Der Valentinstag ist ein guter Anlass, sich auf satirische Weise am Verhältnis der Geschlechter abzuarbeiten. Meistens humorvoll, manchmal tiefsinnig-philosophisch, manchmal mit einer heiteren Leichtigkeit. Hier mit einer Portion beinahe schwarzer Satire, dort mit einer großen Prise bissiger Ironie. Tucholsky, das beweist dieser Abend, beweisen die von Schauspielerin Marina Erdmann für das Programm ausgewählten Texte, beherrschte all diese Spielarten meisterhaft. Und für viele im Publikum war es bemerkenswert, wie zeitlos gültig das wirkt, was der Schriftsteller und Journalist da vor 90 bis 100 Jahren zu Papier gebracht hat. Zum Beispiel „Karrieren“, eins der kürzeren Stücke aus der dargebotenen Sammlung, das wie erst gestern frisch niedergeschrieben wirkt, wüsste man nicht ohnehin bei diesem und anderen besonders bekannten Titeln um das beachtliche Alter.
Tucholsky, einer der größten Autoren der Weimarer Zeit. Einer, der sich mit allgemeinen gesellschaftlichen Themen ebenso auseinander setzt wie mit dem privaten Miteinander der Menschen, gerade auch von Mann und Frau. Eigentlich, erinnerten Juliane Grützmacher von der Betreibergesellschaft Stadtpfarrkirche und Bibliotheksleiter Jan Springborn zur Begrüßung, sei 2019 ja Fontane-Jahr. „Doch Fontane kann jeder“, im Kontrast habe man bewusst schon einmal Tucholsky vorgezogen, der ja im kommenden Jahr seinen 130. Geburtstag hätte. Für den musikalischen Part sprang als Ersatz für den zunächst angekündigten Jörg Miegels die Pianistin Insa Bernds ein.
Statt auf Saxofon und Klarinette gab es damit auf dem Flügel die passenden Zwischentöne, Überleitungen und Ergänzungen. Nicht nur als klangvolle Trennstriche zwischen den Wortbeiträgen, sondern mit einer eigenen Wertigkeit, gewissermaßen die Zeitreise in die „Goldenen Zwanziger“ unterstreichend. Manch weniger bekannter Titel war darunter, doch auch hier vieles, was schon nach wenigen Takten Wiedererkennungsgefühle auslöste, handelte es sich doch um solche Hits wie „Ein Freund, ein guter Freund“, „Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen“ oder „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“.
Ja, mit der Liebe ist das so eine Sache, wusste auch Tucholsky, der eben die vielen Wandlungsprozesse von der ersten, mitunter stürmischen Liaison bis zum mitunter tristen Alltag und stillen Auseinanderlebens in einer langjährigen Ehe in seinen Werken kritisch-ironisch aufs Korn nimmt. Da ist der Chef, der sich in seine Sekretärin verliebt, sie schließlich heiratet. Doch bald wiederholt sich das ganze Drama um Affären und Co. in neuer Besetzung ...
„Sie erscheint meist in scheußliche Klumpen geballt“, schrieb Tucholsky in „Die Familie“ über eben diese Gruppe von Menschen, die sich keiner aussuchen kann, sondern unter ihr zu leiden hat. „Denn die Familie weiß alles – und missbilligt es“, wie seine damalige, seither nicht weniger zutreffende Zustandsbeschreibung lautet. Doch schon im Zweier-Miteinander einer Beziehung sieht es nicht weniger schwierig aus. Was auch abschließend bei „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ zu sehen ist.