Präsentiert worden war das gut 30.000 Euro teure Konzept, erstellt von der Planungsgemeinschaft Verkehr PGV-Alrutz GbR aus Hannover, bereits im November 2019. Dort wurde die öffentliche Auslegung beschlossen, die Anfang dieses Jahres erfolgte. Wie der Fachbereichsleiter Technische Dienste, Heinz-Dieter Gransee, mitteilte, hätten 33 Bürger – davon acht aus Strausberg und 20 aus Gladowshöhe – insgesamt 78 Meinungen und Hinweise zum Konzept gegeben. Dieses sieht für die kommenden 25 Jahre Investitionen in Höhe von 15,2 Millionen Euro, etwa 600.000 Euro pro Jahr, vor. Aufgeführt sind 95 Abschnitte auf einer Streckenlänge von 64 Kilometern, darunter auch ein Radweg entlang der alten Bahntrasse von der Goethe- bis zur Elisabethstraße.
Jens Knoblich (Zusammen für Strausberg) vermisste die Einarbeitung der Vorschläge in das halbe Jahr alte Papier. "Das Konzept ist immer noch das von 2019. Was macht die Bürgerbeteiligung für einen Sinn, wenn die Vorschläge nicht einfließen?", fragte er. Als Grundlage für einen Beschluss über das Papier hätte er genau eine solche Auflistung erwartet.
Es ginge ja um eine Weiterentwicklung des Konzepts, sagte Gransee. Die Vorschläge würden da soweit möglich noch eingearbeitet. "Aber das ändert ja nichts an der grundsätzlichen Umsetzung des Konzepts", sagte er. Kritik kam daraufhin von Robert Krause (Zusammen für Strausberg): "So wie Sie das gerade beschreiben, hätten wir das Konzept vor einem halben Jahr beschließen können, dann hätten wir die Auslegung gemacht und anschließend darüber gesprochen, was wir aufnehmen und was nicht." So wie jetzt gehe es nicht. Entweder die Vorschläge seien drin, dann wüsste er aber gerne welche und warum, und weshalb es einige nicht geschafft hätten.
Der Sachkundige Einwohner Carsten Wenzel (Linke) wollte wissen, ob die Finanzierung der jährlich 600.000 Euro überhaupt realistisch sei. "Wir haben die Gesamtsumme ja extra geteilt, damit es händelbar ist", erklärte Gransee. "Es wird möglicherweise so sein, dass es in einem Jahr mehr und im anderen weniger ist." Markus Czychi (UfW Pro Strausberg) fragte daran anknüpfend, ob einzelne Maßnahmen schon hinsichtlich ihrer Förderfähigkeit geprüft worden sind. Ein Aspekt, auf den auch Andreas Fuchs (CDU) und der sachkundige Einwohner Wolfgang Wetzig (Linke) eingingen. "Nach meiner Kenntnis nicht", sagte Gransee, schob dann aber später auf Nachfrage nach, dass über die Förderstelle der Stadt schon geschaut werde, welche Möglichkeiten es gebe. Allerdings müsse ja auch klar sein, "dass wir Maßnahmen tatsächlich auch erst dann förderfähig bekommen, wenn wir sie zusammenbringen, um Antragsverfahren durchführen zu können". Wetzig mahnte, hier deutlich schneller voranzukommen. Im Konzept seien fast 100 Schritte vorgegeben, "die gemacht werden müssen. Wenn wir nicht irgendwann die ersten zehn festlegen, die wir machen wollen, bekommen wir auch nie Fördermittel." Diese Schritte fehlten ihm.
Elke Stadeler hatte zur Finanzierung schon im Klimaausschuss, der bei einer Nein-Stimme für das Konzept votierte, gesagt, dass die ermittelten 600.000 Euro pro Jahr nicht ausreichten. "Wir müssen die vorhandenen Radwege im Stadtgebiet mit dazurechnen – von Reparaturen über Pflege bis hin zum Thema Abschreibung." Ein Kostenfaktor sei auch der Grunderwerb von Grundstücken zum Radwegebau. Wer glaube, dass es dafür Förderung gebe, der irre.

Wesentliche Ziele des Strategiepapiers

Wesentliche Ziele des Radverkehrskonzepts sind a) eine Steigerung der Fahrradnutzung b) die Ertüchtigung des Radverkehrsnetzes für zukünftige Anforderungen c) mehr Sicherheit für Radfahrer. Das Investitionsvolumen von 15,2 Millionen Euro schlüsselt sich nach Priorität 1 (4,9 Mio) und 2 (8,7 Mio) auf. Hinzu kommen kurzfristige (430.000 Euro) und perspektivische Maßnahmen (1,1 Mio). Die erste Priorität haben beispielsweise Radwege mit gravierenden Verkehrssicherheitsdefiziten, die zweite Priorität solche, die Mindestanforderungen an Verkehrssicherheit erfüllen, aber Verbesserungen (Fahrbahnbelag) benötigen. red