Konkrete Hilfestellungen bei der Berufsfindung bekommen Teilnehmer der Kooperationsinitiative von Edis Netz GmbH und Internationaler Bund (IB). Sie wurden jetzt feierlich in der Arche Neuenhagen in ihre berufliche Zukunft verabschiedet. Junge Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen konnten, werden vom IB in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und Betrieben unterstützt. Auf diesem Wege soll auch dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Berufswahl fällt Jugendlichen schwer

Die Berufswahl ist ein schwieriges Feld. Oft wissen die jungen Erwachsenen gar nicht, was sie einmal werden wollen, wenn sie die Schule verlassen. Bevor sie eine dreimonatige Maßnahme mit Vorbereitungskurs beim Jobcenter MOL anstoßen und Teilnehmer ins Edis-finanzierte Praktikum weiterleiten, führen Berater wie Manuela Goldgrebe Vorgespräche. Auch danach bleiben sie mit den Trägern in Kontakt und machen Fallbesprechungen. „Die Jugendlichen durchlaufen eine Entwicklung. Zum Ende sitzen die meisten hier und können sich über einen Ausbildungsvertrag freuen.“

Alina Pelich geht zur Augenarztpraxis in Berlin-Neukölln

„Ich war vielleicht auch anfangs zu faul“, gibt Alina Pelich zu. Nun hat sich die 18-Jährige nach ihrem Mittleren Schulabschluss und der Maßnahme eine Ausbildungsstelle zur Medizinischen Fachangestellten erkämpft. Sie fängt bei einer Augenarztpraxis in Berlin-Neukölln an.
„Das Schwierigste ist immer der erste Schritt: sich aufzuraffen, noch einmal die Schulbank zu drücken – gerade wenn man nicht so tolle Erfahrungen damit gemacht hat“, sagt Bereichsleiterin Andrea Schild vom Jobcenter MOL. „Deshalb freuen wir uns, dass sich zwölf junge Leute auf den Weg gemacht haben, zehn durch den vorbereitenden Kurs gekommen sind und sieben nach dem Praktikumsprojekt eine Anschlussperspektive haben.“

Besonderheiten im Corona-Jahr

Vom bereits 12. Durchgang des Projekts „Mit Energie dabei“ haben acht bis zum Ende ihres vermittelten Berufspraktikums durchgehalten. Für die Leiterin der Beruflichen Bildung beim IB, Susanne Dünkel, eine sehr gute Quote – „auch wenn wir in diesem Jahr durch die Corona-Krise besondere Umstände hatten“. Diesmal wurden die jungen Erwachsenen wegen der Abstandsregeln auf dem Innenhof beglückwünscht. Bei den üblichen Projekttagen mussten sie sich leider auf nur einen Tag beschränken. Dennoch hätten sie sich jederzeit angenommen und aufgehoben gefühlt, loben die angehenden Azubis David Witt und Thuy Do in ihrem Abschlussbericht über ihre Erlebnisse.
Dabei war die persönliche Betreuung in den Praktikumsbetrieben nur eingeschränkt möglich. Viele Gespräche mussten am Telefon geführt werden. Durch die Unterstützung der Betriebe und das Engagement der Teilnehmer sei es dennoch gelungen, betont Dünkel. „Man braucht gute Kontakte, um zum Erfolg zu kommen. So ein Projekt wäre gar nicht möglich, wenn wir nicht alle zusammen unterstützen würden.“

Fortsetzung des Projekts für weitere drei Jahre

Bis auf eine Ausnahme scheint mit der Aussicht auf eine Lehrstelle oder bereits unterschriebenem Ausbildungsvertrag auch der Einstieg in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt gelungen. Till Fenoy aus Hönow musste sein Praktikum als IT-System-Elektroniker in Berlin vorerst krankheitsbedingt unterbrechen. Doch der 19-Jährige wird nicht aufgeben und will weitermachen, sagt er. Hoffnungsvoll geht er wie die anderen mit Blumenstrauß und Geschenken (Beutel, kleines Notizheft mit Stift und Taschenrechner) nach Hause.
Das Projekt sei ihm schon vom Vorgänger ans Herz gelegt worden, sagt Bürgermeister Ansgar Scharnke. „Dementsprechend habe ich mich gern dafür eingesetzt, dass das aufwendige Projekt für weitere drei Jahre laufen kann.“ Den Jugendlichen wünscht er „Ausdauer, Freude und Durchhaltevermögen“, bei Unsicherheiten möchte er als Gemeinde aushelfen und die Angelegenheit weitertragen. „Es gibt sicherlich noch viele, die man noch nicht erreicht hat.“

Betriebe sind Partner der Ausbildungsinitiative

Gleichzeitig kämen die Auszubildenden nicht mehr in Scharen in die Betriebe und bewerben sich, erklärt Steffen Köcher vom Gewerbeverband Neuenhagen. Sein Verband ist ein treuer Partner in der Praktikums- und Ausbildungskooperative – seit 20 Jahren gibt es den Standort bereits. Der Vorstandsvorsitzende ist gleichzeitig Geschäftsführer des ansässigen Autohauses S & S Carservice. Seit 15 Jahren werden dort junge Leute aus der Region ausgebildet. „Der betriebene Aufwand ist relativ groß, deshalb hofft man immer, dass es sich auch lohnt. Es gibt auch immer Abbrecher, die es nicht aus eigener Kraft geschafft haben.“ Für ihn ist die Kooperationsinitiative auch eine Chance, die Bewerber im Vorfeld näher kennen zu lernen. „Wir haben schon mehrere Auszubildende nach einem Praktikum übernommen. Aktuell ist auch jemand bei uns.“

