Es waren keine verlockenden Aussichten, die der Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften Andreas Gagel den Mitgliedern des Hauptausschusses am Montagabend an die Wand warf. Wollte die Stadt tatsächlich die 90 Prozent Geschäftsanteile an der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft (SWG) von der Strausberger Eisenbahn GmbH (die als Dach des neuen Stadtkonzerns fungiert) zurückfordern, würde das die Stadt „einen mittleren sechsstelligen Betrag“, die Stadtwerke 100 000 Euro und die anderen städtischen Gesellschaften eine ganze Liste angedachter und geplanter Projekte kosten.  Andreas Gagel argumentierte Schritt für Schritt gegen die einzelnen Aussagen der Beschlussbegründung. So sei keineswegs sicher, dass kreisliche Leistungen für die Strausberger Eisenbahn mit dem Nahverkehrsplan 2020–24 stiegen: „Der Nahverkehrsplan 2020–24 ist noch nicht bestätigt“, sagte Andreas Gagel, „wenn, dann müssen mögliche Zusatzleistungen und möglichen zusätzlichen Ausgleichszahlungen verhandelt werden. In diesem Zusammenhang sollen auch die bisherigen Basisleistungen nachverhandelt werden. Ab wann und in welcher Höhe diese dann zur Auszahlung kommen könnten, ist unbestimmt.“
Dass Synergieeffekte bisher weitgehend ausgeblieben seien, weist er kategorisch zurück und zählt auf, es gebe jetzt für alle städtischen Gesellschaften eine einheitliche neue IT-Landschaft einschließlich gemeinsamer Telefonanlage, gemeinsame IT-Administration und Datenschutz, die Durchführung des Energieaudits nach DIN EN16247, ein gemeinsames Fuhrparkmanagement, zentrale Verwaltung von Recht, Versicherungen, Personalmanagement, einheitliches Controlling/Interne Revision, ein einheitliches Zugangskontroll- und Erfassungssystem und, für die Mitarbeiter nicht ganz unwichtig, einen Gesamtbetriebsrat.
Eine Rückabwicklung sei rechtlich gar nicht möglich, es müsste quasi ein Rückkauf stattfinden, der erhebliche Steuerabführungen nach sich zöge. Und wenn dann die Stadt alleiniger Eigentümer sei, müssten die Gewinne natürlich versteuert werden. In der Diskussion mahnte SPD-Fraktionsvorsitzende Sibylle Bock Sachlichkeit an, man dürfe sich nicht aus Verärgerung über die unabgestimmte Entlassung des bisherigen SWG-Geschäftsführers zu Entscheidungen mit weitreichenden Folgen hinreißen lassen, und forderte gleichzeitig eine ehrliche Debatte darüber, ob man die Leistungsträger Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaft aus dem Konzern herauslösen wolle und damit das Ende der Kostenbringer in Kauf nehme: „Also Flugplatz dicht, Straßenbahn weg, SEP zu.  Wenn das gewollt ist, muss man das eben politisch vertreten!“
Andreas Gagel hatte auch eine Liste der gefährdeten bzw. undurchführbaren Projekte aufgeführt: Bei der Straßenbahn die Umsetzung des Nahverkehrsplans 2020–24, die laufende Gleissanierung in bestimmten Abschnitten, der barrierefreie Ersatz für den Tatra-Typ TW 30, bei der Fähre der Umbau des Führerstands, beim Gewerbepark Flugplatz die Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen, der  Straßenbau F4 zur Erschließung und damit das Projekt der Stemme AG. Auf dem Sport- und Erholungspark wären die Investitionen in die Infrastruktur zur Schaffung von Stellflächen für Großveranstaltungen, der Abriss von Haus 20, die Herberge mit der Sanierung der Häuser 10, 11, 12 und dem Umbau von Haus 14 betroffen, des Weiteren die Sportstättenentwicklung, weil die Aufstockung der Judohalle, der Abriss der Traglufthalle und die Renovierung der Ernst-Grube-Halle nicht mehr finanzierbar wären. Gagel rief die Stadtverordneten dazu auf, solch einen weitreichenden Beschluss zunächst in den Gremien der betroffenen Gesellschaften (Geschäftsführung, Aufsichtsräte, Gesellschafter), dem Beteiligungsausschuss und dem entsprechenden Fachbereich der Stadtverwaltung zu erörtern.
Die Hauptausschussmitglieder wollten sich die finanziellen Folgen lieber vom Steuerberater der Stadt darlegen lassen, was Bürgermeisterin Elke Stadeler zusicherte. Neben den Linken sprachen sich auch Jens Knoblich (Fraktion grün, liberal, bürgernah) und CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Fuchs für die Vorlage aus. Letzterer sagte: „Ich war schon immer dagegen, dass die Strausberger Mieter mit ihren Beiträgen diesen Männerspielplatz im Norden subventionieren.“ Am Ende stimmten von den sieben stimmberechtigten Mitgliedern – Steffen Schuster durfte sich als Beschäftigter der SWG nicht an diesem Tagesordnungspunkt beteiligen – zwei gegen und fünf für die Rückübertragung der SWG-Geschäftsanteile an die Stadt.