"Schönes Wetter, schönes Schiff, mutiger Mann", fasste Bürgermeisterin Elke Stadeler zusammen, als sie "Reeder" Martin Rinast und Kapitän Wolfgang Peters die Strausberg-Flagge überreichte. Zu dem Tuch gab es noch eine Mappe mit Informationen über Sehenswertes am Ufer, das vom Schiff zu bestaunen ist - zusammengestellt von der Touristinformation. Einstweilen könne das ja an Bord vorgelesen werden. Bis eine CD mit eben jenen Texten besprochen ist. Die werde in Kürze nachgereicht, kündigte sie an.
Dass es bei der Runde auf dem See zwar Speisen und Getränke, aber nichts zu hören gibt, war von Mitfahrern bemängelt worden. Dies soll sich nun in Kürze ändern. Die Karte hat der Fischer auf Kundenwunsch bereits ergänzt. "Wir wollten eigentlich nur Fisch anbieten, aber es wurde immer wieder auch nach Bockwurst gefragt. Also haben wir reagiert", sagt der Strausberger. Auch Kuchen wird verkauft. Der stammt laut Rinast von Bäcker Hennig und Café Kunze.
Sechsmal täglich legt die Annemarie vom Anleger am Fichteplatz ab. Auch wenn's ringsum grummele. Das Schiff sei ja wie ein Auto ein faradayscher Käfig, erklärt Rinast. Bei schweren Gewittern mit viel Wind gebe es hingegen keine Tour.
An den Wochenenden sei der Andrang erwartungsgemäß größer, berichtet Kapitän Peters. Der 53-jährige Bernauer war früher mit Schubbooten auf Rhein, Oder und Mittellandkanal unterwegs sowie in Hamburg. Nun steuert er das nahezu lautlose Elektroschiff über den Straussee. Das sei nicht immer ganz einfach. Gerade an heißen Sommertagen seien viele Schwimmer und viele Ruderboote im Wasser. Die größte Konzentration hat er südlich des Fähranlegers am jenseitigen Seeufer beobachtet. "Manche wollen auch besonders nah ran. Dann fahren wir noch weiter in der Mitte."
Ein Großteil der Fahrgäste kommt bislang aus Strausberg. "Das hätte ich nicht erwartet, und ich freue mich darüber", sagt Rinast. Manche Passagiere seien schon mehrmals eingestiegen. "Ein Stammgast ist schon zehnmal gefahren", erzählt der Schiffseigner. Wie er berichtet, seien auch Rollstuhlfahrer schon mitgefahren. Aufgrund der Vorschriften sei ein barrierefreies Schiff mit Tür im Rumpf nicht möglich gewesen, aber man mache "fast alles möglich". Einsteigen mit dem Rollator sei ohnehin kein Problem.
Rinast ist, so es seine Zeit erlaubt, als "Decksmann" mit an Bord. Damit er auf die nötigen Stunden kommt, um selbst das Kapitänspatent zu erlangen. Dann könne sein Kollege mal ein Wochenende frei machen, erklärt er den Hintergrund.
Mit den maximal 48 Passagieren - "dann wird es aber richtig eng", sagt Peters - sind der Kapitän und mindestens ein Decksmann Vorschrift. Letzterer ist zumeist eine Frau: Rinasts Partnerin Grit Nebrich, Bettina Freitag oder Linda Lährmann. Sie kümmern sich zugleich ums leibliche Wohl der Fahrgäste.
Noch in diesem Jahr will der Fischer mit dem Bau des zweiten Anlegers beginnen - an seinem Grundstück auf der anderen Seeseite nahe der Seniorenresidenz. 2015 gehe der dann in Betrieb. In Kürze werde die Internetseite zum Schiff freigeschaltet. Die ist wegen der Schwierigkeiten mit der Zulassung noch nicht online. "Wir wussten ja nicht, wann wir starten können und hatten noch keine Bilder", erklärt Rinast.
Abfahrten: Di. bis So. 10.45, 12.15, 13.45, 15.15, 16.45 und 18.15 Uhr; Kosten: 7, erm. 4 Euro; Kontakt: Tel. 0176 81631539