Die Landschaftsarchitektin mag das Natürliche, Handgefertigte, auch das Handschriftliche. Das lässt sich an ihrem Beruf wie auch im privaten Umfeld ablesen. In ihrer Eigenschaft als Schiedsfrau für den Amtsbereich Märkische Schweiz ist Johanna Wirth allerdings auch auf den elektronischen Datenweg angewiesen.
Um Anträge, Protokolle, Einigungserklärungen u. Ä. zu erfassen und dem Amtsgericht erforderliche Unterlagen zur Verfügung zu stellen, käme der Waldsieversdorferin ein älteres, vielleicht irgendwo in der Ecke stehendes Modell gerade recht. "Ich könnte es im Rathaus in den Schrank schließen und zu den Sprechstunden herausholen", sagt die Frau, die sich als Initiatorin und Organisatorin des Buckower Gartentages ebenfalls einen Namen gemacht hat.
Denn meist ist die Mittfünfzigerin bei Wind und Wetter auf dem Fahrrad unterwegs - nicht gerade ein geeignetes Transportmittel für einen Computer. Und Aufwendungen des Amtes für die Schiedsstelle mag sie auch nicht beanspruchen. "Drucker und Kopierer stehen mir ja zur Verfügung." Doch ihre ehrenamtliche Tätigkeit für die Allgemeinheit nimmt sie sehr ernst, weshalb ihr auch der Gedanke kam, die Öffentlichkeit darauf anzusprechen.
"Wenn jemand kommt und mir sein Leid bzw. Problem schildert, dann bin ich mitgenommen", bekennt die Schiedsfrau, die die Fähigkeit mitbringt, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen. Doch sie gebe dem Antragsteller auch zu verstehen, dass sie in gleicher Weise den Antragsgegner hören werde. Das Ergebnis seien zwei unterschiedliche Sichten, aber auch zwei in sich begründete Wahrheiten, die sie nicht als richtig oder falsch zu bewerten habe. Und würde sie das jeweilige Gegenüber einordnen, hätte sie als Schiedsfrau gleich verloren, sagt Johanna Wirth.
"Mein Part ist die Anregung, in verschiedene Richtungen zu denken, sind Fragen, ob sich die Partner dieses oder jenes vorstellen könnten, nicht das Herbeiführen einer Einigung durch mich, sondern das Hin-Geleiten beider Parteien zu einem letztlich gewünschten Interessenausgleich."
Eine frühere Ausbildung als Hospiz-Helferin ist für Johanna Wirth dabei ebenso hilfreich wie 200 Stunden Weiterbildung als Mediatorin oder die inzwischen vier absolvierten Fortbildungen für Schiedsleute. Vieles sieht sie dabei auch als persönliche Bereicherung an, wenn z. B. in Dreiergruppen im Rollenspiel das Gefühl erlebbar gemacht wird, dass zwei andere eine Sache völlig entgegengesetzt sehen als man selbst.
Nachbarschaftskonflikte, weiter verbreitetes Getratsche, das als Verleumdung empfunden wird, gehören zu Auslösern, weshalb die Schiedsfrau angerufen wird und eine mögliche Schlichtung in die Wege leiten kann. "Wenn der Antragsgegner im Amtsbereich wohnt." 21 Fälle waren es in den vergangenen fünf Jahren. "Und 17 sind zu einem positiven Ende gekommen", sagt Johanna Wirth.
Vielleicht auch, weil ihr das mit dem Interessenausgleich, mit der Zufriedenheit der Leute vom eigenen Vater wie ein Vermächtnis weitergegeben worden ist. "Als Leiter einer Firma sah er das für seine Mitarbeiter immer als eine wichtige Aufgabe an." Dem fühlt sich Johanna Wirth gleichermaßen in ihrem Beruf verpflichtet, denn als Landschaftsplanerin sei sie auch oft Mittlerin zwischen Bauherrn, Firmen und Bürgern. Vor allem aber als Schiedsfrau, die 2008 schon dachte: "Das ist mein Ding."