Erfahrene Starthilfe geben

Bildungsbegleiterin Britta Grunwald steht seit elf Jahren intensiv in Kontakt zu Jugendlichen, die nach einem gescheiterten Versuch einen geförderten Ausbildungsweg suchen. Sie sollen mit vernünftigen Unterlagen zum potenziellen Arbeitgeber gehen können, sagt die Casemanagerin und entwickelt zusammen mit jedem Einzelnen ein persönliches Bewerbungsprofil. „Als Allererstes werden sie anhand ihrer Unterlagen ausgewählt.“ Dann kommt die Vorbereitung auf konkrete Gespräche für ein Praktikum oder eine Ausbildung. „Es gibt klassische Fragen, die gestellt werden. Auch da muss sich der Arbeitgeber aufgrund erster Eindrücke entscheiden. Und darauf wollen wir sie einstellen.“
Der hauptsächliche Schwerpunkt der Arbeit ist aber die Rundumbetreuung. „Neben Bewerbungen klemmt der Schuh auch an anderer Stelle“, sagt Grunwald. Bei Gefahr von Wohnungslosigkeit oder wenn jemand mit Unterstützung aus dem häuslichen Umfeld herausgeholt werden muss, ist sie für ihre Schützlinge da – auch wenn das nicht immer ihren Bereich tangiere. Grunwald nimmt sich der Probleme der jungen Menschen gern an und bekommt die Rückmeldungen der Betriebe, in denen sie eingesetzt sind. „Man muss einfach alles im Blick haben.“

Suche nach einem Ausbildungsplatz

Pünktlich zum Abschluss des Projekts hat die Rüdersdorferin Thuy Do ihr Vorstellungsgespräch. Sie möchte Ergotherapeutin werden und sucht noch nach einer Praxis, die sie ausbildet. Ob es in Berlin-Wannsee klappen wird, entscheidet sich in ein paar Tagen. „In der Schule haben wir nicht wirklich gelernt, wie man Bewerbungen schreibt“, sagt die 20-Jährige. Deshalb war sie froh, trotz Fachabitur auf dem Gymnasium in Erkner von Grunwald Unterstützung bekommen zu haben. Eigentlich wollte sie Veranstaltungskauffrau werden und nur Hilfe bei der Vermittlung haben. Das Jobcenter MOL leitete sie aber an die Ausbildungskooperative weiter. Beim Berufswahltest stellte sich schnell heraus, dass sie auch für andere Jobs geeignet wäre. Bevor sie gar nichts gemacht hätte, hätte sie auf diesem Wege in den Beruf der Logopädin und Ergotherapeutin reinschnuppern dürfen, sagt Thuy Do. „Über die Chance, mich umorientieren zu können, und die Hilfe war ich sehr dankbar.“ Das Gebiet der Ergotherapie finde sie „sehr vielfältig“, dazu habe ihr die Tätigkeit Spaß gemacht.

Scheitern erlaubt

Can Gerhold aus Rüdersdorf wurde die Maßnahme durch das Jobcenter empfohlen, weil er bereits bei einem Supermarkt eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik angefangen hatte und scheiterte. Trotz Abbruch will Can seinen Ausbildungswunsch weiterverfolgen. Auf der Suche nach einer neuen Chance schlug ihm Manuela Goldgrebe die Teilnahme am Edis-Projekt vor. Zuvor hatte er 40 Bewerbungen an Betriebe versandt, die Fachkräfte für Lagerlogistik ausbilden, und nur bei fünf eine Rückmeldung erhalten. Dieses Mal hat es nach einem erfolgreichen Praktikum und ausgeklügelter Bewerbung beim Textil-Großhandel Clinton geklappt. In Hoppegarten wird er neu anfangen und sogar noch auf der Berufsschule am OSZ Fürstenwalde sein abgebrochenes Fachabitur nachholen. Die Motivation habe ihm nie gefehlt, sagt Can. Nur formulieren konnte er seine Vorstellungen bisher kaum, sagt der 21-Jährige.

Neue Motivation durch neue Chancen

David Witt (28) hat seit seinem 14. Lebensjahr als ungelernter Koch Berufserfahrung gesammelt. Leider fehlt ihm ein Schulabschluss, zuletzt war er als Bauhelfer im Einsatz – freiwillig habe er dort gekündigt, sagt der junge Mann. Es habe ihm dort nicht gefallen. Die Agentur für Arbeit konnte auch ihn Ende Oktober 2019 in die Maßnahme weiterleiten. Besser spät als nie sammelte er beim Edis-Projekt nur positive Erfahrungen. Dort konnte er immer über seine Probleme sprechen, sagt David Witt, und beginnt mit großer Motivation beim IB Strausberg seine Umschulung zum Tischler. „Ich würde jedem empfehlen, seine Schule fertigzumachen. Im Nachhinein ärgere ich mich, aber ich starte neu.“
Ein erfolgreiches Praktikum, ein Ausbildungsplatz und der Abschluss seien „der beste Reisepass für die Zukunft“, findet auch Ralf Daumann – bei der Edis AG für den Bereich Bildung verantwortlich. Sein Arbeitgeber sponsert die zehnmonatigen Praktikumsplätze. Ohne den Bildungsträger IB in Neuenhagen wäre die „tolle Zusammenarbeit“ gar nicht möglich, sagt er. Den jungen Leuten rät er: „Bauen Sie sich Ihre Zukunft selber auf. Es ist immer besser, das Ruder selbst in der Hand zu halten.“