Am Donnerstag soll die Entscheidung fallen. Dann wird die Gemeindevertretung Fredersdorf-Vogelsdorf abstimmen, ob die rund 300 Meter der Ulmenstraße zwischen Verbindungsweg und der derzeitigen Grünfläche am westlichen Ende der Straße aus dem Straßenbauprogramm bis 2024 herausgenommen werden oder nicht. In dem Papier sind die Sandpiste sowie der betonierte vordere Teil ab Verbindungsweg für das Jahr 2022 eingeplant. Dagegen machen die Anlieger mobil, schlagen stattdessen als Kompromiss eine erweiterte Instandsetzung als kostengünstigere Lösung vor.
Fanny Schramm ist eine der Betroffenen. Sie hat die Petition gegen den grundhaften Straßenbau ins Leben gerufen. Man sei nicht generell gegen eine gute Straße, aber die Kosten seien nicht kalkulierbar und man wolle nicht die Zufahrt für ein neues Baugebiet bezahlen, monierte sie bei einem Treffen mit gut 50 Anliegern der Ulmen- und benachbarter Straßen, zu dem sie auch ein Fernsehteam vom rbb eingeladen hatte. Eigentlich hatte sie auch Bürgermeister Thomas Krieger eingeladen, aber der hatte abgesagt, als zusätzliche Gesprächspartner wie der Landespolitiker Philip Zeschmann (BVB/Freie Wähler) dazustießen. Es gehe dann nicht mehr allein um den konkreten Fall, begründete Krieger auf MOZ-Nachfrage.

Einige Gemeindevertreter haben sich Argumente der Anlieger angehört

Auf jeden Fall stellte sich auch eine Hand voll Gemeindevertreter – Peter Küllmer und Ralf Haida (B90/Grüne – BLG-Fraktion), Volker Heiermann und Reinhard Sept (SPD), Klaus Häcker (WIR) sowie Manfred Arndt – der Menge, hörten zunächst weitere Kritikpunkte. So monierte ein Anwohner fehlendes Mitspracherecht bei der Planung, andere sahen Lebensqualität durch eine eventuelle Durchgangsstraße Richtung Schulneubau an der Landstraße schwinden, Firmenvertreter machten auf finanzielle Schwierigkeiten wegen Corona aufmerksam. Fanny Schramm berichtete, viele Ältere könnten kaum noch ruhig schlafen ob der zu erwartenden Kosten. Ihre Familie habe vor vier Jahren gebaut und „noch andere Verpflichtungen“.
Volker Heiermann bescheinigte, der Protest sei legitim, der Ortstermin gut und die Straße nicht die allerschlimmste. Er habe sich noch nicht entschieden, wie er zur Petition votieren werde, bekannte er. Für Küllmer war klar, dass man dem Bürgerwillen folgen solle, und Haida äußerte sich ähnlich. Sept gestand, er sei Befürworter des Straßenbaus, weil der Großteil der Sandpisten im Ort inzwischen verschwunden sei und alle Bürger die gemachten Straßen nutzen.

Fast 45 Kilometer Sandpisten im Ort sind inzwischen verschwunden

Nach einer Übersicht aus dem Rathaus sind von fast 55 Kilometern Sandpisten noch 1998 bis Ende 2020 nur noch knapp zehn Kilometer übrig. Der Bürgermeister verweist auf die Einschätzung seiner Fachleute in der Verwaltung, dass die Ulmenstraße insbesondere gemacht werden müsse, um ein Wasserproblem nachhaltig in den Griff zu bekommen. Regen laufe die abschüssige Strecke hinab, staue sich vor den betonierten Flächen und überflute dann Anliegergrundstücke. Bei Starkregen habe es zudem fast 35 Zentimeter tiefe Ausspülungen gegeben, die Gemeinde sei dann in der Verkehrssicherungspflicht, berichtete er.
Er widersprach Darstellungen, die Strecke werde für das eventuelle neue Wohngebiet besonders ausgebaut. Vorgesehen sei der normale Ausbaustandard für eine Anliegerstraße – fünf Meter breit als Mischverkehrsfläche, damit sich Laster und Pkw begegnen können und Platz zum Parken ist. Niederschlag solle nach Möglichkeit in Mulden versickern, denn ein Kanalnetz wäre teurer. Noch könnten zu Baukosten keine detaillierten Angaben gemacht werden, weil noch keine Bodenuntersuchungen erfolgt seien, hieß es aus dem Rathaus. Die Aufträge sollen erst ausgelöst werden.

Initiatorin der Petition erwartet knappes Votum

Wenig hält Krieger vom Kompromissvorschlag der Anlieger, die Straße nach dem Bernauer Modell zu befestigen. Dort werden schadhafte Sandstraßen planiert und auf drei bis 3,50 Metern mit zehn Zentimetern Asphalt überzogen. Das sei nur provisorischer Straßenbau, keine nachhaltige Lösung, begründet der Bürgermeister. Sollte die Gemeindevertretung dem Willen der Bürger folgen, „dann ist das so“, sagte er. Eine erste Tendenz werde sich am Dienstagabend im Hauptausschuss zeigen. Fanny Schramm erwartet in jedem Falle eine knappe Entscheidung.