Hans-Peter Scherf und seine Frau aus Kagel waren das erste Mal in Ihlow, zumal auf dem dortigen Zachariashof von Familie Steinkamp – und hellauf begeistert. Von der Gartenanlage, der Atmosphäre, dem leckeren Kuchen sowie der Geschichte, die der Hof atmet. „Ganz früher war das mal eine Gastwirtschaft mit Post und Kolonialwarenladen“, erzählte Margitta Steinkampf beim Kaffee-Einschenken. Scherfs freuten sich auch über den Hauptakteur des Nachmittags, Andreas Turowski, der wie sie heute in Kagel wohnt: „Wir sind Kollegen, bei Dr. Turowski habe ich an der Charité mal vor vielen Jahren hospitiert.“
Andreas Turowski startete mit seinen Kurzgeschichten einen Angriff auf die Lachmuskeln seiner knapp 35 Zuhörer. Da gab es eine Art kulturhistorische Abhandlung über den „Reichstopf“, dessen Erfinder ein gewisser Professor August Bier gewesen sei, über Verknüpfungen zum Stahlhelm im Krieg und den grüppchenweise pottsitzenden Kindern der DDR-Kitas als Klischee über den Osten. Bis zu welchem Alter ist das gesund? Die Antwort: „Mit dem Abitur sollte Schluss sein!“
Turowski, obwohl im Hauptberuf Mediziner, hatte schon 1977 für die „Distel“ zu schreiben begonnen, später auch für den „Obelisk“ in Potsdam und die Magdeburger „Kugelblitze“. Schnell ist klar: Das ist einer, der mit spitzer Feder umzugehen weiß. Der Sprache liebt – und deshalb in einer weiteren Geschichte mit abnehmender Sprachästhetik bei Zunahme von Füllwörtern ins Gericht geht. Der Mann im „Paten-Amt“ wiederum vermittelte in ostdeutscher Mangelwirtschaft lukrative Patenschaften zum Produkte- und Dienstleistungstausch. Bis zu der zwischen der transsilvanischen Botschaft und Graf Dracula mit dem VEB Kunsthandel ...
Um das „Herz-Häuschen“ auf dem Grundstück in Kagel ging es in weiteren Texten ebenso wie um die Verwicklungen bei einem Vortrag seiner Frau oder die Prüfungen bei einem gestrengen Professor an der Charité. Zwischendurch griff er auch zur Gitarre: Unter anderem Ellas Kneipe in Kagel, inzwischen verschwunden, hat er ein musikalisches Denkmal gesetzt.