Zunächst stand allerdings gar nicht fest, ob der Punkt überhaupt beraten wird. Denn im elektronischen Verteilsystem der Unterlagen für die Kommunalpolitiker fehlten Dokumente, andere seien erst sehr spät versendet worden, wurde bemängelt. Bei einer derart wichtigen Entscheidung für die gemeindliche Entwicklung wollte sich Vorsitzende Ilka Goetz (Linke) hinterher nicht Verfahrensfehler vorwerfen lassen und setzte eine Pause an, um mit Fraktionschefs und Verwaltung das weitere Vorgehen zu besprechen. Aus avisierten zehn Minuten  wurden fast 30, der Punkt blieb auf der Tagesordnung.
Diskussion über Befangenheit
Kurz darauf musste das Publikum für einige Minuten aus dem Saal, um mögliche "Interessenkonflikte" von Bürgermeister Ansgar Scharnke (Die Parteilosen) zu besprechen. Er hatte zuvor erklärt, er nehme nicht an Diskussion und Abstimmung teil, um nicht das Ergebnis zu gefährden, auch wenn er die Ansicht nicht teile, dass er befangen sei. Dem Vernehmen nach sollen Scharnke bzw. Familienangehörige ein Grundstück in der Nähe haben und in einen Rechtsstreit eingebunden sein.
Bei der inhaltlichen Diskussion schließlich machte Dagmar Schultz (Die Parteilosen) darauf aufmerksam, dass es für den Ende 2016 beschlossenen B-Plan kein aktuelles Schallschutzgutachten gegeben habe. Werde nicht nachgebessert, könnten Schadenersatzforderungen drohen, wenn die seinerzeit getroffenen Festlegungen nicht ausreichten. Baufachbereichsleiterin Christiane Fälker bestätigte, in dem genutzten Gutachten von 2001, erstellt vor dem Bau der Schallschutzwand, sei auf zweigeschossige Bebauung abgestellt worden und nicht auf bis zu vier, wie der B-Plan an manchen Stellen vorschreibt. Zudem seien aktuelle Verkehrsströme unberücksichtigt, ergänzte Bauausschusschef Rico Obenauf (Die Parteilosen). Wenn man hier aktiv werde, gehe man das geringste Risiko ein.
Corinna Fritzsche-Schnick (CDU) hielt entgegen, diese Risiken seien vage, während Schadenersatzforderungen von Investoren in Millionenhöhe durch das Aufschnüren des Plans drohten. Das Geld könnte für dringend benötigte Schulplätze fehlen, die Schallschutzfrage auf andere Art geklärt werden, sagte sie. Gabriele Zink-Ehlert (B 90/Grüne) und Ilka Goetz verwiesen zudem auf den Lärmaktionsplan von 2012, der Belastungen für einzelne Bereiche klar ausweise. Klaus Obendorf (CDU) mahnte, man solle bei den Fakten bleiben und "nicht dramatisieren". Gute Fenster schafften die geforderten Werte "locker", war er überzeugt. Hartmut Kretschmer (B 90/Grüne) hingegen erinnerte daran, dass auch nie geprüft worden sei, ob die Schallschutzmauer an der Autobahn die erhofften Werte bringt.
Marianne Hitzges (SPD) argumentierte, Änderungen eines B-Plans seien nur bei schweren Mängeln gerechtfertigt und solche seien für sie nicht erkennbar. Christine Hövermann (Linke) verwies auf Angebote der Investoren, zum Beispiel Dachbegrünung oder Staffelgeschosse. Die genannten Probleme seien auch ohne B-Plan-Änderung zu klären, glaubt sie. Für Anton Wulke (B 90/Grüne) stand hingegen fest: "Der Bebauungsplan ist nicht gut." Familien mit Kinder würden wohl eher da sein als die nötigen Schulplätze, die S-Bahn sei jetzt schon voll, der Verkehr im Ort dicht. Es wäre besser, vor weiterem Zuzug erst die Infrastruktur zu schaffen, sagte er.
In der von Günter Paulat (Die Parteilosen) beantragten namentlichen Abstimmung votierten vornehmlich die Gemeindevertreter von CDU, Linken und SPD  gegen die Vorlage, Paulats Fraktion komplett dafür. Wer Recht hatte, könnte sich bald zeigen, denn dem Vernehmen nach läuft ein Normenkontrollverfahren gegen den Plan, wird ein Gericht also feststellen, ob es seinerzeit Fehler gegeben hat.