Sie brauchen kein Mikrophon, um gehört zu werden. Die vier Saxophone, die die Musiker des sonic.art Saxophonquartetts oben in der Aula der Rehfelder Grundschule erklingen lassen, sind selbst bei geschlossenen Türen bis hinunter in die erste Etage zu hören.
Das bekommen auch die mehr als 30 Fünftklässler mit, die am Donnerstag im Saal im Halbkreis um die vier Künstler sitzen. Da zuckt der eine oder andere schon mal zusammen, wenn die hinter den Wangen gesammelte Atemluft mit ganzer Kraft ins Instrument gepresst wird, wenn schneidend hohe Töne dem Trommelfell fast weh tun oder alle vier Instrumente einen Ton gleichzeitig halten, der sich durch den ganzen Körper fortsetzt.
Musiklehrerin Barbara Schmiedel-Meyer, die selbst in ihrer Freizeit Bratsche spielt und mit der cappella academica der Humboldt-Uni Berlin auftritt, ist dieser Musikunterricht der besonderen Art zu verdanken. Während einer Fahrt zur Orchesterprobe habe sie von dem Projekt "Rhapsody in School" im Radio gehört und sei begeistert gewesen. Und sie kümmerte sich.
"Der Schulförderverein unterstützte das Anliegen, indem der Unkostenbeitrag für Anfahrtskosten bzw. eine kleine Spende übernommen wurde", sagt sie, die genauso begeistert den im Unterricht mit ihrer Kollegin vorbereiteten Auftritt verfolgt wie Rektorin Karola Neidhardt. Und sie hofft, dass "Rhapsody in School" an der Schule eine regelmäßige Veranstaltung werden könnte.
Kaum, dass der letzte Ton verklungen ist und einer der vier Musiker das Wort ergreift, sind die Arme der Schüler schon nach oben geschnellt. Sie haben ohne vorherige Ansage erkannt, dass die beiden Frauen und zwei Männer an ihren Saxophonen die "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski interpretiert haben - zuerst für Klavier geschrieben, von Maurice Ravel für Orchester bearbeitet und diesmal von Ensemblemitglied Adrian Tully für vier Saxophone arrangiert.
Das und viel mehr erfahren die Fünftklässler, die ohne Scheu und Pause den Berliner Musikern - "alle so um die 34 Jahre alt" - quasi Löcher in den Bauch fragen. Warum sie sich beim Spielen im Sitzen bewegen? Wie lange sie schon gemeinsam spielen? Warum sie vor dem Spielen ein Papier in den Mund nehmen, welche Preise sie bekamen?
Ehrlich und locker erzählen der Australier Tully, der Weißrusse Alexander Doroshkevich, Annegret Schmiedl und Claudia Meures, die gerade neu dazugestoßen ist, dass jeder von ihnen jedes der vielen Saxophone spielt, wann und warum sie mit dem Spielen begannen, was ein Instrument kostet und auch, dass sie trotz Konzerten in Japan und Italien oder New York "für Miete und Versicherung" jeder auch als Musikschullehrer arbeiten.
Ein Neugieriger darf auch mal kurz das große Baritonsaxophon anheben und vielleicht probieren sie alle sogar Sascha Doroshkevichs Anregung zu Hause aus, wie Zirkularatmung funktioniert: Wasser im Mund sammeln, es aus den Backentaschen herausprusten und gleichzeitig einatmen.