Die Kommune will von der Offensive Bike + Ride profitieren, die die Deutsche Bahn Station & Service AG auf Initiative des Bundes  gestartet hatte. In deren Ergebnis sollen  bundesweit mindestens 100 000 Fahrradabstellplätze im unmittelbaren Umfeld von Bahnhöfen und Haltestellen geschaffen werden. Bund und Bahn fördern entsprechende Vorhaben mit 40 Prozent über eine Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten im kommunalen Umfeld.
Bei laut den Unterlagen veranschlagten Gesamtkosten von 27 500 Euro stellt die Gemeinde im Haushalt 2020 einen Eigenanteil von rund 15 000 Euro bereit, die um 12 500 Euro Fördermittel ergänzt werden. Über einen Rahmenvertrag mit der Deutschen Bahn AG soll der bereits existierende Standort in Rehfelde ausgebaut werden. Dort ist vorgesehen, die vorhandene überdachte Fahrradständeranlage zu einer doppelstöckigen umzubauen. Insgesamt 120 Drahtesel können dann dort platziert werden. Dafür eventuell Parkplätze zu opfern, kam laut Patrick Gumpricht nicht in Betracht. "Wir wollen zwar auch neue Parkplätze an der Bahn bauen, aber erst einmal die nachhaltige Art der Fortbewegung fördern", erklärte er.
Interesse an zusätzlichen Radplätzen war bereits 2019 über den Landkreis bzw. DB Station & Service angemeldet worden. Damals ging es aber noch um mehr Plätze an beiden Stationen, also auch in Herrensee. Dort gibt es derzeit 24 Fahrradabstellplätze in einer überdachten Anlage, dazu eine ganze Reihe von Bügeln, an denen Zweiräder angeschlossen werden können. Weil die Eigenmittel der Gemeinde für zwei Anlagen nicht gereicht hätten und der Druck in Herrensee nicht so groß sei, wurde entschieden, sich auf eine Stelle zu konzentrieren. Und zwar auf die, wo der Bedarf größer ist, sagte der Bürgermeister. Man werde beobachten, wie  das Angebot angenommen wird und wie sich der Bedarf entwickelt, hieß es aus dem Baubereich der Amtsverwaltung. Im Auge habe man auch die zunehmende Nutzung von Elektro-Bikes. Deren Besitzer präferierten nach den Erfahrungen eher abschließbare Boxen und seien bereit, dafür auch Gebühren zu zahlen.
Zeitplan etwas im Verzug
Bei der Kalkulation der Gesamtaufwendungen seien auch nicht förderfähige Eigenleistungen, wie Tiefbauarbeiten zum Herrichten der Flächen, berücksichtigt worden, heißt es. Bei sämtlichen fünf betrachteten Standorten handelte es sich um kommunalen Grund und Boden. In einer virtuellen Befahrung mit Vertretern der DB waren Varianten erörtert worden. Zudem wurde geprüft, ob keine Flucht- oder Rettungswege sowie keine Erdkabel oder andere Betriebsanlagen der Bahn  betroffen sind und vorhandene Wegebeziehungen nicht gestört werden.
Der bei der Runde verabredete Zeitplan ist nach Einschätzung von Wolfgang Bohm aus dem Tiefbaubereich der Verwaltung indes eher überholt. Wenn die Stellungnahme der Bahn vorliege – was eigentlich im März erfolgen sollte – werde die Amtsverwaltung den Fördermittelantrag einreichen, kündigte er an. Dass dann bereits im Juni ein Bescheid vorliegt, hält er angesichts der derzeitigen Arbeitsweisen mit Homeoffice und Beschränkungen für unwahrscheinlich. Entsprechend könne sich die für Anfang August geplante Auftragserteilung für Lieferung und Montage verzögern. Vermutlich könnten die neuen Abstellplätze wohl erst im Herbst genutzt werden.
Carsten Kopprasch (Linke/Zukunft) stellte sich namens seiner Fraktion hinter die Vorlage, wollte die Beteiligung aber unter den Vorbehalt gestellt sehen, dass die Fördermittel tatsächlich gewährt werden. Diese Intentionen seien auch in anderen Gremien  geäußert worden und würden aufgenommen, bestätigte der Bürgermeister. Die so ergänzte Vorlage wurde letztlich einstimmig angenommen.