So viel Trubel herrscht sonst nicht auf den landwirtschaftlichen Flächen rund um Hohenstein. Doch am Donnerstag war eine Gruppe Siebtklässler der BundtStift-Schule aus Strausberg insgesamt rund vier Stunden auf einem Feld am Eingang zum Ruhlsdorfer Bruch zugange.
Erst wurden in durchaus mühevoller Arbeit jede Menge Steine vom Acker gesammelt. In einem zweiten Schritt ging es später darum, aus diesen Haufen ein Habitat für den Steinschmätzer zu schaffen. Die zur Familie der Fliegenschnäpper gehörende Singvogelart, die auch in diesem Bereich des Schutzgebietes schon gesichtet wurde, brütet zwischen Steinen. Für die Landfarm Hohenstein, den örtlichen Agrarbetrieb, ist es nicht das einzige Beispiel von Kooperationen mit der Naturparkverwaltung. Diese wiederum hat seit diesem Jahr auch die Zusammenarbeit mit der BundtStift-Schule verstärkt, bietet für solcherlei Projektarbeit im Unterricht sozusagen ein grünes Klassenzimmer, das vom Recherchefundus im Buckower Schweizerhaus bis zu den Landschaften der Märkischen Schweiz selbst reicht.

Feldküche-Team kümmert sich um Verpflegung

Während die Masse der mit WAT-Lehrer Matthias Sblewski gegen 10 Uhr eingetroffenen Siebtklässler schon geraume Zeit beim Steinesammeln auf dem Feld ausgeschwärmt ist, hat ein kleines Team am Rande Position bezogen. Über dem Feuerchen köchelt in einem großen Kessel schon das Mittagessen für die Truppe: Suppe gibt es, erklären Jette und Charlotte, die das Rezept mitgebracht haben. Gemüse, Brühe und Tomaten als Basis, Nudeln sollen noch rein und Würstchen – gleich 40 Stück davon werden sie etwas später noch geschnippelt und in den Topf geworfen haben, dessen Inhalt Fritz mit einem großen Holzlöffel umrührt.
Fritz, der aber nicht nur als Koch Talent hätte, sondern auch im Umgang mit mancherlei Computertechnik versiert ist. Denn er hat den Videofilm, der am nächsten Tag mit einigen anderen Elementen als Teil der Projektpräsentation Premiere haben wird, final bearbeitet. Ein fast schon professionelles Werk, lobt Matthias Sblewski, der das Endergebnis selbst noch nicht kennt, aber um das immense Engagement weiß. Fritz ist nicht der Einzige, der sich ganz freiwillig Arbeit aus der Schule mit nach Hause genommen hat. Im Grunde alle Schüler seien „Feuer und Flamme“, wie der Lehrer festgestellt hat. Sowie sehr organisiert und selbstständig aktiv – ihm fällt da zumeist nur noch eine koordinierende Rolle zu. So, wie erfolgreiche Bildung im besten Fall funktionieren sollte.

„Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten

Das Anlegen des Steinschmätzer-Habitats passt sich ein in zwei Projektwochen, die nun zu Ende gehen. Und die nicht zuletzt Beispiel sind der neuen Kooperation zwischen Schule und Naturpark, die auch noch formell fixiert werden soll. Sandro Knick, primärer Partner in der Naturparkverwaltung, ist ebenfalls ganz begeistert. „So ist auch schon der Drei-Phasen-Kompost am Schweizerhaus fertig“, angelegt von Schülern als Anschauungsobjekt zum Themenbereich Boden. Und das Video wiederum, in dem unter anderem Landfarm-Chef Marius Linnemann im Schüler-Interview einen Auftritt hat, wird künftig im Besucherzentrum des Naturparks laufen.
„Für die Kinder ist es etwas ganz Tolles, dass die Ergebnisse, die sie schaffen, nicht irgendwelche Staubfänger, sondern richtig nachhaltig und praktisch nutzbar sind“, sagt Sblewski. Sandro Knick spricht von einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Naturparkverwaltung profitiert von zusätzlichem Infomaterial, neben dem kleinen Film auch Prospekte zu einzelnen Arten, die Schülerinnen und Schüler haben Wissenszuwachs und Spaß, Bauer Linnemann ein nun teilweise steinbefreites Feld. „Das Absammeln müssen wir einmal jährlich machen“, erklärt er beim Vorbeischauen, als die Truppe Mittagspause macht. Die Steine, Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit in der märkischen Landschaft, könnten sonst den Erntemaschinen schaden.

Alles festgehalten im Projekttagebuch

In Notizeinträgen und Fotos haben Nike und Laureen alle Aktivitäten im Projekttagebuch festgehalten. Am anderen Ende des Feldes legen sich gerade noch mal die Steinesammler ins Zeug, in ihrem Arbeitsgang noch etwas besser durch Karina Warnke und Patrick Steuck vom Artenreich-Projekt organisiert. Matilda hievt einen besonders dicken Brocken aus dem Boden. Sie ist auch diejenige, die für die Präsentation den „Steckbrief“ zum Stein­schmätzer verfasst und tiefgründig recherchiert hat. Dabei ist sie darauf gestoßen, dass die vom Aussterben bedrohte Art einen Weltrekord hält: „Diese Vögel fliegen zum Überwintern bis zu 30.000 Kilometer.“