Hunderte haben am Sonnabend die 64 Treppenstufen ganz nach oben auf das Dach des Einstein-Gymnasiums erklommen. Vorbei an Aufnahmen aus dem All,  Zeichnungen vom Helixnebel und der Tafel mit den Sponsoren. Oben angekommen, hieß es, Schlange stehen. Denn fast alle wollten noch höher hinaus. Zu Lehrer Olaf Hofschulz, der immer grüppchenweise die Besucher in der Kuppel begrüßte. Drei Teleskope bilden das Herzstück in diesem in Märkisch-Oderland, manche sagen gar deutschlandweit einmaligen Observatorium auf dem Dach eines Gymnasiums. Das größte Teleksop hat eine Brennweite von drei Metern. "Die Erdbewegung wird ausgeglichen, so dass wir immer ganz scharfe Bilder bekommen. Vorausgesetzt, der Himmel ist wolkenfrei", berichtete Hofschulz u. a. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass diese Sternwarte so super ausgestattet ist. Er hat nicht locker gelassen und die Werbetrommel gerührt, sich um Fördergelder bemüht, viele, viele, viele davon überzeugt, dass es gut und richtig ist, hier zu investieren. Auch den Landkreis, wie Landrat Gernot Schmidt in seiner Rede bei der Festveranstaltung betonte.
Dass alle Angebote rund um die Astronomie eine Investition in die Zukunft sind, bestätigte Paul Lenz. 2012 hat er am EGN sein Abitur gemacht. "Ich hatte bei Herrn Hofschulz Physikleistungskurs. Heute studiere ich Luft- und Raumfahrttechnik. Sein Unterricht, seine Begeisterung haben mich dazu gebracht", erzählt der junge Mann. Sein großer Traum ist es, später einmal Raumfahrtantriebe zu konstruieren. Auch Leon, 16, hat schon das EGN-Astrofieber. Er ist im Seminarkurs und war einer von vielen Schülern, die mit unglaublichem Wissen und großer Freude den Gästen erklärten, welche Teleskope es an der Schule noch gibt, mit welchem man was genau beobachten und sogar fotografieren kann. Er berichtete von Protuberanzen, der Andromeda Galaxie und einer in einigen Milliarden Jahren bevorstehender Kollision zwischen dieser und unserer Milchstraßen-Galaxie, als wäre das normaler Sprachgebrauch im Teenageralter. Viele Gäste nutzten auch die Chance, im Erdgeschoss Informationsmaterial mitzunehmen, ihr Glück bei einer Tombola zu versuchen – als Hauptpreise gab es Teleskope zu gewinnen – oder gar Aktien für fünf Euro zu kaufen. Etwa Gerd Grüner aus Neuenhagen, der auf diese Weise die weitere Ausstattung der Sternwarte unterstützt.
Immer gut gefüllt war die Cafeteria zu den drei Hauptvorträgen. Etwa den von Dr. Martin Wendt. Der Astrophysiker von der Uni Potsdam nahm seine Zuhörer launig mit auf eine Reise durch das Universum. Und erklärte all diese schwierigen Zusammenhänge so locker, dass jeder Laie gut zuhören konnte. Wer in den Mond schaut, sieht ihn so, wie er vor einer Sekunde aussah. Bei der Sonne sind es schon acht Minuten Unterschied, die es braucht, um das Licht bis auf die Erde zu schicken. Er erklärte das Sternbild vom Großen Wagen, der Teil des Sternbilds der Großen Bärin ist. Und dabei auch, dass diese Sterne nur scheinbar nebeneinander liegen, in Wahrheit aber einige 200 Lichtjahre entfernt sind, andere 60.
Und wie bestellt, flog dann bei wolkenfreier Sicht die ISS um 19.15 Uhr gut sichtbar durchs Teleskop über Neuenhagen hinweg.