Bauarbeiter, die im Pulk herumstehen. Eine Echo-Klassik-Preisträgerin, die ihrem Saxophon ungewohnt moderne, aber auch barocke Töne entlockt. Ein Brandenburger Landwirtschafts- und Umweltminister, der auf diesem Posten in Altlandsberg seinen ersten Außentermin bestreitet. Mit Hartmut Niedrich und Harald Metzkes zwei Ehrenbürger der früheren Ackerbürgerstadt und später königlichen Residenz, Bürgermeister, Stadtverordnete, Planer, Denkmalschützer, Gäste.
Bei gefühlt eisiger Kälte, aber Sonnenschein sind am Freitag auf hohem Gerüst passende Nägel zum Richtfest-Akt des Orangerie-Neubaus im Holz versenkt worden. Die Bauarbeiter von TSU Müncheberg hätten zügig gearbeitet, die Zimmerleute seien so schnell fertig geworden und inzwischen schon wieder fort, sagt Schlossgut-Geschäftsführer Stephen Ruebsam, dass er nun den Richtspruch übernehmen müsse. Rechtzeitig vor dem Winter kann es nun auch im Inneren des Hauses weitergehen.
Identität und Impulse
Dieses Haus – es wird in zwei Bauabschnitten errichtet – ist das letzte Gebäudeteil im Gesamtpuzzle Schlossgut, sagt Bürgermeister Arno Jaeschke. Nach dem Entwicklungskonzept der damaligen Firma "Fach & Werk" schlugen die Stadtverordneten 2012 einhellig den weiteren Weg für das ehemalige Schlossgelände ein.
Am Ende des über Jahre andauernden Prozesses sollen alle Module – von Gutshaus bis Schlossterrasse mit Übergang zum Lustgarten – eine wirtschaftliche Einheit bilden und Identität stiftende Impulse in die Region aussenden, führt Jaesch­ke aus und verweist auf die 1,9 Millionen Euro Fördergeld aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds ELER, ohne das Park und Orangerie eine Vision bleiben würden.
Landwirtschafts- und Umweltminister Axel Vogel (Bü. 90/Grüne) bekennt, dass er sich diesen ersten Außentermin als Minister bewusst ausgesucht habe, um damit auch eine Botschaft zu verbinden. Haufenweise gebe es Beispiele von Adelssitzen und Gutshäusern mit morbidem Charme in Brandenburg, die alle instand zu setzen kein Geld reichen würde.
Anders bei Projekten wie dem Schlossgut, für das die Initiative von unten ausgegangen sei, von der Bürgerschaft getragen. Insgesamt fließen 19 Millionen Euro über sieben Jahre hinein, wobei ebenso städtische Mittel flössen. Es sei unglaublich bewegend, sagt Vogel, was hier beispielhaft für die Erlebbarkeit eines historischen Ensembles getan werde.
Nicht nur im Zeit- auch im Kostenplan liegt das Vorhaben, lässt Projektmanager Frank Ruppersberger beim Gang durch die ersten Orangerie-Räume durchblicken. Künftig dienen sie Künstlern zu Aufenthalt und Vorbereitung auf Auftritte im Kulturmagneten Schlossgut. Über solche verfügt die Schlosskirche nicht.