Wo Insekten sind, sind auch Fledermäuse. Deshalb knallte und plätscherte es am vergangenen Freitagabend gegen 20 Uhr am Teich des Hellpfühleparks recht ungewöhnlich. Mit Hilfe eines Detektors, der Ultraschallfrequenzen verstärkt, waren Fledermaustöne zu hören. Fledermausexperten wie Gernot Perschel aus Frankfurt (Oder), der extra zur Fledermausnacht nach Neuenhagen gekommen war, unterscheiden in „trockene“ und „feuchte“ Rufe. Die Nabu-Ortsgruppe hatte ab 19 Uhr zur gemeinsamen Erkundung der Tiere geladen. Am ausgetrockneten Herrmannpfuhl auf dem Gelände der Neuenhagener Trainierbahn sind sie nicht mehr zu beobachten. Nun versuchten ungefähr 50 Zuschauer (davon über die Hälfte Kinder), in Nähe der Rudolf-Breitscheid-Allee bei Eintritt der Dunkelheit einen Blick auf die scheuen Flugkünstler zu erhaschen – zumindest hören konnte man sie deutlich.

Auf der Jagd nach dem Jäger

Der Mauersegler gehe jetzt schlafen – nun sei es Zeit für den Abendsegler, kündigt der stellvertretende Nabu-Ortschef Frank Ott den Neugierigen übers Mikrofon an. Der Vogel wird von ganz besonderen Säugetieren abgelöst: den Fledermäusen – als flugfähige Wirbeltiere in Brandenburg gleich 22-mal vertreten; sechs Arten seien allein in Neuenhagen unterwegs. Neben einem Infostand zu bedrohten Tierarten sowie zur Arbeit des Naturschutzbundes und einem Kinderquiz zu Besonderheiten der Fledermaus wurde auch ein großes Fangnetz aufgestellt. An diesem stand Claudia Kronmarck aus Frankfurt (Oder). Die Biologin hatte die Aufgabe, die lichtempfindlichen Tiere mit feinen Haarnetzen ganz vorsichtig festzuhalten und zur Schau zu stellen. „Wenn sie ins weiche Netz fliegen, bleiben sie nur kurz hängen und werden gleich wieder befreit.“

Beuteflug übers Wasser

Wie erwartet kamen dann auch Abendsegler sowie Zwerg- und Wasserfledermäuse aus ihren Verstecken, um sich am Teich mit Futter zu versorgen. „Beim Jagen über das Wasser und in der Luft sind die verschiedenen Fledermausarten auf Fluginsekten aus“, erklärt Perschel den beobachtenden Teilnehmern. Er berichtete zusammen mit dem Biologen Norbert Wedel über die verschiedenen unter Naturschutz stehende Arten und weiß genau, mit welcher Frequenz zwischen 20 und 60 kHz sein Gerät die Ultraschall-Rufe der jeweiligen Art anzeigt. Zum großen Fang muss die Wasseroberfläche frei sein, genauso die Einflugschneise zum Fledermausbau, lernen an diesem Abend interessierte Zuhörer. Nur das Große Mausohr mache sich erst gegen 22 Uhr auf den Weg und vertilge am liebsten Laufkäfer. Diese Fledermausart könnte im Gegensatz zu anderen höhenabhängigen Fledermäusen am Boden starten, erklärt Perschel.
Fledermausnacht in Neuenhagen

Naturschutz Fledermausnacht in Neuenhagen

Großes Interesse aus der Region

Mit einem solchen Andrang hatte selbst Ott nicht nach seinem coronabedingt kleineren Aufruf gerechnet, dennoch freute er sich über das rege Interesse der Neuenhagener. Aber auch viele Natur-Liebhaber aus Fredersdorf-Vogelsdorf, Hoppegarten, Altlandsberg und Berlin waren gekommen, um mehr über die Tiere zu erfahren – und sie vielleicht auch mal direkt im Flug in unmittelbarer Nähe zu erleben. Tamino Viehrig aus Fredersdorf-Vogelsdorf kennt die Fledermäuse aus dem Gartengrundstück seiner Eltern. Dort sind sie unter anderem zu Hause, sagt er. Aber dass es von ihnen so viele verschiedene Arten und Größen gibt, wusste der Siebenjährige nicht. Sein Ziel war es, endlich mal eine lebende Fledermaus von Nahem betrachten zu können.

Kekse statt Fang

Das hat leider nicht geklappt. Zum Trost an die erwartungsfrohen Kinder und Erwachsenen verteilte Frank Ott dann Fledermaus-Kekse. Die nächste Chance auf eine Nabu-begleitete Fledermausnacht käme in zwei Jahren wieder, kündigt er an. Dann aber an einem anderen Standort, wo die neue Straßenbeleuchtung nicht blende und auch fast 30 aufgeregte Kinder die Tiere nicht mit Taschenlampen vom zufälligen Flug ins Netz abhalten können.

Naturschutz-Jugend trägt Wissen weiter

Für naturverbundene Kinder wäre die Naju-Ortsgruppe eine Möglichkeit, generell mehr über bedrohte Tierarten und nützliche Tipps für das Leben von Gartentieren wie Bienen oder Igel zu erfahren, schildert Sigrid Widowski. Sie hat die Gruppe zusammen mit ein paar anderen Frauen 2019 gegründet. Sobald die Goethe-Schule wieder ihre Freizeitkurse durchführe, wollen auch sie dort wieder im 14-täglichem Rhythmus, immer dienstags, Nachwuchs für Naturschutz begeistern. Neben Vorträgen geht die Naturschutz-Jugend auch Insektenfischen, baut Igelhäuser oder Nistkästen.