Es ist kalt und nass an jenem Sonnabend. Kein einladendes Spaziergeh-Wetter. Die zumeist jungen Leute, die hinter dem alten Forsthaus Drei Eichen in kleinen Gruppen rund um die Schutzhütte am Naturspielplatz hocken oder knien, stört das nicht.
Aus Berlin und Brandenburg, aus der Lubuskier Region, bis aus Krakow kommen sie her. Sie sind Lehrer, Studenten oder arbeiten bei freien Organisationen und sie wollen lernen, wieder stärker in Natur einzutauchen, in ihr und mit ihr zu agieren, sich dabei vielleicht selbst besser kennenzulernen sowie jenes Wissen später in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, interessierten Erwachsenen anzuwenden.
Sie biegen eine Rute, befestigen Strick daran - schon haben sie einen Feuerbogen. Ein Brett mit vorvertieften Löchern und Kerben am Rand, dazu ein Rundholz, die sogenannte Feuerspindel - damit ausgerüstet, ließe sich überall in freier Natur ein Feuer entfachen. Trockene Gräser und das watteweiche Innere eines Rohrkolbens vom Teich oder Tümpel dienen als leicht entzündliches Brennmaterial. Nun muss das Feuermachen nur noch funktionieren ...
Mit 20 Teilnehmern ist der berufsbegleitende Weiterbildungskurs Wildnispädagogik vor einem Jahr gestartet. "Nicht neu in unserem Programm", erklärt die Leiterin des Umwelt- und Bildungszentrums Drei Eichen Dr. Charlotte Bergmann, "doch erstmals als gemischte deutsch-polnische Gruppe."
Das bedeutet nicht nur, dass zwei Dolmetscher unverzichtbar dazugehören. Welcher Sprachmittler kann schon auf Anhieb Rotkehlchen oder Holzmehl übersetzen? So wurde begleitend zum Kurs ein Mini-Wörterbuch Wildnispädagogik entwickelt, das künftigen Kursteilnehmern hilfreich sein wird. Im Umgang miteinander lerne jeder aber auch selbst einiges und werde neugierig auf die fremde Sprache, berichten die Kursteilnehmer.
Der grenzüberschreitenden Ausrichtung ist auch ein Teil der Förderung zuzuschreiben, die der Lehrgang erhält. Umweltministerium, Euroregion und Deutsch-Polnisches Jugendwerk sitzen dafür mit im Boot. Den großen Rest übernehmen das Team von Drei Eichen und sein langjährig erfahrener Projektpartner, die Wildnisschule Wildniswissen.
Denn gelernt wird vor allem durch Anschauung, das Praktizieren in der Wildnis vor der Haustür, das Einlassen auf Natur in sechs aufeinander aufbauenden Wochenendseminaren mit Hausaufgaben zwischen den einzelnen Fortbildungsblöcken. Es geht um Wissen über Bäume, den Gebrauch von Pflanzen, die Sprache der Vögel, Tiere und Fährten, ökologische Zusammenhänge. Mit Natur und Wildnis vertraut sein, die für unsere Vorfahren, Jäger und Sammler, das eigentliche Lebenselixier bedeuteten, eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen - das gehört zu erklärten Zielen dieser Kurse.
Kim Schlingmann beispielsweise ist begeistert davon. "Es hat soviel angestoßen bei mir", sagt die Studentin, die sich vorstellen könnte, später mit einem Waldkindergarten zu arbeiten. Dann ein Freudenschrei, die Arme werden hochgerissen, es wird gelacht und sich umarmt - jetzt hat auch Slavomir Feuer in Gang gebracht!