stunden. Vater Hartmut Heuschkel berichtet: "Nach den Weltmeisterschaften, den Deutschen Meisterschaften war es dritte große Höhepunkt in kurzer Zeit für sie. Ich bin richtig stolz."
Auf dem Flugplatz wurde dann noch ein wenig gefeiert. Wahre Verlierer gab es nicht und jeder der Teilnehmer bekam ein Medaille zur Erinnerung an den Strausberger Marathon. Ergebnisse und Bericht vom 7,75-Kilometer-Stadtlauf folgen.