Wer bis zum Pappelweg 5 im kleinsten Hoppegartener Ortsteil vorgedrungen ist, der steht vor einem von neun Pferdehöfen im Dorf. Und mag kaum glauben, dass nur 20 Kilometer entfernt davon das Leben pulsiert, der Fernsehturm steht. Bei gutem Wetter, behauptet Pferdehof-Inhaber Michael Höse, könne man ihn sogar sehen. Doch für diese Details haben die Siebt- und Achtklässler, die innerhalb des Inisek-Programms, das steht für Initiative Sekundarstufe, zu ihm kommen, kaum einen Blick. Denn Höse, seine Partnerin Yvonne Gille sowie mehrere Dozenten versuchen, die Schüler so nachhaltig zu beschäftigen und zu begeistern - derzeit gibt es Verträge mit der Stadtschule Altlandsberg und der Lise-Meitner-Oberschule in Strausberg -, dass die gar keinen Blick mehr für die Landschaft haben. Sondern sich als Siebtklässler täglich in einem anderen Beruf ausprobieren. Als Garten- und Landschaftsbauer etwa. "Da bauen wir mit den Kindern Benjeshecken oder üben den Baumschnitt", erzählt Höse. Als Pferdewirt auf Zeit sind die Kinder unterwegs, dürfen Koppeln säubern, lernen aber auch etwas über die Anatomie eines Pferdes. "Und merken fast nebenher, wie schwer der Beruf ist", sagt Höse. Ihm ist es wichtig, dass die Schüler innerhalb dieser Berufsfindungsphase auch erkennen, was ihnen gar nicht liegt. "Es ist absolut in Ordnung, wenn einer nach der Woche hier sagt: Dieser Beruf ist es absolut nicht", sagt Höse und erzählt von einem jungen Mann aus Altlandsberg, der nach der Praktikumswoche höflich schrieb, dass das Ganze unheimlich Spaß gemacht habe, er aber von seinem Berufswunsch als Lokomotivführer nicht abzubringen sei.
Die Mädchen und Jungen greifen auch zu Hammer, Nägeln und Sägen, denn sie sollen auch in der Holzbearbeitung ganz praktisch arbeiten. Eine Gruppe hat jüngst einen alten Schuppen wieder aufgemöbelt. "Das Schöne ist, dass wir nebenher auch Unterrichtsstoff vermitteln. Denn wenn wir Koppeln bauen, müssen die Schüler den Umfang berechnen, herausfinden, wie viele Pfähle wir brauchen ...", zählt Höse auf. Die vierte Station auf dem Hof PferdeLand sind Schlosserarbeiten. Da werden dann u. a. Tore repariert.
Seit vielen Jahren ist der Verein PferdeLand Partner - früher hieß das Programm Initiative Oberschule - für solche ganz praktischen Angebote der Berufsfindung. Einige der rund 150 jungen Leute sehen Michael Höse und seine Dozenten dann in der 8. Klasse wieder. Nämlich die, die Blut geleckt haben, noch spezieller herausfinden wollen, ob Garten- und Landschaftsbauer, Pferdewirt, Schlosser oder Holzbearbeiter ein Beruf für die Zukunft ist. "Als Verein liegt uns die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr am Herzen", sagt der 55-Jährige. Er freut sich schon auf die ersten Schüler, die im Mai zum Berufsschnuppern kommen und dann auch Bleibendes schaffen. Für sich im Kopf. Und auf dem Hof und für den Verein. PferdeLand.