Illustrationen sind am Donnerstag noch rar. Solche sollen während der Workshops und Seminare mit den fünf eingeladenen Illustratoren aus Deutschland, Polen und Litauen entstehen. Am Sonnabend und Sonntag. Mit interessierten Kindern, ganzen Familien, mit Jugendlichen.
Zur ersten von insgesamt 18 vorgesehenen Veranstaltungen, die die Initiatoren und Organisatoren dieses neuen Festivals im Programm der fünf Tage aufgelistet haben, starren nur drei überdimensionale Augen von der aufgerollten Leinwand im Kirchenschiff. Dabei bleibt mit Blick auf das Motto "Das Düstere und das Heitere" auslegbar, ob sie neugierig aufgerissen oder vor Schreck geweitet sind.
Vor diesem Hintergrund sitzen eine Müncheberger Grundschulklasse und die Elefantengruppe aus dem Christlich-naturnahen Kindergarten. Auch Eltern, Erzieher, Gäste, ein Finanzminister, der 6163,22 Euro aus Lottomitteln als Starthilfe des Landes mitgebracht hat, Bürgermeisterin, Organisatoren und Partner des Festivals gehören zur Kulisse.
Passend zu den beiden Geschichten, die der Schauspieler Franz Frickel aus einer polnischen Märchensammlung vorliest, könnten die Augen auf der Leinwand zunächst erwartungsvoll geöffnet, dann aber mit Anstrengung offen gehalten sein.
Gern gehen die Kinder bei der kleinen Polnisch-Lektion im Märchen von "Schuster Pechdraht" mit. Max und später Paul halten das Schild, auf dem jeweils mit großen Buchstaben zu lesen ist: Mrowki (Ameisen), Kaczki (Enten) oder Wesele (Hochzeit). Gemeinsames Nachsprechen übt, nur bei Pszczoly (Bienen) wird es schwierig.
Doch mit der Geschichte von Hund "Ferdinand Fabelhaft", der auf zwei Beinen wie sein großer Mensch durch die Stadt läuft und sich vom Schneider dazu einen Anzug nähen lässt, sind die Kinder nicht nur von der Länge her überfordert. "Zeig mal das Bild", ruft es während der Lesung aus der Kinderschar, als einer der Knirpse eine Illustration im Märchenbuch entdeckt.
Es beweist genau das, was die Geburtshelfer des Festivals vom Verein Bildungs- und Begegnungszentrum Schloss Trebnitz bezwecken wollen und worauf die Eröffnungsredner Bürgermeisterin Uta Barkusky und Finanzminister Helmuth Markov anspielen: über Gezeichnetes, Gemaltes, Illustriertes in ein Buch hineinziehen lassen. Dann klappt's später vielleicht auch mit dem Lesen, nicht nur mit Playstation und Co.
Beim lustigen Gedicht von der Lokomotive, die auf Deutsch "So ist es" und auf Polnisch "Tak do to" rattert, hat der Vorleser die Kinder wieder ganz. In einen polnischen und einen deutschen Zug eingeteilt, bahnen sich schließlich zwei Eisenbahn-Schlangen polonaise-artig den Weg durch die Kirche.
Es ist noch ein verhaltener Festival-Anfang an jenem Donnerstag, doch ein erster Schritt auf einem Weg, den der gelernte Buchhändler und heutige Minister Helmuth Markov gern unterstützt. Schließlich setzten sich die Akteure und Besucher hier mit der Frage auseinander, "was Qualität ausmacht, um Kindern und Jugendlichen eine altersgemäße, aber künstlerisch hochwertige Literatur zu bieten, die ihnen Welterklärung, Poesie und Lesemotivation zugleich sein kann".
Programm: www.schloss-trebnitz.de