Strikte Regeln für alle
Franziska Templin verweist auf den Paragrafen 15 der Eindämmungsverordnung, der das eindeutig regelt. "Ich will mich aber gar nicht hinter Paragrafen verstecken, es ist uns ein Anliegen, die Angehörigen zu entlasten. Wir würden gerne noch mehr lockern, weil wir wissen, dass die Angehörigen an ihre Grenzen kommen."
Die Diakonie hat in den Einrichtungen Hygienekonzepte festgelegt. Nur Gäste ohne Symptome werden aufgenommen. Fußpflegerin und Friseurin müssen die Abstände einhalten und Masken tragen. Kontakte werden nachgewiesen. Aushänge weisen auf die strikten Regeln hin.
Ähnlich läuft es in der Tagespflege des Bezirksverbandes Brandenburg-Ost der Arbeiterwohlfahrt im Seniorenzentrum Mühlenberg. "Wir betreuen seit zwei Wochen wieder die acht dringendsten Fälle unter unseren insgesamt 25 Tagesgästen", berichtet die Leiterin des Seniorenzentrums, Viola Thürmann. Die Räume ermöglichten es ohne Weiteres, genügend Abstand untereinander einzuhalten. Auch die Fahrten werden so organisiert, dass die Senioren entweder einzeln oder mit eineinhalb Meter Abstand im Bus sitzend gefahren werden. "Natürlich sind wir bereit, weitere Lockerungen umzusetzen", sagt Viola Thürmann. Ab 15. Juni könnten dann zehn Gäste in der Awo-Tagespflege am Mühlenberg betreut werden.
Die Hälfte der Stammgäste wird in der Tagespflege im alten Lokschuppen derzeit betreut. Pflegedienstleiterin Justine Schirmann von der Pflegetraum Strausberg GmbH sagt dazu: "Viele Angehörige, aber auch Pflegefälle haben spürbar Probleme mit der langen Zeit allein zu Hause. Als wir die Ersten  wieder begrüßen durften, haben wir gemerkt, dass manche ganz schön abgebaut hatten." Immerhin war die Tagespflege, in der sonst 16 bis 18 alte Menschen regelmäßig ihren Tag verbringen, eineinhalb Monate geschlossen. Das sei an manchen regelmäßigen Gästen nicht spurlos vorübergegangen. "Nun haben wir alles vorbereitet und ein spezielles Hygienekonzept umgesetzt", erläutert Justine Schirmann, "die Tische stehen auf Abstand und die Plätze sind mit Plexiglas voneinander getrennt. Alle tragen einen Mundschutz, auch im Auto."
Bisher ohne Notbetreuung sind die Gäste der Tagespflege im Stephanus-Seniorenzentrum Dietrich Bonhoeffer in der Wriezener Straße. Zwar wurden die Angehörigen im April einmal angerufen und ihr Bedarf und Interesse abgefragt, doch danach herrschte Funkstille.
Schrittweise Rückkehr
Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte der Pressesprecher der Stephanus-Stiftung, Martin Jeutner, die Lage so: "Weil laut Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg die Notbetreuung in Tagespflegen weiterhin erlaubt war, bestand dieses Angebot zunächst auch weiterhin für besondere Bedarfsfälle. Jedoch haben es die Gäste auf der einen Seite kaum genutzt. Auf der anderen Seite haben wir nach genauer Betrachtung zulässiger Notbetreuungsgründe und Risikobewertung zum Schutz für Bewohner, Tagesgäste und Mitarbeitende dann unsere Tagespflege geschlossen."  Heute sehe die Situation anders aus. Die Stephanus-Tagespflege wolle zeitnah wieder öffnen, die Nachfrage der Gäste nehme wieder zu. Dafür werde ein Konzept erarbeitet, welches den aktuellen Hygiene- und Abstandsvorgaben entspricht. "Eine zeitliche Orientierung für die Öffnung im Normalbetrieb können wir im Moment leider noch nicht geben. Hier sind weiterer Lockerungen des Gesetzgebers erforderlich."

Was sagt die Verordnung dazu?

Paragraf 15:(1) Der Betrieb von Werkstätten für behinderte Menschen und von Tagesförderstätten für Menschen mit Behinderungen sowie Angebote anderer Leistungsanbieter nach § 60 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch sind nur zwecks Notbetreuung von Menschen mit Behinderungen zulässig. Satz 1 gilt entsprechend für die Tagespflege von Seniorinnen und Senioren. Dies setzt voraus, dass– es für diese Personen keine andere Betreuungsmöglichkeit gibt, insbesondere durch Angehörige oder in ambulanten oder besonderen Wohnformen,– die Angehörigen dieser Personen eine berufliche Tätigkeit ausüben, die für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens insb. im Bereich der Gesundheit, Pflege, der öffentlichen Sicherheit und Versorgung erforderlich ist oder– die Betreuung für die Stabilisierung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person ausnahmsweise und dringend erforderlich ist. js