Er ist ein Spätberufener, der nicht nach Preisen sich drängt, sondern still, aber beharrlich an seinen Versen feilt. Erste Veröffentlichung 1981 in "Temperemente", gefördert von Günter Kunert, der auch sein Vorbild ist, verstummte er aber alsbald wieder. Die Anmeldung für ein Auto und der Wunsch nach einem Garten seiner Frau waren zeitfüllender als das Schreiben.
Brökel erwacht erst nach der Wende, um seitdem stetig weiße Blätter zu füllen. Seine Lesung im Hoppegartener Gemeindesaal am Freitagabend hatte er in drei Blöcke gegliedert mit wunderbaren Pausen, in denen sich Raymund Stolze und Brökel leicht und unterhaltsam über das Schaffen eines Dichters auslassen konnten. Ein wunderbarer Kunstgriff Stolzes, um ein ermüdendes langes Vorlesen von Gedichten zu vermeiden.
Einfühlsam Brökels Zeilen aus dem Band "Zündplättchen oder nach 49" die seine Kindheit in dem untergegangenem Geburtsort schildern. Von Westpäckchen, Spitzbartwitzen und dem Weltfrieden erzählt er den Zuhörern und stellt ein Heimatgefühl her, welches sie aus dieser Gegend nur von Strittmatter kennen. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Mann theoretischer Physiker ist.
Auf eine entsprechende Frage von Stolze hin antwortete er lakonisch: "Ein Gedicht ist freundlicher als eine Gleichung." Wiewohl aber in seinem letzten Gedichtband "Der B Raum" schimmert doch wieder Physik durch wenn er die Gauß'sche Glockenkurve verarbeitet und diese in reinen Glockenklang verwandelt.
Wirklich, eine Lesung von Lyrik, die so anders als gewohnt daherkommt. Denn Brökels Credo: "Dichten ist Handwerk." Die gut 25 Zuhörer dankten es ihm mit herzlichen Applaus und intensiven Fragen.