Professor Felix Berger würde deutlich aufatmen, wenn die Stadtverordneten grünes Licht für den Neubau der Nachsorgeklinik in Strausberg geben – und damit den Weg für den Umzug vom jetzigen, zu klein gewordenen Standort in Bernau ebnen. Berger ist stellvertretender ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin, das zu den Gesellschaftern der Kindernachsorgeklinik gehört und regelmäßig Patienten zur Rehabilitation nach Bernau schickt.
600 bis 650 Patienten werden im Herzzentrum jährlich wegen angeborener Herzfehler mit komplexen Eingriffen am Herzen operiert, sagt Berger. Darunter seien allein etwa 500 Kinder und Jugendliche, wobei Kinder mit 85 Prozent den überwiegenden Teil der Patienten stellen. „Sie alle benötigen im Anschluss an die Operation dringend Rehamaßnahmen“, sagt Felix Berger.
Ebenso auf diese Maßnahmen seien zusätzlich etwa 20 Prozent aus der jährlich ebenfalls bis zu 650 Patienten großen Gruppe angewiesen, bei der die Eingriffe minimalinvasiv erfolgen können, mit Herzkatheter-Techniken – und nicht ganz so einschneidend für die Patienten seien. Der Einzugsbereich, für den das Herzzentrum einen Versorgungsauftrag habe, erstrecke sich von Leipzig bis zur Ostsee und westlich davon bis Hannover und Hamburg. Das Problem: Es gibt zwar diverse anerkannte Rehabilitationskliniken, die Patienten aufnehmen können, aber die meisten sind für herzkranke Kinder und Jugendliche nicht geeignet, weil es bei ihnen keine kinderkardiologische Betreuung gibt. Diese ist an der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg gegeben, doch die Einrichtung ist zu klein. „Wir können nur 60 Prozent unseres Reha-Bedarfs decken“, sagt Felix Berger. Mit der neuen Klinik in Strausberg würde sich die Situation verbessern. Dort stünden 60 Plätze für Primärpatienten zur Verfügung, also für die tatsächlich von der Erkrankung betroffenen Kinder und Jugendlichen – und 100 weitere für ihre Familienmitglieder. 60 Prozent dieser Plätze seien für herzkranke Patienten vorgesehen. In Bernau sieht die Quote ähnlich aus, mit dem Unterschied, dass hier insgesamt nur 25 Plätze zur Verfügung stehen.
Die neue Klinik in Strausberg würde über die Nachsorge im Bereich der herzkranken Patienten und ihrer Familienmitglieder hi-naus Möglichkeiten eröffnen, sagt die Geschäftsführerin des Hauses, Sandra Bandholz. Zusätzlich zu den Reha-Plätzen für junge Krebspatienten und ihre Angehörigen sowie für verwaiste Familien, die ihr Kind wegen eines Unfalls oder einer Erkrankung verloren haben, sind in Strausberg auch welche für mukoviszidosekranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vorgesehen und mittelfristig auch welche für Jugendliche, die ohne Eltern kommen wollen.
Felix Berger lobt das in Bernau und zukünftig in Strausberg praktizierte Modell der familienorientierten Rehabilitation – eine gleichartige Rehabilitationsklinik gibt es nicht in den neuen Ländern. Im Rahmen dieser Rehabilitation wird jede Familie in medizinischer, psychologischer und physiotherapeutischer Hinsicht umfassend versorgt. „Bei frisch operierten Säuglingen mit angeborenem Herzfehler haben Eltern oft große Hemmungen, ihre Kinder in den Arm zu nehmen, sie sind übervorsichtig. In dieser Klinik werden sie ermuntert, sicherer zu sein“, nennt er ein Beispiel. Herzoperationen seien ein riesiger Einschnitt in die Familienstruktur, die gemeinsame Reha umso wichtiger. „Optimal wäre es, wenn wir allen Patienten dieses Angebot machen könnten“, sagt Berger. Die Anmeldung für die 28-tägige Reha nehme in der Regel das Herzzentrum vor. Und zwar dann, wenn erkennbar sei, dass der Operierte in drei bis fünf Tagen entlassen werden könnte.
Bauherr Peter Fritz geht unterdessen weiter davon aus, dass die Klinik Ende 2020 eröffnen kann. Auch wenn die Suche nach Baufirmen angesichts des überhitzten Marktes schwierig sei.