2482 Hektar umfasst der Müncheberger Stadtforst. Das ist eine Zahl, die sich kaum jemand plastisch vorstellen kann. Umgerechnet auf normale Fußballfelder wären das fast 3500 – was vielleicht schon eher ein Bild verschafft. Doch auch generell sagt die eine Zahl wenig: Denn der ausgedehnte grüne Gürtel, der sich um die Stadt zieht, ist in seinen einzelnen Bereichen, seien es lokale Standortfaktoren oder auch konkreter Bewuchs, überaus vielgestaltig. All das geht aus dem aktuellen Bericht hervor, den Stadtförster Andreas Christoffel dieser Tage vor den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung und damit zugleich etlichen anwesenden Bürgern hielt. Zentrale Botschaft dabei: Der Waldumbau ist von großer Bedeutung. Er läuft längst. Aber das Ganze wird insgesamt noch Jahre, sogar Jahrzehnte dauern.

Kiefer ist mit fast 75 Prozent weiter dominant

Mit einem Anteil von 74,7 Prozent ist die Kiefer noch immer eindeutig dominant. Drei von vier Bäumen in den Müncheberger Wäldern gehören damit im Schnitt zur Kategorie dieses eher anspruchslosen Nadelbaums, der das grüne Gesicht der Mark in den zurückliegenden Jahrzehnten mehrheitlich geprägt hat. Der Abstand zu den nächsten Arten ist enorm: Immerhin noch auf 6,3 Prozent bringt es die Eiche, die Buche auf 2,9 Prozent, auf 2,6 Prozent die Roterle. Etwa in gleicher Größenordnung sortieren sich Birke, Fichte und Douglasie mit ein, die Lärche ist mit 1,6 Prozent vertreten. Mit den laufenden Verjüngungsmaßnahmen ändert sich diese Zusammensetzung, da bestimmte Baumarten bei Neuaufforstungen oder Nachpflanzungen vorrangig eingesetzt werden. Ganz vorn liegt da die Douglasie mit 40 Prozent, jeder zehnte neue Baum ist eine Traubeneiche, Kiefern machen nur noch 30 Prozent aus. Dafür finden sich in dem Mix noch zahlreiche andere.
Es gilt nicht nur, generell von der vielfach anzutreffenden Beinahe-Monokultur Kiefer wegzukommen. Wie Christoffel verdeutlichte, illustrieren die besonders vielgestaltigen Neu- und Nachpflanzungen auch das Problem, dass die Förster heute genauso wenig wie irgend jemand sonst wissen, wie sich die hiesigen Verhältnisse in den Auswirkungen des Klimawandels weiter entwickeln. Mit unterschiedlichen Arten und ihrer Anpassung an bestimmte Faktoren für verschiedene Szenarien gerüstet zu sein, sei deshalb notwendig.

Appell zum Kampf gegen Klimawandel

Noch eines lag dem Stadtförster in diesem Zusammenhang am Herzen: „Ich kann mich auf einer Fläche abmühen, kann pflanzen und gießen. Das nützt aber alles nichts, wenn wir nicht anfangen, den Klimawandel effektiv zu bekämpfen, damit der Wald in Ostbrandenburg in dieser Form überhaupt noch erhalten bleibt, das hier nicht Steppe wird.“ Im Zuge der parallel auch in dieser Stadtverordnetensitzung zum umstrittenen Projekt Mittelheide bei Hoppegarten geführten Debatte um die Windkraft warnte er davor, alternative Energiegewinnung abzulehnen. Dass künftig vereinzelt auch Windräder auf minderwertigen Forstflächen stehen, sei aus seiner Sicht hinnehmbar: Der Wertverlust konkret bei den fünf Hektar für Mittelheide halte sich in Grenzen, mit den Pachteinnahmen würde wiederum Geld eingespielt, um Projekte andernorts verwirklichen zu können.

Totholz wird nicht sofort und in jedem Fall beräumt

Klar wurde bei Christoffels Bericht auch: Sein kleines Team kann bei der ausgedehnten Gesamtfläche nicht ständig überall sein. Schon gar nicht, um zeitnah sämtliches Totholz zu beseitigen – was zudem ökologisch gar nicht nötig und sinnvoll sei: „Auch ein abgestorbener und umgefallener Baum kann für einige Arten wieder neuer Lebensraum sein.“ Der jährlich mögliche Holzeinschlag gemäß den Vorgaben beläuft sich auf gut 14.000 Festmeter. Nur zweimal, 2017 und 2019, ist das in den vergangenen zehn Jahren voll ausgeschöpft worden. Meist lag der reale Einschlag etwas darunter. Die niedrigsten Werte von knapp 11.000 Festmeter gab es laut Statistik 2012 und 2018. Da der Holzpreis schwankt, variieren die Erlöse des Einschlags und damit auch die wirtschaftlichen Jahresergebnisse. Kontinuierlich seit 2011 konnte aber im Ist-Wert das Planungssoll teils erheblich übertroffen werden. In der Summe macht das über die zehn Jahre fast 1,4 Millionen Euro aus.

Auch Munitionsbelastung bleibt Problem

Nicht nur der Waldumbau ist ein Werk für Generationen, wie jeder Förster weiß und Christoffel bei dieser Gelegenheit einmal mehr als Botschaft weiter gegeben hat. Auch die Munitionsbelastung der Müncheberger Wälder bleibt eine Herausforderung. Seit 2011 wurden im Stadtforst immerhin 180 Hektar beräumt und über acht Tonnen Kampfmittel entsorgt. Vieles liegt auf Teilflächen aber immer noch im Boden, tritt eher bei Zufallsfunden zutage. Dieses Erbe vom Kriegsende erhöhe aber zugleich die Gefahr von Waldbränden – gerade in Sommern, die durch den Klimawandel heißer und trockener werden.