Ganz wörtlich nehmen, warnte Alexander Montebaur, Vorstandschef der E.dis AG, sollte das bei dem am Montagabend feierlich in Betrieb genommenen neuen Umspannwerk aber niemand. Schließlich kommt der Strom dort auf der einen Seite über die Hochspannungsleitungen mit stolzen 110 Kilovolt (kV) an, um in dieser Einrichtung zum weiteren Verteilen über das Mittelspannungsnetz auf der anderen Seite auf 10 bzw. 20 kV heruntertransformiert zu werden. "Technisch ist das hier so etwas wie Ihr Sicherungskasten zu Hause, nur um einiges größer", machte Montebaur als Vergleich deutlich.
Schon in den 1950er-Jahren stand ein kleines Stück entfernt am Krienhafen ein Vorläuferbau, der 1986 noch zu DDR-Zeiten durch ein damals modernes Umspannwerk am jetzigen Standort ersetzt wurde. Auch dieses war aber nun in die Jahre gekommen. Hinzu kam, dass sich generell neue, zusätzliche Herausforderungen ergeben haben, nicht zuletzt mit der Notwendigkeit, regional erzeugten "grünen Strom" aus Solar- und Windkraft ins Netz einspeisen und weitertransportieren zu können.
Der Ersatzneubau, der binnen 18 Monaten Bauzeit für drei Millionen Euro Investitionskosten bei laufendem Betrieb errichtet wurde, ist deshalb mehr als nur eine neuere Version des schon Vorhandenen. Leistungsfähiger ist die neue Anlage, und bei der Umstellung auf nun auch eine 20-kV-Leitung an den Ausgängen wurden zudem 75 Trafostationen überprüft, zehn davon erneuert und auch 15 Kilometer Mittelspannungskabel neu verlegt.
Im Gesamtgebiet der E.dis AG, das sich bis nach Mecklenburg-Vorpommern erstreckt, gebe es mittlerweile 40 000 EEG-Anlagen, die regenerative Energien einspeisen. In Brandenburg allein mache die Kapazität von Wind und Solarkraft nunmehr 5800 Megawatt aus, sagte Montebaur. "Das wäre vergleichsweise genug, um 11 000 der neuen Tesla-Elektrotrucks von je 500 kW gleichzeitig zu laden", nahm er nicht nur an dieser Stelle Bezug auf den E-Autobauer, der ein Stück weiter bei Grünheide sein Werk errichten will.
Ein Umspannwerk wie Rüdersdorf bei laufendem Betrieb der jeweils anderen Hälfte komplett rück- und neu zu bauen, sei keine Kleinigkeit. "Stellen Sie sich das so vor, als wenn Sie bei einem Hubschrauber mitten im Flug nacheinander beide Propeller austauschen." Dass man bei Bauzeit wie Kosten ganz im vorgezeichneten Rahmen geblieben sei, wäre heutzutage keine Selbstverständlichkeit, dankte der E.dis-Chef nicht zuletzt den beteiligten Firmen, die sich mächtig ins Zeug gelegt hätten, sowie den unternehmenseigenen Monteuren, Ingenieuren und Meistern.
Umstellung zentral auf dezentral
Neben Landrat Gernot Schmidt, Vertretern der E.dis-Schwester Bayernwerke im E.on-Konzernverbund, der SPD-Landtagsabgeordneten Elske Hildebrandt sowie Vertretern der Baufirmen hatte sich zur Feier vor allem Hendrik Fischer eingefunden. Der Staatssekretär im Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie würdigte die Investition in dieser Größenordnung, "die es so in Brandenburg ja nicht alle Tage gibt". Es sei ein wichtiger Baustein in der Umstellung von zentraler auf dezentrale Energieversorgung und im Viereck der Komponenten Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit ("bezahlbar für den Bürger"), Versorgungssicherheit und politische Akzeptanz. Gerade zu letzterem Aspekt müsse man auch in der Mark "im Kommunikationsprozess noch etwas nachlegen", räumte er ein.