Gänsehaut pur. Die hatten vor Kurzem gestandene Männer. Als ihnen aus dem Äther Funker u. a. aus Schweden, Polen, Russland, der Slowakei, Sizilien und Zypern antworteten. Denn den Funkamateuren und Nachrichtentechnikern aus Petershagen-Eggersdorf ist damit eine kleine Sensation gelungen. Sie haben nicht, wie sonst üblich, mit einer oberirdischen Kurzwellenantenne gefunkt, sondern dafür Erdantennen genutzt. "Wir sind damit vermutlich weltweit die Einzigen, die solche Antennen einer ehemaligen militärischen Anlage nutzen", freut sich Jürgen Menzel aus dem Doppeldorf.
Die Freude ist auch Helmut Kirchner ins Gesicht geschrieben. Er ist der Vorsitzende des 38-köpfigen Fördervereins Rüsterbusch-Kunersdorf und hatte die Doppeldörfler um Hilfe gebeten. "Als nach der NVA auch die Bundeswehr die 66 Hektar große Fernmeldebunkeranlage verließ, hat sie die zweietagige Bunkeranlage entmilitarisiert. Das heißt, mit einer Flex wurden sämtliche Kabelverbindungen durchtrennt. Wir hatten schon immer die Vermutung, dass es diese Erdantennen gibt. Nun sind sie auch noch nutzbar", sagt Helmut Kirchner.
Die Erdantennen, erklären die beiden Fachleute, liegen in einer Tiefe von etwa einem halben bis einen Meter und haben den Vorteil, dass sie von Satelliten aus nicht zu erkennen sind. "Wenn eine Atombombe gezündet worden wäre, wären diese Antennen in der Erde noch übrig geblieben", sagt Menzel. Erdantennen gibt es übrigens bereits seit den 1920er-Jahren.
Insgesamt 15 solcher Erdantennen, die in langen Schlaufen auf dem riesigen Gelände verteilt sind, gab es. 13, so konnten die "Schatzsucher" nun herausfinden, sind tatsächlich noch da. Eine wurde nach Amerika gebracht, eine andere nach Koblenz.
"Den Anschluss der ersten Antenne haben wir mehr oder weniger durch Zufall gefunden", gesteht Jürgen Menzel. Die weiteren aber sollen jetzt durch einen Signalgenerator gespeist werden. Dieses Signal wird dann oberirdisch mit einer Sonde verfolgt und lässt Rückschlüsse auf die Lage und den Aufbau der Antennen zu. Diese Arbeit, das Aufspüren der Erdantennen, der Nachweis ihrer Ausrichtung und natürlich auch das Testen, ob es wirklich immer funktioniert, wird die Funkamateure auch in den kommenden Monaten in Atem halten.
Und sie hoffen, dass sie eines Tages auch viel weiter funken können als nur in Europa. Spätestens dann auch werden sie sich fachkundiges Publikum dazuholen. Denn die Reaktion einiger Funkamateure war doch recht deutlich. Sie zweifeln an, dass den Doppeldörflern tatsächlich gelungen ist, was sie behaupten.