Viel und kontrovers ist in der Vergangenheit über das Projekt diskutiert worden. Inzwischen scheint aber alles gesagt, was zu sagen ist - nur einzelne kurze Nachfragen und Anmerkungen gab es in der Sitzung am Dienstagabend noch zu den insgesamt fünf Tagesordnungspunkten, die sich mit dem Thema beschäftigten. Weiteren Gesprächsbedarf sahen die anwesenden Gemeindevertreter nicht.
Allerdings wurde von der Fraktion FÜR Rehfelde, Werder, Zinndorf in allen Fällen namentliche Abstimmung beantragt. Das Ergebnis fiel dabei jeweils identisch aus: Vier Stimmen von den anwesenden Mitgliedern dieser Fraktion dagegen, elf Stimmen aus allen übrigen Fraktionen dafür. Das betrifft die Änderungen an B-Plan und Flächennutzungsplan, die Abwägungsbeschlüsse zu den Einwendungen von Behörden und anderen Trägern öffentlicher Belange sowie aus der Bürgerbeteiligung und schließlich das gemeindliche Einvernehmen zum immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren des Landesumweltamtes.
Der Bebauungsplan für das Windeignungsgebiet Nummer 26 Werder und Zinndorf in seiner bisherigen Form war voll ausgeschöpft: Für 21 Anlagen war er seinerzeit konzipiert und beschlossen, und genau so viele Windräder sind dort auch derzeit in Betrieb. Ohne die Planänderung, die auf eine Verdichtung des Bestandes an zwei Stellen im ortsfernen Bereich von Zinndorf statt auf eine Erweiterung hinausläuft, wäre das Vorhaben zur Errichtung der beiden Bürgerwindenergieanlagen demzufolge nicht möglich.
Insgesamt drei Jahre, erinnerte Bürgermeister Reiner Donath eingangs mit einigen Sätzen in seinem Bericht, sind in oftmals sehr engagierten Debatten alle Für und Wider ausgiebig erörtert und diskutiert und diese Planung auf den Weg gebracht worden. Eine Verzögerung jetzt, zitierte Donath Aussagen der Genossenschaft EigenEnergie als Vorhabenträger, in der auch die Gemeinde Mitglied ist, könnte zu finanziellen Verlusten führen.
Die beiden neuen Anlagen werden mit ihrer Gesamthöhe eine Kleinigkeit unterhalb der laut angepasstem Bebauungsplan zulässigen Maximalhöhe von 200 Metern bleiben. Auch dies stellt eine markante Änderung dar: Bei den bestehenden Anlagen war in dem 2008 beschlossenen und ein Jahr später genehmigten Plan die Höhe seinerzeit auf einen Wert zwischen 130 und 150 Metern festgelegt worden.
Die Nennleistung pro Anlage beträgt bei den Neubauten 2400 Kilowatt (kW), jährlich soll jede davon durchschnittlich 7,8 Millionen Kilowattstunden (kWh)saubere Energie ins Netz des örtlichen Versorgers einspeisen, wie in der Sachdarstellung zu einem der Beschlüsse noch einmal ausdrücklich vermerkt ist. Das entspricht zusammengenommen der Versorgung von 4000 Vier-Personen-Haushalten mit einem Jahresverbrauch von rund 4000 kWh - und würde eine Ersparnis beim Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids von 13 000 Tonnen jährlich ausmachen.
Mit ihrem mehrheitlichen Ja folgte die Gemeindevertretung der entsprechenden Empfehlung aus dem Ortsentwicklungsausschuss, wo die Zustimmung mit drei zu zwei Stimmen in allen fünf Fällen allerdings knapper ausgefallen war als jetzt in großer Runde. Namens der beiden Ortsbeiräte Zinndorf und Werder, die sich jeweils mit zwei zu eins Stimmen dagegen positioniert hatten, machte der Werderaner Frank Küchler noch einmal den generellen Widerstand gegen das Projekt deutlich.
Keine Rolle spielten bei den Beschlüssen vom Dienstag, in denen es um rein planungsrechtliche Fragen ging, Aspekte der praktischen Umsetzung. Dazu kooperiert die Genossenschaft mit der Firma Denker & Wulff AG, die seinerzeit schon den bestehenden Windpark errichtet hatte. Die Verträge dazu können zwar nicht öffentlich diskutiert werden, wie der Bürgermeister ausführte. Über bestimmte Punkte werde in der Sitzung am 21. Juni aber noch gesprochen.