Gegnern des Neubaugebietes in Nähe der A 10 sowie Anwohnern der Fichte- und Jahnstraße spielte die von Bürgermeister Ansgar Scharnke beabsichtigte Einleitung eines ergänzenden Verfahrens zum Bau der Siedlungsplanungs- und Wohnbauten Gesellschaft (Siwoge)  in die Karten. Erst am 23. Januar kamen die Gemeindevertreter in einer Sondersitzung zusammen, um über Scharnkes Antrag zu beraten, eine ordnungsgemäße Prüfung des Schallschutzes und der Entsorgung von Niederschlagswasser zu veranlassen. Er hatte die ablehnende Entscheidung der Gemeindevertreter über dieses ergänzende Verfahren  von Dezember wegen neu eingereichter Sachverhalte beanstandet.
Zuzug erfordert neue Klassen
Wegen seines Mitwirkungsverbots aufgrund familiärer Beziehungen zu Klägern, die bereits 2017 ein Normenkontrollverfahren gegen das Bauvorhaben anstrengten, saß Scharnke dann am Donnerstag im Publikum. Nun gebe es die Möglichkeit, Fehler bei Planung und Bau durch ein Gutachten untersuchen zu lassen – dieses Instrument sei der richtige Weg, verlas Stellvertreter Jens Schubert. Fehler im B-Plan müssten behoben werden, betonte auch Rico Obenauf (Parteilose) – die Zugezogenen sollten dort später nicht feststellen müssen, dass es in ihren Häusern doch zu laut sei.
Alles sei rechtmäßig, es gäbe keinen sachlichen Grund für einen Bauaufschub, fasste Corinna Fritzsche-Schnick (CDU) kurz vor Beschluss zusammen: "Die Leute, die ihre Bauanträge gestellt haben, haben ein Anrecht darauf, zu bauen." 15 Stimmen lehnten mehrheitlich ab, neun Mitglieder waren für das ergänzende Verfahren. Es gab eine Enthaltung. Ob die Gemeinde ihr Recht nutzt, erneut das Verfahren anzustrengen, berät sie demnächst. Am Ende hätte die Kommunalaufsicht alle Mittel zur Hand, die beanstandeten Vorgänge prüfen zu lassen, sagte Scharnke im Anschluss.
Doch egal, wie lange sich die Wohnbebauung am "Gruscheweg 6" noch hinziehen wird – fest steht jetzt schon: Mit der Errichtung von Mehrfamilienhäusern und einer wachsenden Einwohnerzahl steigt der Bedarf an Schulplätzen. So wurde der formale Errichtungsbeschluss für eine dreizügige Bildungseinrichtung in Trägerschaft der Gemeinde, die neue "Grundschule am Gruscheweg", infolge der beschlossenen Schulentwicklungsplanung gefasst. "Das war erforderlich, um Lehrer zu finden, die dort arbeiten können", sagte Scharnke deutlich in die Runde.
Und es ist die schnellste Möglichkeit, einheimische und zugezogene Kinder einschulen zu lassen: Nur übergangsweise werden die ersten Kinder der neuen Grundschule in der bereits bestehenden "Grundschule am Schwanenteich" untergebracht. Der Lehrbetrieb erfolgt mit eigenem Personal. Zum Schuljahr 2021/22 sollen maximal vier erste Klassen am Schwanenteich eingeschult werden. Zwei davon könnten nach Fertigstellung des Neubaus auf dem Schulcampus am Gruscheweg in ihre eigenen Räumlichkeiten umziehen. Mit Beginn des Schuljahres 2023/24 wären dann drei Klassenstufen vorhanden, zusätzliche Kapazitäten der "Grundschule am Schwanenteich" könnten dadurch abgeschmolzen werden. Für Planung, Bau und Ausstattung wird mit 30 Millionen Euro gerechnet.
Für den geplanten Schulcampus haben sich am Mittwoch das erste Mal Fachplaner zum Auftraggeber-Jour-Fixe getroffen, um die Abgrenzung von Zuständigkeiten sowie weitere Planungsbelange zu klären.