Die Schar der Helfer war etwas überschaubarer, als von den Organisatoren erwartet. Aber zumindest die Erschienenen zeigten am Sonnabendvormittag in Reichenberg bei der ersten der Pflanzaktionen aus Anlass von 30 Jahren Naturpark Märkische Schweiz vollen Einsatz – und hatten auch Spaß dabei, insgesamt 30 Obstbäume entlang dem Mühlenweg in den Boden zu bringen. Zumal auch noch Käte Roos, Inhaberin des am Weganfang gelegenen Straußenhofes, zwischendurch in sehr willkommener Weise mit Verpflegung vorbeischaute, so dass sich das Team mit Brötchen und Kaffee stärken konnte.
Es ist der Berliner Sebastian Koch, gut mit der Nichte von Käte Roos befreundet, der an dieser Stelle schon solide Grundlagenarbeit geleistet hat und auch diesmal tatkräftig mit dabei war. 2012 hat er damit begonnen, etwa einen Kilometer von den letzten Reichenberger Gehöften entfernt eine Streuobstwiese anzulegen. „Die letzten sehr trockenen Sommer waren zwar hart“, erklärte er, aber die dort gesetzten Bäumchen wachsen inzwischen heran. Nun wird dieser Jung-Bestand durch die Pflanzaktion entlang der Wegstrecke gewissermaßen in die Länge ausgedehnt.

Streuobstwiese war 2012 der Anfang

Landsberger Renette, Dülmener Rosenapfel, Roter Winterstettiner, Edler von Leipzig, Apfel von Grünheide, Pommerscher Grünstiel, Schlesischer Lehmapfel, Roter Astrachan, Prinzenapfel, Apfel aus Lunow oder Roter Jungfernapfel, liest Sebastian Koch die Namen von der Liste vor. Dazu ein paar Birnen wie Gräfin von Paris oder Pastorenbirne. 80 bis 85 alte Sorten sind es, aus denen die Auswahl erfolgt. Bei Hilmar Schwärzel, dem Leiter der Obstbau-Versuchsstation Müncheberg, war er ebenso wie beim Frankfurter Obsthof Bröcker & Schaus. Zudem hatte er, bevor diese vor wenigen Jahren gefällt wurde, noch von der alten Obstbaumallee zwischen Reichenberg und Ihlow Reiser gewonnen.
In enger Kooperation mit Karina Warnke und Patrick Steuck vom Projekt Artenreich & Lebensräume, ebenfalls persönlich dabei, setzt Sandro Knick von der Naturparkverwaltung die Pflanzungen um. Drei weitere zupackende Händepaare liefern die jungen Leute, die seit September als ökologische Bundesfreiwillige im Einsatz sind. Annika Stieger und Marieke Probst (beide 18/Müncheberg) sowie Leolo Lenné (18/Waldsieversdorf) hatten schon tags zuvor stundenlang bei vorbereitenden Tätigkeiten geholfen. So waren etliche der Pflanzlöcher bereits ausgehoben, als sich am Sonnabend nun die ursprünglich aus dem Ort stammende Kirsten Lauritsen, der von ihr mitgebrachte Berliner Matthias Schlosser und Henriette Subklew einfanden. Ein paar Löcher galt es aber noch auszuweiten und zu vertiefen, wobei sich sogar der siebenjährige Anton an der Seite seiner Mutter tüchtig ins Zeug legte.

Schutz gegen Wühlmäuse und Rehe

Die zahlreichen Steine, auf die man an einigen Stellen stieß, könnten noch aus jenen alten Zeiten stammen, da der Mühlenweg – wie auch sein Name erinnert – eine wichtige Direktverbindung von Reichenberg bis zur Eichendorfer Mühle war. Gegen die Wühlmäuse, die Sebastian Koch schon aus jahrelanger Arbeit an der Streuobstwiese kennt, hilft eine Art Mantel aus Drahtgeflecht, das den Wurzelballen vor dem Anknabbern schützt. Genauso gibt es nach dem Einpflanzen und Anbinden am Stützpfahl noch oberirdisch einen Schutz für das Stämmchen gegen die Rehe.
Dass direkt hinter dem letzten Pflanzplatz der örtliche Landwirtschaftsbetrieb von Felix Thiemeyer einen Lesesteinhaufen aufgeschichtet hat, freut gerade Sandro Knick. Der schaut bereits voraus zur nächsten Aktion, die am Donnerstagvormittag, dann am Radweg zwischen den Müncheberger Ortsteilen Obersdorf und Trebnitz, ansteht. Später folgen noch größere Einzelbäume in den Oberbarnimer Ortsteilen wie eine Linde in Ernsthof.