So schätzt es Thomas Deuse von der Strausberger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) nach Auswertung der Antworten auf die Wahlprüfsteine ein. Die organisierten Interessenvertreter der Radfahrer haben zehn Fragen an zehn Parteien und Wählergruppen geschickt, die sich am 26. Mai der Kommunalwahl in Strausberg stellen. Angeschrieben wurden Die Linke, SPD, CDU, AfD, Bündnis 90/Grüne, FDP, BVB/Freie Wähler, UfW, Deine Wahl – Bürger für eine lebenswerte Stadt Straus­berg und Die Partei. Geantwortet haben Die Linke, BVB/Freie Wähler, UfW und CDU.
Bei der neuen Wählervereinigung Deine Wahl waren Annika Manthei und Thomas Deuse zum Gespräch in der Milchbar am Markt. "Für eine Wahlempfehlung für Radfahrende wird das nicht reichen", schätzt Deuse ein, "dennoch zieht sich wie ein roter Faden durch alle Parteien, Wählervereinigungen, dass der Beitritt Strausbergs zur AG fahrradfreundlicher Kommunen erfolgen muss, wir einen Radverkehrsbeauftragten, der sich auch für das Thema Radverkehr interessiert, brauchen und das Projekt Rad- und Gehweg Güterbahntrasse mutig und mit allen demokratischen Kräften in der neuen Stadtverordnetenversammlung vorangetrieben werden muss."
Fakt sei, dass die Antworten der Linken am ausführlichsten und fundiertesten ausgefallen seien, schätzte er in der jüngsten Mitgliederversammlung ein. Die CDU hat allerdings nicht die zehn Fragen beantwortet, sondern geschrieben: "Aufgrund der Vielzahl an Anfragen ist es uns nicht möglich, auf jede Ihrer Fragen eine ausführliche Antwort zu geben. Zudem hat sich bisweilen gezeigt, dass das am Wähler ausgerichtete Beantworten von Wahlprüfsteinen der anderen politischen Lager nicht dazu führte, Unterscheidungskriterien darzulegen. Sie werden letztendlich feststellen, dass zumindest im Wahlkampf natürlich alle wollen, was Sie wollen."
Immerhin können die Christdemokraten darauf verweisen, dass auf ihren Antrag hin im aktuellen Haushalt 50 000 Euro für die Planung des Geh- und Radweges auf der früheren Güterbahntrasse eingestellt wurden. "Langfristiges Ziel ist dabei, den Europaradweg R 1, der in der Vorstadt auf Strausberg trifft und ab Nord aus Straus­berg raus weiterführt, innerstädtisch zu verbinden." Die AfD bot ein Telefongespräch zu den zehn Wahlprüfsteinen der ADFC-Ortsgruppe an. "Das sah ich dann aber nicht als geeignete Form an", begründet Thomas Deuse seine Ablehnung.
Die ADFC-Protagonisten sind nicht so vermessen, zu erwarten, dass die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung umgehend einen Verwaltungsmitarbeiter als hauptamtlichen Radverkehrsbeauftragten installiert, aber es müsse ein Mitarbeiter als zentraler Ansprechpartner für alle Belange rund ums Fahrrad benannt werden. Bei ihm sollten alle Prozesse im Rathaus, die den Radverkehr betreffen, zusammenlaufen. Darauf zielte eine ihrer Fragen, und sowohl Die Linke als auch BVB/Freie Wähler und UfW unterstützten das.
Immer mitdenken
"Was wir brauchen, ist ein grundsätzliches Umdenken, besser noch Mitdenken des Fahrradverkehrs in der Verwaltung bei allen Projekten", fordert der Sprecher der Ortsgruppe, Clemens Rosner, "nur wenn wir einen wirklichen Qualitätssprung unternehmen, werden signifikant mehr Leute auf das Fahrrad umsteigen. Radwege müssen in neuen Wohnsiedlungen fertig sein, bevor die Leute einziehen, dann nutzen sie sie auch." Es bringe auch wenig, kaputte Radwege zu reparieren. Im Zweifelsfalle sollte man Neue und vor allem Größere bauen. In Zukunft drängen Pedelecs, E-Roller und Lastenfahrräder in den Verkehr: "Der Platz wird knapp."
Auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Kommune sei ein Meilenstein eine lokale Fahrradstellplatzsatzung. Es gebe ein Förderprogramm für den Bau von Fahrradabstellanlagen an Haltestellen des Nahverkehrs, an Bahnhöfen und in Wohngebieten, berichtet Rosner. Die ADFC-Ortsgruppe wird die neuen Stadtverordneten beim Wort und in die Verantwortung für besseren Radverkehr in Strausberg nehmen. Das verspricht sie.