Das Portal des Strausberger Finanzamtes in der Prötzeler Chaussee ist derzeit vernagelt, die Drehtür blockiert. Über eine seitliche Tür gelangt man dennoch ins Foyer. So wie früher, dass man ungehindert durch die Flure zu den Büros der Sachbearbeiter streifen konnte, ist es aber nicht mehr. Und das ist nicht nur der Corona-Pandemie geschuldet.
„Dieses Sicherheitsproblem hatten wir schon vorher“, berichtet der Vorsteher des Finanzamtes Strausberg, Jörg Rolfes, der Ministerin für Finanzen und Europa des Landes Brandenburg, Katrin Lange (SPD), am Montagmorgen. Durch die Corona-Pandemie verspätet, machte sie der Strausberger Dienststelle gewissermaßen ihren Antrittsbesuch.

Servicebereich eingerichtet

Der zuständige Sachgebietsleiter Daniel Menne legt dar, wie das stattliche Klinkergebäude im Norden der Stadt die ankommenden Steuerpflichtigen nach Wiederaufnahme des Besucherverkehrs empfängt und ihre Anliegen nach angepasstem Hygienekonzept entgegen nimmt: „Wir haben nach dem Foyer jetzt einen Servicebereich eingerichtet, wo es auch einen Gesprächsraum gibt. Der Besucher zieht eine Wartenummer und wird aufgerufen.
Der zuständige Bearbeiter kommt zum Gespräch herunter oder holt den Besucher ab. Zweckmäßig ist natürlich, einen Termin konkret zu vereinbaren. Das geht dann auch außerhalb der normalen Sprechzeiten.“ Verlassen müssen die Besucher das Gebäude dann durch einen separaten Ausgang. Im selben Zusammenhang wurde auch für die Kantine an der Parkplatzseite ein eigener Zugang geschaffen, denn die wird gern von externen Gästen aufgesucht.

40 Prozent holen sich Vordrucke für Steuererklärung

Die Ministerin erkundigte sich nach der Zahl der Besucher. Die sei nach der Wiederaufnahme des Einlasses nicht so stürmisch gewesen wie erwartet, bekam sie zur Antwort: „Das hielt und hält sich in Grenzen. Im Schnitt begrüßen wir rund 50 Steuerpflichtige pro Woche im Haus, von denen 40 Prozent sich nur die Papiervordrucke für ihre Steuererklärungen abholen wollen.“ Schwerpunkttag sei wie üblich der Dienstag. Unternehmer frequentierten das Finanzamt hingegen so gut wie gar nicht.
Katrin Lange würdigte das Bemühen der Mitarbeiter des Strausberger Finanzamtes, auch in den Zeiten der Corona-Beschränkungen die Steuersachen der Bürger und Unternehmen zügig und sachgerecht zu bearbeiten: „Es ist eine herausfordernde Zeit, die von Ihnen auch hohe Flexibilität und Engagement abforderte. Ich hörte von Unternehmen positives Feedback über Ihre Arbeit.“

Förderung der E-Mobilität geplant

Die Mitarbeiter übrigens kommen zum Teil mit dem Fahrrad. Das würden gern noch mehr tun, wenn nicht immer mal wieder Fahrräder gestohlen würden. Die Fahrradabstellanlage direkt am Eingang zum Freigelände scheinen Langfinger als Einladung zu verstehen, das Fluchtfahrzeug steht am S-Bahnsteig gegenüber. Auch deshalb wird jetzt eine größere und überdachte Fahrradabstellanlage weiter im Inneren des umzäunten Geländes gebaut.
„Die freiwerdende Fläche wollen wir gerne für die Förderung der Elektromobilität einsetzen“, formuliert Vorsteher Jörg Rolfes eine Vision. „Uns schweben dort vier Parkplätze mit Ladesäulen für E-Autos vor. Dann könnten unsere Besucher, während sie mit ihrem Bearbeiter ihre Steuersachen im Haus besprechen, ihre Batterien aufladen.“
Dies wäre grundsätzlich während der Öffnungszeiten des Parkplatzes von 6 bis 21 Uhr möglich, sagte Daniel Menne auf Nachfrage der Zeitung. Finanzministerin Katrin Lange sagte zu, sich bei Wirtschaftsminister Jörg Steinbach dafür zu verwenden, dass er dafür die Mittel bereitstellt: „Der Ausbau der Ladeinfrastruktur liegt ihm sehr am Herzen, das weiß ich. Ich werde ihn beim Wort nehmen.“

Zeit sparen mit Videokonferenzen

Eine andere Infrastruktur, die sich die Strausberger Finanzbeamten von ihrer Ministerin wünschen, sind feste Räume für Videokonferenzen mit der entsprechenden Hardware- und Software-Ausstattung. „Es ist eine Besonderheit unseres Amtes“, erläuterte der zuständige Sachgebietsleiter Florian Faupel, „dass unsere Kollegen oft zu Besprechungen zur Oberfinanzdirektion nach Cottbus fahren müssen und dadurch viel Zeit auf der Autobahn und Fahrkosten verbrauchen.“ Die Einschränkungen der Corona-Krise hätten gezeigt, dass man mit Videokonferenzen viele solcher Wege sparen könne. Die Ministerin reagierte offensiv: „Ich unterstütze ausdrücklich das Bemühen, mit Videokonferenzen Zeit und Flexibilität zu gewinnen. Ich kann jetzt aber nicht sagen, wann wir soweit sind, diese Räume einzurichten.“

Finanzamt sucht grundsätzlich Bewerber für Ausbildung

Die Ministerin erkundigte sich auch dem Berufsnachwuchs: Wie sieht es mit den Anwärtern aus? Bleiben sie nach der Ausbildung im Strausberger Finanzamt? „Wir haben den Vorteil, dass wir gewissermaßen ein Speckgürtelfinanzamt sind, wir haben ja den S-Bahnhof Strausberg-Nord vor der Tür“, sagte Jörg Rolfes. Insofern pendelten Mitarbeiter und Anwärter aus dem berlinnahen Raum und der Hauptstadt bequem zur Arbeit. Ein Problem sei mitunter der fachlich zielgenaue Einsatz. Grundsätzlich sucht aber auch das Strausberger Finanzamt Bewerber für die Ausbildung. Schulabsolventen haben noch Gelegenheit, sich für das neue Ausbildungsjahr zu bewerben.

Info: www.steuer-deine-zukunft.de