Die Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf hat ihren Garten im Oktober 2019 aber zusammen mit anderen Flurstücken als Kompensationsfläche für den geplanten Schulneubau in der Landstraße erworben und will dort 30 Bäume und 740 Sträucher als Ausgleichsmaßnahme pflanzen. Dafür müssten 100 Bäume und 700 Sträucher entfernt werden, klagt Meyhöfer. Nicht nur seine Familie, sondern auch die Eidechsenhügel nebenan würden verschwinden.
Die Berliner haben sich hier völlig im Einklang mit der Natur seit 2009 inmitten des Biotops ohne Wasseranschluss eingerichtet: Sie sammeln das Regenwasser über die kleine Laube in drei großen Tonnen und bewässern damit ihr Gartengrundstück. Über die Jahre sind Sträucher und Bäume gepflanzt worden, die auch einheimische Tiere anlocken. "Uns liegen der Klimaschutz und Artenvielfalt am Herzen", sagt Susanne Raffelt. Die Lehrerin versteht nicht, warum Bürgermeister Thomas Krieger zwar Entscheidungen für den Zuwachs der Gemeinde treffe, aber dafür die Artenvielfalt vernachlässige. Ausgleichspflanzungen könnten auch auf bisher ungenutzten Kompensationsflächen vorgenommen werden. Er solle sich das Ganze doch mal anschauen und über Kompromisse nachdenken, fordert Zimmermeister André Meyhöfer.
Auch die Nabu-Ortsgruppe Fredersdorf-Vogelsdorf lehnt die geplanten Maßnahmen auf der Kompensationsfläche E1 in der Gemarkung Altlandsberg wegen der vielfältigen Lebensraumstrukturen (Offenland, Hügelland, Verbuschung und Bewaldung) ab und fordert deren Erhaltung in ihrem jetzigen Zustand, einschließlich Sicherung durch einen städtebaulichen Vertrag. In einer Stellungnahme zum Bebauungsplan BP 40 "Schulstandort Landstraße" weist der Vorsitzende Ralf Haida auf die wichtige Funktion als Rückzugsbiotop und Übergangsbereich zwischen Siedlung und Ackerflächen mit Kirschbäumen, gemeinen Eschen und Bergahorn hin.
Sie seien erst kurz vor Beschluss über die Kompensationsflächen am 23. Juni darüber informiert worden und haben ihre Kündigung erhalten, beteuern Meyhöfer und Raffelt. Der Gemeinderatsvorsitzende Volker Heiermann (SPD) hatte in ihrem Sinne dagegen gestimmt. Im Oktober 2019 erkundigten sich die Gartenpächter noch über den aktuellen Stand zum Schulneubau, als die Gemeinde ihr Grundstück vom Besitzer kaufte. Man versicherte ihnen telefonisch, sie müssten sich keine Sorgen machen. Jetzt wurde ersichtlich, dass ihre Flurstücke damals schon als Kompensationsfläche angedacht waren. "Das ist sehr unehrlich", sagt Susanne Raffelt. Das Grundstück wurde unbegrenzt zur Pacht überlassen. Nun sollen die Pächter es bis Jahresende ohne Gegenangebot für ein Stückchen Grün zur Erholung aufgeben.
Kein Handlungsspielraum
"Die zur Diskussion stehende Fläche wurde im November 2018 auf dem freien Immobilienmarkt angeboten", rechtfertigt sich der Bürgermeister. Der Pächter hätte die Fläche vom vorherigen Eigentümer erwerben können, habe dies aber nicht getan. "Als Bürgermeister habe ich aufgrund des Satzungsbeschlusses zum BP 40 keinen Handlungsspielraum um private Belange (wie die Weiterführung Ihres Pachtvertrages) zu berücksichtigen. Ein persönliches Gespräch würde keine Abhilfe schaffen", teilt er dem Paar auf ihren Einspruch vom 7. Juli hin ein paar Tage später  mit. Der subjektive Eindruck eines bereits hochwertigen Garten-Biotops decke sich nicht mit der naturschutzfachlichen Einschätzung der Landschaftsplaner. Es würden neue hochwertigere Lebensräume entstehen, das Landschaftsbild mit derzeit geringer ökologischer Bedeutung (Nutz-Garten) würde entscheidend aufgewertet.
Die Kompensation mit dem Ziel eines gestuften strukturreichen Ortsrandes durch Gehölzanpflanzungen und einer blütenreichen Wiese mit Gehölzgruppen soll durch Entsiegelung, Neuanpflanzungen und der naturschutzfachlichen Pflege von aufwertungsbedürftigen Flächen erfolgen.