Eine Zweitauflage von Lollapalooza auf der Galopprennbahn in Hoppegarten wird es nicht geben. Die Festivalleitung hat dies am Montag überraschend mitgeteilt.
Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange. Hunderte Arbeiter wirbeln und bauen in rasanter Geschwindigkeit die Bühnen ab. Montagmittag sind die riesigen Lautsprecher und die Beleuchtung der vier Bühnen schon sicher verpackt. In den Chill-Lounges stehen noch Gläser und Flaschen. Die zwei Übergänge übers Geläuf sind demontiert. Das Gras darunter sieht geknickt aus. Doch bis 3. Oktober, wenn das nächste Rennen ansteht, sagt ein Rennbahn-Mitarbeiter, hat sich das wieder aufgerichtet.
Bürgermeister Karsten Knobbe kann kaum noch sprechen, alle Nase lang ruft ein Redakteur an, will von ihm eine Auswertung vom Wochenende. Er spricht noch davon, was künftig besser geregelt werden müsste. So habe es Mängel bei der Kommunikation mit den Gästen am Ende des Festivals am Sonnabend gegeben. Es mussten mehr Kräfte eingesetzt werden, um die Gästeströme zu leiten, und es wurden auch mehr Shuttlebus-Plätze eingerichtet. Da gibt die Festival-Leitung eine Pressemitteilung heraus, dass es Lollapalooza 2018 nicht noch einmal in Hoppegarten geben wird.
Sprecher Tommy Nick: "Für uns als Veranstalter muss das Gesamtpaket stimmen, und wir müssen mit freudestrahlenden Gesichtern nach Hause gehen können", sagte er. Doch statt sich auf inhaltliche Aspekte konzentrieren zu können, musste sich die Festivalleitung mit Auflagen und Genehmigungen herumschlagen. Dazu kamen noch die Probleme mit der An- und Abfahrt der Gäste am Sonnabend. Dies alles will man vermeiden.
Schon länger habe es Gespräche mit dem Olympiapark in Berlin gegeben. Und am Montag sei die Entscheidung gefallen, sich auf diese Location zu konzentrieren. Für viele kommt das überraschend, noch am Sonntag bei einer VIP-Führung, sprach Melvin Benn, einer der einflussreichsten britischen Konzertmanager, der mit zu den Machern von Lollapalooza zählt, davon, dass es im nächsten Jahr auf der Rennbahn weitergeht. Die Rennbahnleitung will sich erst am Dienstag äußern.
Die Festivalleitung und die Gemeinde Hoppegarten werden dennoch in kommender Zeit miteinander zu tun haben. Nicht nur, um zu besprechen, was vielleicht repariert oder nachgepflanzt werden muss, sondern auch vor Gericht. Denn immer noch geht es um die Entschädigung der rund 3000 Anwohner, die direkt an der Rennbahn wohnen. Das Oberverwaltungsgericht hatte am Freitag bestätigt, dass die erteilten Auflagen der Gemeinde Hoppegarten alle richtig seien. "Wir gehen in die nächste Instanz", kündigte hingegen Sprecher Tommy Nick an. Die Gemeinde hatte verlangt, dass Bürgern, die mehr als 70 Dezibel ertragen müssen ausquartiert werden oder Lollapalooza pauschal eine Entschädigung zu zahlen hat.
Einig sind sich Knobbe und der Einsatzleiter der Feuerwehr, dass die Situation Sonnabendnacht, als etwa 3000 Personen vor dem S-Bahnhof warteten, auf den Bahnsteig zu können - der Zugang war abgesperrt - weit entfernt davon war, als chaotisch bezeichnet zu werden. Vielmehr hätten die Leute ruhig gewartet. "Es war unschön, aber keine Krisenlage", sagte Knobbe, und Einsatzleiter Marius Venslauskas bestätigt dies. Viele Freiwillige schrubbten Dienst am Wochenende. Doch bis auf die Hilfestellung für die Rettungskräfte Sonnabendnacht und das zweimalige Öffnen des verklemmten S-Bahn-Aufzuges gab es keine Einsätze.
"Das kann immer passieren, dass Menschen einfach vergessen, genügend zu trinken", bedauert auch Tommy Nick. Es habe aber gegenüber der Tribünen eine große Wasserstation gegeben. Das Wasser stand an den Hähnen kostenlos zur Verfügung.