Als der große Umzug am Sonnabend in Zinndorf startet, regnet es. Dass trotzdem eine bunt beschirmte Menschenmenge die Chaussee durchs Dorf säumt, ist aber klar. Steht beim Oktoberfest doch das Jubiläum eines knatternden und ohne Kat sympathisch stinkenden Lanz-Bulldog-Treckers im Mittelpunkt - ein rüstiger 80-Jähriger, Baujahr 1936.
Den mögen sie fast alle. Der zog schon vor dem Krieg allerhand hinter sich her, genauso wie nach 1950, als ihn Bauer Max Lötz für seinen Hof erworben hatte. Er ging auch mit 65 nicht in Rente, sondern machte in so manchem Festumzug oder zur Brandenburger Landpartie eine gute Figur.
2007 hat Max Lötz sein in Ehren "ergrautes bestes Pferd im Stall" der nächsten Generation übergeben: dem Feuerwehr-Förderverein mit seiner IG Bulldog. Deren Mitglieder hatten das Museumsstück schon etliche Jahre gepflegt und bewegt und würden es weiterhin tun. Auch mit angedocktem Hänger, gewissermaßen ein Zinndorfer Kremser-Ersatz.
Zum Beispiel, wenn es die Senioren mal zum Picknick ins Grüne treibt. Oder die Kinder bei Festen eine Runde durchs Dorf drehen. Mit der Feuerwehr fährt das Schmuckstück auch mal bis zur befreundeten Wehr nach Stahnsdorf. "Er hat es aber auch schon bis Graal-Müritz geschafft", erzählt "Ello" Olaf Elsholz - zusammen mit Jörg Röseler die Chef-Fahrer. "Wer uns mieten möchte, kriegt uns."
Ihren Traktor lieben, hegen und pflegen sie, inzwischen als kleiner Verein der Bulldog-Freunde. Für ihn haben sie eine alte Scheune in der Siedlung fit gemacht, schrauben und schmieren sie, haben eine extra Foto-Ausstellung aufgebaut und verkaufen zum Oktoberfest Schmalzstullen. Immerhin brauche er Diesel, Öl, Ersatzteile, sagt Ello, während Cornelia Rutter schon dem nächsten Hungrigen saure Gurke aufs Brot packt.
Und sie organisieren ihrem ratternden Gesellen und sich allen im Dorf gemeinsam das Gemeindefest: der Zinndorfer Bürgerverein, die Bulldog-Freunde und immer wieder die Feuerwehr. "Es funktioniert ja nur, wenn alle mittun", erklärt Chef-Organisator Florian Haupt - Feuerwehrmann genauso wie Bulldogfreund und scherzhaft schon als Assistent des Bürgermeisters gehandelt.
So feiern sie denn mit allem Drum und Dran: Höhenfeuerwerk am Vorabend, einer feurig aufspielenden Jugendblaskapelle Drezdenko, Strohpuppen-Wettbewerb und Fahrzeugparade, Spiel, Tanz und den Freunden aus Zwierzyn. Gemäß polnischer Erntedank-Tradition bringt dessen Bürgermeister ein frisches Brot mit. Jeder kann sich eine Krume herausbrechen, nur der Jubilar nicht.