Workshops zu acht Themen
Am Montag startete das dreitägige Projekt zu dem Thema, das an den ersten beiden Tagen vom Kreisgesundheitsamt begleitet wird. "Seit zwei Jahren gehen wir in Schulen, um über sexuelle Gesundheit aufzuklären. Wir merken immer wieder, dass da noch viel Unkenntnis bei den Schülern herrscht", sagt die stellvertretende Amtsärztin von Märkisch-Oderland Katrin Reinbach. In verschiedenen Formaten wird dabei über die häufigsten durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten aufgeklärt und vermittelt, wie ihnen vorgebeugt werden kann. Den Auftakt machte am Montag ein Parcours in der Turnhalle mit Infoständen, an denen verschiedene Akteure vom Gesundheitsamt über Pro Familia bis hin zur Aids-Hilfe Ansprechpartner für die Jugendlichen waren. Am Dienstag stehen für die rund 100 Schüler jeweils drei Workshops auf dem Programm, die sie aus acht Bereichen auswählen konnten – darunter die Themen Schwangerschaft sowie HIV und Drogen.
Komfortabel für die Schule ist, dass die Organisation der Projekttage vom Kreisgesundheitsamt koordiniert wird. "Wir holen die Ansprech- und Bündnispartner ran und kümmern uns um die Inhalte, die Schule muss uns nur die Räume zur Verfügung stellen und die Aufsichtspflicht gewährleisten", sagt Katrin Reinbach. Für Schulleiterin Kathrin Knospe ein schönes Modell. Das Thema sexuelle Gesundheit sei zwar gerade in den 8. Klassen in den Naturwissenschaften präsent, "wo es um das Körperliche geht", sowie im Fach LER, das sich beispielsweise mit Fragen zu Liebeskummer beschäftigt und zum Selbstbild der Schüler. "Aber für die Schüler ist es wichtig, dass ihnen das mal andere Menschen als wir Lehrer vermitteln, zumal sie gerade beim Thema sexuelle Gesundheit vielleicht Befindlichkeiten haben, die wir besser nicht erfahren sollten", sagt Kathrin Knospe.
Stephanie Müller vom Gesundheitsamt bestätigt diese Einschätzung, zumal die Aufklärung der Schüler meist nicht zu Hause, sondern tatsächlich im Unterricht stattfinde. "Das ist dann oft sehr schambehaftet, wenn die Schüler danach mit demselben Lehrer noch Mathe haben." Stephanie Müller ist zusammen mit Felix Schweitzer vom Gesundheitsamt MOL Hauptinitiatorin des Beratungsangebotes des Landkreises. An ihrem Aktions­stand können Jugendliche in einen Grabbelsack greifen, in dem verschiedene Verhütungsmittel sind – vom Kondom bis zur Spirale. "Wir schauen dann, was die jungen Leute darüber wissen", sagt Stephanie Müller, die zusammen mit ihren Kollegen auch wichtige Arbeit beim Abbauen von Vorurteilen leistet. Vorurteile wie: "Man sollte mit einem HIV-Positiven keinen Kaffee trinken, wenn man sich nicht anstecken will."
Schüler ohne Lehrer offener
Für mehr Verständnis bei diesem Thema sorgen auch Christian Müller und Steffen Gröger von der Aids-Hilfe Lausitz. "Wir sprechen über Übertragungswege, klären auf, dass HIV heute nicht mehr ein Todesurteil ist und dass man sich neben dem Kondom auch mit einer Pille schützen kann", sagt Christian Müller. Bei Janine Leike vom Gesundheitsamt können die Jugendlichen einen Kondomführerschein machen und das Überziehen des Gummis an einem Holzmodell üben. "Ohne Lehrer funktioniert das besser, sind die Schüler offener", hat sie festgestellt.
Am Stand von Sabine Kammer von der Pro Familia-Beratungsstelle in Bad Freienwalde informieren sich derweil die Achtklässler Nick und Niclas über sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis, Hepatitis B und Tripper. Sabine Kammer hat die Erreger als Plüschtiere da – vergrößert, als würde man sie unter dem Mikroskop betrachten. Die Krankheit wird so greifbar und das Thema anschaulich dargestellt.
Siebtklässlerin Laura hat viel vom ersten Tag mitgenommen. "Das Angebot war sehr spannend, ich kann es nur jedem weiterempfehlen."

Informationstour des Kreisgesundheitsamtes


Schulen, die das Projekt aufgreifen wollen, können sich beim Kreisgesundheitsamt anmelden. Kontakt-Tel. 03346 8506711 und -13, Ansprechpartner sind Stephanie Müller und Felix Schweitzer. Für die Vorbereitung wird etwa ein Dreivierteljahr Vorlauf benötigt. Im November finden Projekttage zum Thema sexuelle Gesundheit in den Willkommensklassen des Oberstufenzentrums in Strausberg statt. Außerdem wird darüber nachgedacht, auf Weihnachtsmärkten der Region mit einem Bauchladen über das Thema zu informieren. mst