Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler hat sich zufrieden über die Entwicklung der Stadt geäußert. Im Gespräch mit Detlef Klementz ging sie unter anderem auf die künftigen Schwerpunkte ihrer Politik, auf die Große Straße, das viel diskutierte Altstadtcenter und die Barnim-Kaserne ein.
Frau Stadeler, war 2016 für Sie als Bürgermeisterin ein gutes Jahr?
Ja, das war es. Wir sind gut vorangekommen, die Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten war gut und effektiv, irgendwie entspannter als in den  Vorjahren.
Welches Ereignis ragt da besonders heraus?
Da gibt es mehrere, ich nenne aber mal die Entscheidung der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg für den Standort Strausberg. Wir bemühen uns als Stadt seit 2012 darum, haben uns mächtig ins Zeug gelegt und sind nun Investor Peter Fritz sehr dankbar. Vorher war ich schon ziemlich enttäuscht, dass uns die Landesregierung mit unseren Partnern im Stadt-Umlandwettbewerb  nicht berücksichtigt hat.
Für die nächsten Jahre legt die Stadt einen Schwerpunkt auf Schulen und Kitas. Wird man das finanziell stemmen können?
Der Schwerpunkt ist richtig gesetzt. Die Neu-Strausberger sind vor allem junge Familien bis 40 Jahren. Denen müssen und wollen wir hier die nötige Infrastruktur bieten. Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Sehr hilfreich  ist in dem Zusammenhang, dass unsere Strausberger Wohnungsbaugesellschaft die neue Kita Zwergenland bauen wird. Mit einer Investition in Höhe von 5,6 Millionen Euro ist das eine große Nummer. Das hätten wir nicht geschafft.
Zweiter Schwerpunkt bleibt der Straßenbau.
Ja, im vergangenen Jahr wurden verschiedene Landesstraßen ausgebaut. Wir haben uns darüber gefreut. Von Umlandgemeinden war auch schon mal Kritik zu hören. Schön, dass die Kreisverkehre saniert wurden. Nun sind die Anliegerstraßen an der Reihe. Das wird eine ziemliche Herausforderung, wenn ich allein an die Walkmühlenstraße denke. Aber das ist auch wieder ein wichtiges Stück Aufwertung.
Dann ist da noch das Landesprogramm Soziale Stadt in Hegermühle. Zehn Millionen Euro stellt die Landesregierung dafür innerhalb von zehn Jahren bereit. Die Erwartungen sind groß.
Das stimmt. Die ersten Projekte sind toll angelaufen. Die Leute wollen aber daneben auch was Dauerhaftes.
Der Landkreis investiert auch.
Sie meinen die Fertigstellung des Medizent II am Krankenhaus und auch den Neubau der Rettungswache und des neuen Straßenverkehrsamts im Gewerbepark Nord. Es ist eine gute Entscheidung, in der Nähe des S-Bahnhofs Strausberg-Nord zu bauen, das freut uns sehr.
Überhaupt wird derzeit recht viel gebaut, so tut sich entlang der Wriezener Straße eine Menge.
Auf dem Areal des früheren Café Nord entstehen sechs Stadtvillen. Daneben hat die Wohnungsbaugenossenschaft "Aufbau" grundlegend saniert. Hinter dem früheren Klub am See werden fünf Stadtvillen mit 64 Wohnungen gebaut. Im nächsten Jahr wird der Klub am See wohl abgerissen, dann geht es auch dort mit Neubauten weiter. Wenn die Polizeiinspektion in ihr neues Domizil umgezogen ist, wird der alte Standort in bester Lage gewiss umworben. Sollte das Land Brandenburg verkaufen, wovon ich eigentlich ausgehe, werden wir mit unseren städtischen Gesellschaften einen Kauf prüfen.
Sie sehen also in der Stadt noch eine Menge Potenzial?
Ja, auf jeden Fall. Nach der Wende hat Strausberg den Schwerpunkt nicht auf den Wohnungsneubau gelegt. Durch unsere hervorragende infrastrukturelle verkehrliche Anbindung  - S-Bahn im 20-Minuten-Takt, Straßenbahn und Regionalbahn - ist Strausberg ein attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort.
Aber die Straßenbahn leidet ...
Das kann man so nicht sagen. Die Entwicklung war vorhersehbar, da müssen und werden wir gegensteuern. Wir sind stolz auf unsere Tram. Mit dem Kauf der barrierefreien Straßenbahn haben wir eine mutige Entscheidung getroffen. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese richtig war.
Und die alte Busgesellschaft?
Mich hat auch überrascht, dass die Busverkehr Märkisch-Oderland bei der europaweiten Ausschreibung unterlegen war. Sie war immerhin 20 Jahre in unserer Region tätig. Es war eine wirtschaftliche Entscheidung des Landkreises. Ich hatte inzwischen ein gutes Gespräch mit der Leitung der neuen Busgesellschaft. Sie kommt mit ihrer Verwaltung nach Strausberg. Schön, dass die Busfahrer übernommen wurden, schade, dass  man sich nicht auf die Übernahme der baulichen Anlagen in der Ernst-Thälmann-Straße einigen konnte.
Sind Sie mit der Stadtmöblierung in der Großen Straße zufrieden?
Die Große Straße ist eine unendliche Geschichte. Fast alles hat es irgendwie schon mal gegeben. Es gab einen Ausschuss und eine Mehrheit für die Möblierung. Gut ist, dass man nun nicht mehr mit seinem Auto schnell durchfahren kann. Fußgänger sagen, sie kämen leichter über die Straße. Warten wir mal den Sommer ab, wenn die Leute draußen sitzen, umgeben von Blumen. Wir müssen der neuen Sache nun eine Chance geben.
Wie viele Chancen erhält das geplante Altstadtcenter noch?
Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Aber so, wie es ist, kann es nicht bleiben. Wir würden uns auch über Einkaufsmöglichkeiten an dem Standort freuen.
Da ist man beim Südcenter deutlich weiter.
Ich kann den Unmut der Vorstädter verstehen. Unsere Bemühungen in den letzten zwei Jahren tragen nun endlich Früchte. Mit dem neuen Eigentümer und Netto sind wir guter Dinge, dass Netto 2017 auf doppelter Fläche eröffnen wird. Bislang war der Supermarkt dort viel zu klein.
Noch ein Wort zur Bundeswehr und zur Barnim-Kaserne.
Die Zusammenarbeit mit unseren Soldaten und Beschäftigten am Standort ist sehr gut. Die Barnim-Kaserne wird von der Bundeswehr wohl bis 2019 genutzt. Wir werden sehen, was der Bund mit dem Areal dann vorhat. Aus unserer Sicht können wir uns dort eine Entwicklung als Wohn- oder auch Gewerbestandort sehr gut vorstellen. Dann kann sich praktisch eine kleine Stadt in der Stadt Strausberg entwickeln.