Vier Bühnen werden es sein, auf denen am 9. und 10. September Musik zwischen 12 und 23.30 Uhr gespielt wird. Doch wie schafft man zum einen, dass die Anwohner nicht übermäßig belästigt und die Patienten der Median-Klinik nicht zusätzlich genervt werden? Und zum anderen, dass sich die Musik der Bühnen nicht überlagert? Diplomingenieur Jörg Kepper, der zum dritten Mal Lollapalooza begleitet, weiß, wie es geht.
Vor etwa zwei Monaten war er das erste Mal auf der Rennbahn. Hat sich umgeschaut und in den Rechner eingegeben, wo die vier Bühnen stehen werden, wie sich das Gelände präsentiert, welche Bauwerke es gibt (in diesem Fall die Tribünen). Er kannte da schon die Vorgaben, dass an der Median-Klinik, als neuralgischer Punkt, nicht mehr als 70 Dezibel (db) ankommen dürfen. So hat es die Gemeindeverwaltung festgelegt. "Diese Daten werden in den Rechner eingegeben und dann wird aus Tausenden Berechnungspunkten eine Lärmkarte erstellt", erzählt Kepper. Wohin sich der Schall ausbreitet, ist dann zu sehen. Für die Darstellung werden die Regenbogenfarben genutzt.
"Um optimale Werte zu erhalten und die Vorgaben einzuhalten, haben wir die Bühnen teils noch gedreht", erzählt er. Die Tribünen der Rennbahn wirken als Ausbreitungshindernis. Die Lücken dazwischen aber als Schallkorridor. Und deshalb wird es an der Goetheallee mit 71,8 dB wohl am lautesten, an der Buchenstraße/Kiefernallee kommen noch 63 dB an.
Am 8. September wird Kepper mit den Tontechnikern der vier Bühnen arbeiten. Das heißt, er nimmt vor Ort einen Vergleich zwischen errechneten Prognosedaten und realen Bedingungen vor. Passt etwas nicht, muss der Tontechniker die Regler runterdrehen. Denn zu dieser Zeit schon sind an drei Stellen im Ort Messpunkte eingerichtet, die von Kepper und einem Kollegen an beiden Festivaltagen ununterbrochen kontrolliert und angefahren werden. "Wir können mit Hilfe der Technik an den neuralgischen Punkten - Median-Klinik, Goetheallee und Buchenstraße/Kiefernallee - genau feststellen, ob die Werte dort eingehalten werden. Kommt mehr an, als erlaubt, wird der Tontechniker informiert", sagt Kepper. Bei der Überwachungstechnik handelt es sich um sektflaschengroße, geeichte Schallpegelmesser. Die Kontrolle vor sei deshalb wichtig, um festzustellen, ob ein eventuelles Mehr an Lautstärke tatsächlich von einer der vier Bühnen kommt, oder ob vielleicht der Nachbar gerade den Rasenmäher angeworfen hat.
Unberechenbar und unvorhersehbar ist natürlich, was das Wetter an diesen beiden Tagen macht. Gibt es viel Wind, dann wird auch der Schall in eine bestimmte Richtung getragen und weit zu hören sein. "Doch ob etwas schlimm laut ist, oder nicht, ist immer eigenes Empfinden", weiß der Fachmann.
70 Dezibel, das ist, was maximal an der Median-Klinik zu messen sein darf. "Das entspricht der Lautstärke eines Rasenmähers", verweist Kepper. Eigentlich kommen an der Median-Klinik nur 61 db an (ein Wert zwischen Nähmaschinengeräusch und Kantinenlärm), hinzu- gerechnet werden ein sogenannter Impulszuschlag von drei dB und ein "Ohrwurmzuschlag" von sechs Dezibel. Letzteres bedeutet, dass jemand von der Ferne noch eventuell den Text eines Liedes versteht. Der Gesetzgeber wertet dies als möglicherweise nervend und hat deshalb dieses Mehr an Dezibel festgesetzt.
Jörg Kepper versteht, dass nicht alle Anwohner und Hoppegartener begeistert sind vom Festival auf dem Rennbahngelände. Aber er und seine Kollegen von der Akustik Büro Dahms GmbH tun alles, dass die Werte eingehalten werden. Und auch die Veranstalter selbst sind hinterher, einen bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen. So wird an den Bühnen ein Line-Array-System spezieller Lautsprecher installiert, das den Schall nur herzförmig ausbreitet.
Auf beiden Hauptbühnen - dort endet die Musik 22 Uhr - wird zum Beispiel, um die Töne nicht zu überlagern, nur abwechselnd gespielt. Die beiden kleineren Bühnen, eine steht parallel zur Goetheallee und eine an der Rennbahnallee, sind rund 700 Meter voneinander entfernt, so dass es dort auch zu keinen Überlagerungen kommt.
Im Frühherbst wird der Veranstalter von Jörg Kepper einen Messbericht bekommen, bei dem das Festival ausgewertet wird. Falls notwendig, wird das Lärmminderungskonzept dann für 2018 noch weiter angepasst.