Die intelligenten Stromzähler sollen es ermöglichen, durch die integrierte "Echtzeituhr" sowie über Verknüpfungen mit dem Telekommunikationsnetz Verbrauch und Kosten jederzeit im Blick zu haben. "Jetzt bekommt jeder nur einmal im Jahr seine Stromrechnung", verdeutlicht Gagel den Unterschied. Zudem könnten die Energieunternehmen die Tarife variieren, beispielsweise billigeren Strom zu Zeiten anbieten, in denen geringer Bedarf vorhanden ist. So könnte zum Beispiel am ersten Weihnachtsfeiertag vormittags, wenn gewöhnlich die meisten ihre Gans in den Herd schieben und es eine Verbrauchsspitze gibt, ein höherer Preis verlangt werden. "Dafür wäre es dann beispielsweise Heiligabend spät billiger", erläuterte der Stadtwerke-Chef. Wie er mitteilte, gebe es bereits Prototypen von Haushaltsgeräten, die dank einer entsprechenden Schnittstelle in der Lage seien, günstigere Stromtarife zu erkennen und genau dann in Betrieb zu gehen.
Die intelligenten Stromzähler sollen laut gesetzlichen Vorgaben übrigens ab Januar 2010 bei neu gebauten Häusern oder grundlegenden Sanierungen von Elektroanlagen bundesweit eingesetzt werden. Noch allerdings biete die Industrie keine marktreifen Modelle. Der Gasversorger EWE will beim Netzausbau in der Stadt ebenfalls die Voraussetzungen für den Einsatz intelligenter Zähler schaffen, kündigten Vertreter des Unternehmens bei Gesprächen über eine Verlängerung des Konzessionsvertrages kürzlich im Finanzausschuss an.
Der Feldversuch ist einer von mehreren Ansatzpunkten, um den Energieverbrauch in der Stadt bis 2020 um jährlich ein Prozent zu senken, was als Ziel bei der Energieeffizienzkonferenz mit gut 50 Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik vereinbart wurde. Nach der Rechnung des Stadtwerke-Chefs bedeute dies umgerechnet 260 Kilowattstunden pro Einwohner und Jahr oder auf den Tag bezogen 0,7 Kilowattstunden pro Einwohner weniger. Dafür müssten nicht unbedingt Rieseninvestitionen getätigt werden. Und wenn Investitionen erforderlich wären, seien auch Finanzierungsmodelle mit Unterstützung der Energieversorger vorstellbar.
Die Ausgangswerte sind in Strausberg ganz gut, wie sich bei der Aufarbeitung vor der Konferenz gezeigt hatte: Mit einem Jahresenergieverbrauch (Haushalte, Betriebe und Verkehr) von rund 700 000 Megawattstunden liegt die Stadt schon jetzt um fast 25 Prozent unter dem Schnitt vergleichbarer Kommunen in Deutschland. Ähnliches gilt für die CO 2 -Emissionen, die mit 150 000 Tonnen jährlich bzw. ca. 5,7 Tonnen pro Jahr und Einwohner sogar gut ein Drittel unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen. Andreas Gagel führte dies vor allem auf den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung bei der Energieerzeugung in den Stadtwerken sowie den hohen Anteil von Erdgas und Fernwärme bei der Heizung in der Stadt zurück.
Im kommenden Jahr soll es übrigens wieder eine Energieeffizienzkonferenz geben, bei der weitere Schritte beraten werden. Zudem soll die Konferenz mit einer Messe verbunden werden, auf der regionale Unternehmen Leistungen und Produkte zum Thema Energieeffizienz vorstellen.