Einen Schuss vor den Bug, nannte es Habeth, der mit der schonungslosen Offenlegung der Defizite in Sachen Brandschutz und Sicherheit für Aufregung sorgte. Bereits 2015 machte er auf die fehlende Tageseinsatzbereitschaft aufmerksam. Auch die Gerätehäuser der drei Ortswehren standen damals in der Kritik. Tatsächlich geändert hat sich bis heute dabei nichts, kritisiert Gemeindewehrführer Marius Venslauskas. "Wenn man es genau nimmt, haben wir bisher richtig viel Glück gehabt, dass wir nicht wirklich tagsüber zu kritischen Einsätzen gerufen wurden. Da hätten wir ein echtes Prob­lem."
Fast 100 Einsatzkräfte haben die drei Hoppegartener Ortswehren. Vorgekommen ist es, dass bei einem Einsatz werktags nur zwei Feuerwehrleute der Alarmierung folgen konnten. "Das ist das Pro­b­­lem vieler freiwilliger Wehren am Rande von Großstädten. Im Kölner Bereich ist es ganz ähnlich, gearbeitet wird in der Stadt, bei einem Einsatz ist nicht genug Zeit, um in die umliegenden Orte zu kommen", erklärte Habeth.
Deshalb will Venslauskas ein Umdenken in Hoppegarten. "Es muss doch möglich sein, dass bei Neueinstellungen in der Verwaltung Kameraden den Vorzug bekommen", fordert er. Bisher hatte man in Hoppegarten Bedenken, ob so ein Auswahlkriterium gerichtlichen Anfechtungen Stand halten könne. Eine hauptamtliche Einsatzgruppe hält der Gemeindewehrführer erst für notwendig, wenn alle anderen Versuche fehlgeschlagen sind, Personal zu rekrutieren. Aber selbst da sieht er Probleme, beruflich ausgebildete Feuerwehrleute nach Hoppegarten holen zu können. Vorstellbar wäre für ihn, von der Gemeinde ausgeschriebene Arbeiten wie die Grünpflege wieder dem Bauhof zuzuteilen. Die dafür zu besetzenden Stellen könnten dann mit einem gewissen Prozentsatz Feuerwehrtätigkeit angelegt sein.
Ein weiterer Mangel, den nicht erst der Gefahrenabwehrbedarfsplan aufgedeckt hat, aber dort in der Zusammenfassung noch drastischer wirkt, sind die drei Gerätehäuser. "Es wird schon lange geredet, dass etwas getan werden muss. Vor fünf Jahren bereits wurde beschlossen, dass Hönow einen neuen Standort braucht. Derzeit laufen dafür Planung und Machbarkeitsstudie", berichtet Venslauskas. Dabei handle es sich nicht um ein Luxusproblem, ergänzt er.
Umkleiden hinter dem Auto
In Hönow und Münchehofe wird sich in der Fahrzeughalle hinter den Autos im Alarmfall umgezogen. Die weiblichen Kameraden trennt dabei ein provisorischer Vorhang. Kontaminierte Einsatzkleidung und privater Dress kommen in allen drei Wachen in einen Spind, weil schlichtweg der Platz für einen Zweiten fehlt. "Da muss an allen drei Standorten dringend nachgebessert werden", fordert Venslauskas.
In neuneinhalb Minuten will die Feuerwehr in allen Teilen Hoppegartens im Einsatzfall zur Stelle sein. Diese Zeit wird von Studien bestätigt, wie lange man in einer verrauchten Umgebung ausharren kann, bis Rettung kommt. Dabei bleibt der Gemeindeteil Waldesruh außen vor. Dort ist keine eigene Wache. Frühestens nach zehn Minuten könnte die Feuerwehr dort stellenweise vor Ort sein. Dazu kommt noch die Anfahrt der Kameraden zur Wache. "Das ist das Problem in Hoppegarten, dass wir eine territorial sehr weit gestreckte Gemeinde sind", kommentiert Venslauskas. Abhilfe könnte eine eigene Wache in Waldesruh schaffen, aber das wird als illusorisch eingestuft. Stattdessen will man die Waldesruher stärker für Brandschutz sensibilisieren. Dazu gehören u. a. mehr Brandmelder in den Wohnungen.
Ein weiter Punkt sind Fehlalarme. 60-mal jährlich werden die Kameraden ohne konkreten Grund, aufgrund überalterter oder schlecht gewarteter Brandmeldeanlagen oder ungünstig angebrachten Brandmelder, gerufen. Das ist nicht gut für die Moral der Feuerwehrleute, erklärt Habeth.
Dem will auch Bürgermeister Sven Siebert den Kampf ansagen und zieht dafür eine empfindliche Erhöhung der Kosten für Verursacher in Betracht. Bei allen anderen Dingen will er zunächst mit den Ortswehren reden. "Ich denke, es ist wichtig, da direkt das Gespräch mit den Kameraden zu suchen und gemeinsam Lösungen zu erörtern." Das soll jetzt zeitnah passieren.