Normalerweise findet so ein "Roll out" statt, wenn ein neues Flugzeug erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Maschine, die der Förderverein Flugplatzmuseum vorstellte, war zwar nicht ganz neu, wohl aber neu aufgebaut. 2013 musste die 1968 in Polen montierte "Anna", die zu DDR-Zeiten für die Gesellschaft für Sport und Technik flog und nach der Wende für Rundflüge eingesetzt wurde, wegen Triebwerksausfall auf einem Feld bei Nauen notlanden. Beim Bremsen sackte das Fahrwerk in den Boden, das Flugzeug überschlug sich. Die Insassen blieben unverletzt, aber die AN 2 war für die Fliegerei nicht mehr zu gebrauchen.
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Horst Hörmann vom Förderverein hörte davon und begeisterte seine Kollegen für den Plan, das Wrack als Museumsflugzeug wieder aufzubauen. Schließlich verkehrten Maschinen dieses Typs seit 1953 auf dem Flugplatz Strausberg, sei jeder frühere NVA-Pilot mindestens einmal mit dem "Dinosaurier der Luftfahrt" geflogen, wie Hörmann die AN 2 bezeichnete. Der Verein konnte auch die Geschäftsführung des Museumsträgers Strausberger Eisenbahn für den Plan gewinnen. Für den "Restwert", einen mittleren vierstelligen Betrag, wurde die AN 2 erworben.
Mehrere tausend Arbeitsstunden haben allein die Fliegerei-Fans in den vergangenen 21 Monaten geleistet, damit die "Anna" beim Flugplatzfest zum 775. Stadtjubiläum erstmalig Interessierten gezeigt werden kann. Ähnlich viel Zeit investierten MAE-Kräfte der am Flugplatz ansässigen Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung (GBA). Deren Chef Wolfgang Schulz hatte aus der MOZ von dem Projekt erfahren, stellte eine beheizte Halle zur Verfügung. Die GBA konnte zudem das Jobcenter für eine geförderte Maßnahme gewinnen. "Ganz unbürokratisch", bescheinigte Schulz. Und Bürgermeisterin Elke Stadeler habe bescheinigt, dass der Flieger der Öffentlichkeit zugute komme.
Zudem kam Unterstützung von Firmen, die Sonderpreise machten oder ganz auf Geld verzichteten. Und die bfw-Bildungsstätte Berlin hatte mit Umschülern zum Fluggerätemechaniker großen Anteil an der Bergung nach dem Unfall. Stellvertretend für alle Beteiligten nannte Fördervereinschef Horst Prommersberger neben Hörmann auch Dieter Borchardt, Uwe Günther, Wolfgang Jorek, Jacob Holldorf, Harald Kammler, Rüdiger Kramer, Jürgen Lange, Günter Masche, Dieter Meusel, Eckehard Munte, Holger Tiedemann und Peter Thalacker.
Landrat Gernot Schmidt, Kreistagsvorsitzende Sibylle Bock und Elke Stadeler würdigten das Wirken aller Engagierten. Der Platz habe nun eine weitere Attraktion, bescheinigten sie. Nach den Grußworten bekam STE-Chef Andreas Gagel als neuer Eigentümer vom bisherigen Besitzer Henning Lueg die Dokumentation samt Bordbuch.
Uwe Mägdefrau von der GBA, der die AN 2 mit dem Radlader bereits aus dem Hangar gezogen hatte, bugsierte sie schließlich auf eine vorläufige Parkposition. In den nächsten Tagen wird sie neben dem Tower postiert, kann dann bei Führungen im Flugplatzmuseum angeschaut werden.