Rund 100 Neuenhagener nahmen als Publikum an der Sondersitzung des Umwelt-, Bau- und Ortsentwicklungsausschusses Montagabend teil. Da ging es wieder um die bauliche Gestaltung des Areals an der Eisenbahnstraße. In der regulären Sitzung des Fachausschusses im Februar war der Entwurf für die Eisenbahnstraße, wie er von einer Jury und einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsverfahren empfohlen wurde, gescheitert. Nun präsentierten drei Planungs- und Architekturbüros sowie Dagmar Schultz ihre Ideen. Dagmar Schultz (Die Parteilosen) ist Ausschussmitglied, trat aber, wie Sven Kindervater (Linke) als Vorsitzender des Gremiums auf Nachfrage von Georg Stockburger (Grüne) betonte, "als Bürgerin" auf.
Das R. G. Lehmann & Co Projektbüro Brandenburg favorisierte eine lockere Bebauung. Ein Gebäude mit einem Drogeriemarkt im Erdgeschoss und kleineren Geschäften, darüber Wohnungen. Das Eisenbahnerhaus soll saniert und als Café oder/und Ärztehaus hergerichtet werden. Eine zweite Variante bezog das Bestandsgebäude ein und "umbaute" es mit einer weiteren Handelseinrichtung. Der gewünschte Wochenmarkt oder Bürgerplatz könnte an der Ecke Hauptstraße/Eisenbahnstraße stattfinden. Die Investitionshöhe läge bei 3,5 Millionen Euro, lautete eine Schätzung.
Gerald Stechbarth von der Rentamed Verwaltungsgesellschaft mbh wartete mit einem ganz anderen Verwendungszweck fürs Areal auf. Seine Gesellschaft ist auf Poliklinikbauten spezialisiert, und so stellte er ein dreigeschossiges Ärztehaus-Ensemble vor. Der städtische Charakter passe zur Fichtenstraßen-Bebauung, erklärte er. Man rechne mit 300 bis 450 Patienten täglich und 50 Angestellten. Kosten würde es rund fünf bis sechs Millionen Euro.
Architekt Frank Stüven stellte die Idee der Holst City Projekte vor. Die Gesellschaft hat in Neuenhagen bereits den REWE-Markt gebaut und würde ebenso einen Drogeriemarkt im Erdgeschoss eines neuen Gebäudes und Wohnen mit Dachterrasse darüber favorisieren. Das Bestandsgebäude würde separat als Bürohaus hergerichtet werden. Den Imbiss auf der Ecke zog der Architekt in die Gestaltung ein und daran anschließend siedelte er den Wochenmarkt an. Rund drei Millionen Euro Kosten wurden angegeben.
Dagmar Schultz stellte ihren Vorschlägen die Verkehrssituation voran und die Probleme, die aus zu kompakter Bebauung noch größer werden würden. Sie hatte eine Idee von Sven Kindervater aufgegriffen: Kein Drogeriemarkt in die Eisenbahnstraße. Den sieht sie beim ebenfalls angedachten Bio-Markt auf der anderen Seite der S-Bahngleise auf dem Gelände im Rosa-Luxemburg-Damm 1 besser aufgehoben - wenn dort die Verkehrsprobleme der Zufahrt gelöst werden könnten.
Dagmar Schultz hatte ihren Vorschlag aus dem Ideenwettbewerb von 2012 überarbeitet und sich - im Unterschied zu den anderen - auf das gesamte Areal bis zum S-Bahnhof konzentriert. Daraus folgten auch Vorschläge, die Bahnhofsarchitektur in Dachformen wieder aufzunehmen, den gesamten Bahnsteig zu überdachen, das kleinere Baufeld ebenfalls im Blick zu behalten. Dort sieht sie zwei Gebäude anstelle der jetzigen. Ihr Vorschlag zog sich um die vorhandene private Bebauung in der Eisenbahnstraße herum. Ohne einen großen Drogeriemarkt, so Dagmar Schultz, wäre in zwei der Umgebung angepassten neuen Gebäuden Platz für kleinteilige Handelseinrichtungen und Gaststätten. Darin hätten auch Praxen und Büros Platz, während darüber gewohnt werden könnte. Vor den Häusern wäre ausreichend Raum für Grünes und Parkplätze. Der Wochenmarkt könnte direkt vor dem Bahnhof aufgebaut werden, ein zweiter Bahnhofzugang sei möglich und auch eine öffentliche Toilette. Ihre Variante, so argumentierte die Neuenhagenerin, verursache am wenigsten zusätzlichen Verkehr.
Die Aussprache war kurz. Stockburger und Klaus Obendorf (CDU) gaben zu bedenken, dass man ökonomisch mit den kommunalen Grundstücken umgehen müsse und "Kleinteiligkeit" nicht der richtige Weg sei. Kindervater fasste zusammen, dass ein Drogeriemarkt am Bahnhof keine Zustimmung finden würde und auch ein Ärztehaus nicht, da es dafür andere Pläne gebe. Am dichtesten an den Vorstellungen war demnach der Vorschlag von Dagmar Schultz.