Mit ganz unterschiedlichen Gefühlen gingen die Beteiligten in die Sitzung der Gemeindevertretung. Auf der einen Seite waren etwa 40 Anwohner, die meisten von ihnen lehnten den Straßenbau aus verschiedenen Gründen ab. Rechtliche Ungerechtigkeiten, die Angst vor Rasern und mehr Verkehr oder einfach nur das Geld spielten bei ihnen die Rolle. Auf der anderen Seite waren wenige Befürworter erschienen, die aber laut Verwaltung bei einer Befragung in der Überzahl waren. Eine von ihnen war Roswitha Günster. Sie appellierte an die Gemeindevertreter, die Straßen auszubauen, um so Barrierefreiheit herzustellen. „Alle werden mal älter oder haben eventuell mit Verletzungen wie einem Fußbruch zu tun, sind auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen, wie schwer dann das Laufen über unbefestigte Straßen fällt, können Sie sich sicher vorstellen. Bitte lassen Sie diese Überlegungen in Ihre Entscheidung einfließen“, erklärte die Behindertenbeauftragte der Gemeinde. Gleichzeitig wies sie auf das Grundgesetz hin, dass keiner wegen einer Behinderung benachteiligt werden darf.

Vorschlag nur 50 Prozent Beteiligung

Gegner der Straßenerschließung wiesen u. a. auf Ungerechtigkeiten hin, wie die Nichtbeteiligung von Anwohnern im Außenbereich an den Kosten. Der parteilose Gemeindevertreter Manfred Arndt schlug vor, alle Problemfälle nur mit 50 Prozent der Kosten zur Kasse zu bitten. Bereits vorher hatte er einen Abbruch der Sitzung gefordert, da die schlechte Akustik keine echte Debatte zuließe, begründete er. Nachdem Volker Heiermann, Gemeindevorsitz, an alle appellierte, näher in das Mikro zu sprechen, besserte sich das Verstehen der Wortbeiträge ein wenig.
Im Quartier 11 in Fredersdorf-Nord brachte Ralf Haida (BLG) den Vorschlag ein, den Ausbau der Feuerbachstraße nochmals zu prüfen, da, wie auch Anwohner berichteten, für den Bau ein Eingriff in die Natur und ein Ankauf von Altlandsberger Feld erfolgen müsste. Bei Stimmengleichheit mit einer Enthaltung bekam der Vorschlag keine Mehrheit. In namentlicher Abstimmung, die von Arndt für alle den Straßenbau betreffenden Beschlüsse gefordert wurde, sprach sich eine klare Mehrheit für die Vorlage zum Bau aus.

Birken im Siegfriedring dürfen nach Einzelabstimmung bleiben

Eine Einzelabstimmung aller Straßen im Quartier 12-2 schlug Bürgermeister Thomas Krieger vor. Dagegen plädierte Reinhard Sept (SPD), der so bei vereinzeltem Straßenbau höhere Kosten für die anderen Anwohner des Quartiers befürchtete. Ebenso widerspreche es einem gefassten Beschluss, dass quartierweise geplant und gebaut wird.
Warum die Birken im Siegfriedring dem Straßenbau weichen müssen, wollten Haida wissen. Von der Verwaltung kam die Auskunft, dass der Baugrund in der Straße so schlecht sei, dass großräumig Aushub erfolgen muss. So würden die Wurzeln beschädigt werden.
Ein Antrag von Haida, den Siegfriedring so auszubauen, dass die Birken stehen bleiben können, bekam keine Zustimmung, aber bei der Einzelabstimmung sprach sich eine Mehrheit gegen den generellen Erschließungsausbau der Straße aus. Bei allen anderen Straßen des Quartiers wurden mit großen Mehrheiten die Erschließungsmaßnahmen beschlossen.

Eine Zurückverweisung abgelehnt

Das Quartier 13 in Fredersdorf-Nord war so etwas wie das Problemkind der Planung. Das angrenzende Naturschutzgebiet mit Anwohnern im Außenbereich, Stichstraßen, deren Ausbau nicht tatsächlich vom öffentlichen Interesse geprägt war, und teilweise sehr hohe Ausbaukosten führten zu vielen Diskussionen darüber in den politischen Gremien. So auch kurz wieder vor der Beschlussfassung.
Wie bei allen Aussprachen zu den Erschließungsbeschlüssen war Anwohnern Rederecht genehmigt worden. Die eher emotionalen Ansprachen an die Gemeindevertretung hinterließen nicht ihre Wirkung. So brachte Regina Boßdorf (GFV) den Vorschlag ein, die Abstimmung zurückzuziehen und eine Beteiligung der Anwohner im Außenbereich, die nicht zur Kasse gebeten werden können, rechtlich nochmals zu prüfen.  Auch sollten die Verkehrssituationen in allen Stichstraßen noch mal unter die Lupe genommen werden, ob eine Versiegelung durch den Straßenbau am Rande des Naturschutzgebietes sinnvoll sei. Beide Abstimmungen erhielten keine Mehrheiten.
Bei der abschließenden Abstimmung der einzelnen Straßen wurde der Planung mehrheitlich gefolgt, wie auch der Gesamtmaßnahme.