Für Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler, die Sigmund Jähn seit mehreren Jahrzehnten kannte, war die Nachricht über seinen Tod ein Schock, wie sie sagte. Er sei schließlich noch fit gewesen. "Für mich ist Sigmund Jähn der bescheidenste Mensch, den ich kenne. Ich vermisse ihn", sagte sie.
Als Beispiel für seine Bescheidenheit nannte Elke Stadeler eine Fahrt mit ihm vor ein paar Jahren in Strausbergs Partnerstadt Frankenthal in der Pfalz. "Im Gästebuch dort schrieb er, dass er einer Delegation der Bürgermeisterin angehörte. Dabei war ich diejenige, die ihn begleitet hat", sagte sie. Dass seine Leistung mit zwei Ehrenbürgerschaften in Straus­berg gewürdigt wurde, sei kein Wunder. "Er war kein Showman, hat immer gesagt, ich hatte eine Aufgabe, ich hatte die Möglichkeiten, sie zu erfüllen, und ich habe sie erfüllt." Über all die Jahre hinweg habe die Stadtverwaltung Anfragen von Menschen erhalten, die mit Jähn in Kontakt kommen, Vorträge mit ihm organisieren, Autogramme haben und seine Adresse erfahren wollten. "Wir haben da immer versucht, ihn zu schützen", sagte Stadeler. Die Familie Jähn müsse nun erst einmal begreifen, was passiert sei. "Wir sollten ihr Zeit lassen. Ich werde der Familie einen Brief schreiben und ihr mitteilen, dass wir sie unterstützen werden, wenn sie uns braucht."
Steffen Schuster, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, sprach von einem traurigen Tag für die Stadt. "Sigmund Jähn hat Strausberg geliebt, die Stadt hat aber auch ihn geliebt." Er sei ein verdienter Ehrenbürger gewesen. Die Stadtverordnetenversammlung werde in Abstimmung mit der Stadtverwaltung eine entsprechende Würdigung vornehmen. "Aus Respekt vor seiner Lebensleistung, aber auch aus Res­pekt davor, wie er damit umgegangen ist. Wir werden aber nichts ohne Absprache mit seiner Familie machen. Ihr gilt unser ganzes Mitgefühl."
In Erinnerung an Sigmund Jähn

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Auch bei den Stadtwerken ist die Trauer groß. "Die Nachricht des Todes von Sigmund Jähn hat die Mitarbeiter unserer Unternehmensgruppe sehr getroffen", teilte Sprecherin Sandy Stirnat mit. "Haben wir ihm doch bei Veranstaltungen auf dem Strausberger Flugplatz im vergangenen Jahr intensiv gelauscht oder uns über seine Teilnahme gemeinsam mit den Ehrenbürgern Dieter Kartmann und Kurt Schornsheim gefreut, die uns ihr Gesicht zur Kampagne unseres Naturwatt-Produktes gaben und die Haltestellen unserer Eisenbahn zierten. Herr Jähn hat sehr intensiv und nachhaltig auf Strausberg gewirkt und wird uns stets in großer Erinnerung bleiben."
Bei der Bundeswehr bleibt Sigmund Jähn als sympathischer Mensch und Gesprächspartner in Erinnerung, "der um seine Person wenig Aufhebens machte", wie Ralf Vogel, Stellvertreter des Standortältesten, erklärte.
Groß ist die Betroffenheit auch in Neuhardenberg, wo Jähn Ehrenbürger ist, viele Jahre gewohnt und gearbeitet hat. Das sagte Uwe Hädicke, Geschäftsführer der Neuhardenberger Flugplatzgesellschaft Airport Edon. Jähn war auf dem Flugplatz Marxwalde (heute Neuhardenberg) als Flugzeugführer im Jagdfliegergeschwader 8 stationiert. Er wohnte im Ort mit seiner Ehefrau Erika und ihren Töchtern von 1960 bis 1978. "Ich war acht, als er am 26. August 1978 an der Seite von Waleri Bykowski mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 als erster Deutscher ins Weltall startete. Er wohnte in der Nachbarschaft, für uns war er der Held."