Der Anteil der Senioren über 60 Jahre beträgt in der Stadt schon 25 Prozent und wächst weiter", sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats Wolfgang Türke. Umso wichtiger sei eine funktionierende Infrastruktur für die Seniorenarbeit und ein Zusammenwirken der verschiedenen Akteure in den Stadtteilen.
Termine der Feste abgestimmt
Im Osten der Stadt hat der Bezirksverband Brandenburg-Ost der Arbeiterwohlfahrt in seinem Seniorenzentrum Mühlenberg Ramona Stock mit dem Quartiersmanagement beauftragt. Sie hatte schon 2017 ein erstes Nachbarschaftsfest vor dem Kieztreff Gaststube Lieselotte organisiert. Doch nun will sie die Akteure im Quartier um den Otto-Grotewohl-­Ring vernetzen und vor allem die Bürger mit einbeziehen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des neuen Seniorenbeirats, Wolfgang Türke, hat sie noch vor Weihnachten ein Netzwerktreffen in der Lieselotte veranstaltet, an dem 20 Interessierte teilnahmen. "Es bringt doch wenig, wenn alle Akteure im eigenen Saft schmoren und sich vielleicht noch die Teilnehmer abspenstig machen", sagt Ramona Stock. Und Wolfgang Türke ist begeistert: "Dass so viele Leute da waren und verabredet haben, sich abzustimmen und gemeinsame Aktionen vorzubereiten, ist doch toll!"
So deutet sich schon an, dass die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft ihr Mieterfest nicht im September, wo die Awo ihr Nachbarschaftsfest macht, sondern im Frühjahr veranstaltet. So hat des Ramona Stock mit Diana Fürstenberg von der SWG bei der Gelegenheit besprochen. Auch die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau, der Awo-Ortsverein, der Jugendsozialverbund und die Alzheimergesellschaft waren beim Netzwerktreffen dabei. Weitere Einrichtungen waren eingeladen, aber verhindert. Im März plant Ramona Stock das nächste Treffen, vielleicht mit noch mehr Teilnehmern. Die Gaststube Lieselotte bietet sich für solche Anlässe an, sie entwickelt sich ohnehin mehr und mehr zur Begegnungsstätte für den Kiez.
Der Vorsitzende des Seniorenbeirates hebt diesen Aspekt hervor: "Wir brauchen in den einzelnen Stadtteilen solche Treffpunkte, in denen kleine Veranstaltungen für Senioren  stattfinden können", sagt Wolfgang Türke. Mit dem bis auf Weiteres verschobenen Bau des Bürgerzent­rums Hegermühle bleibe gerade dort die Situation unbefriedigend. In der Vorstadt werden der Promenadentreff der Volkssolidarität mit dem geplanten Neubauvorhaben der Wohnungsbau­genossenschaft Aufbau wegfallen, doch werde bereits handfest über einen Ersatz nachgedacht. In Strausberg-Nord, wo sich die Stephanus-Stiftung an der Wriezener Straße um das Quartiersmanagement kümmert, wäre der historische Festsaal-Bau eine ideale Begegnungsstätte. "Seniorenarbeit muss vor Ort stattfinden, gewissermaßen in fußläufiger Entfernung", sagt Wolfgang Türke. Sie brauche diese Infrastruktur über die ganze Stadt.
Zentrale Weihnachtsfeier
Das Netzwerktreffen hat auch inhaltlich viel gebracht. Nicht zuletzt den Vorschlag der Aktiv-Seniorin Jutta Bleibaum, für die Senioren der ganzen Stadt in diesem Jahr eine zentrale Weihnachtsfeier zu organisieren. "Warum soll Strausberg nicht etwas auf die Beine stellen, was Neuenhagen, Altlandsberg oder Bruchmühle auch können?", fragt der Vorsitzende des Seniorenbeirates. Für die Gaststube Lieselotte wäre eine solche Feier freilich eine Nummer zu groß, sagt Ramona Stock. Das Volkshaus käme am ehesten in Frage. Wolfgang Türke will das mit der Seniorenbeauftragten der Stadt, Jeanette Schmidt, besprechen, die beim Netzwerktreffen ebenfalls an Bord war. Zunächst will er aber die 27. Brandenburgische Seniorenwoche im Juni vorbereiten.

Kommentar: Die Jungen sind gefordert


Vernetzung tut not. Angesichts des steigenden Anteils älterer Menschen in der Einwohnerschaft müssen sich die freien Träger und Anbieter von Dienstleistungen zusammenfinden, um gemeinsam eine Infrastruktur, ein Netz zu knüpfen. Es sollte der Vereinsamung entgegenwirken, die Stadt lebenswert machen und bereichern. Dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Wolfgang Türke, ist unbedingt auch darin zuzustimmen, dass Seniorenarbeit Räume zur Begegnung braucht und Leute, die die verschiedenen Angebote und Akteure zusammenbringen.Aber es geht um mehr. Es geht auch darum, dass sich gerade die "jungen" Senioren, die jüngst aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind, selbst einbringen und nicht allein darauf konzentrieren, das Haus auf Vordermann zu bringen und die Welt vom Schiff aus kennen zu lernen. Sie können neuen Schwung in die Seniorenveranstaltungen bringen, nicht nur beim Tanzen, sondern auch inhaltlich mit neuen, zeitgemäßen Themen und eigenem Engagement. Jens Sell