Es ist für uns eine Pflichtveranstaltung", sagt Torsten Schwärecke aus Panketal (Barnim), der mit Sohn Tom (13) zum vierten Mal dabei ist. "Man kommt rum, es macht Spaß und man lernt Leute kennen", erläutert er. Auch Henry Enkelmann aus Liebenwalde, übrigens nicht verwandt mit der früheren Bundestagsabgeordneten der Linken, hat einen ähnlichen Ansatz: "Leute treffen, soziale Kontakte pflegen, ein bisschen quatschen", formuliert er. Bei einem Durchschnittstempo von 15 Kilometern pro Stunde und mit Polizeieskorte auf dann kurzzeitig gesperrten Straßen ist das auch gut machbar.
Zugleich bekunden die Teilnehmer auf ihren gelben T-Shirts und auf dem großen Schild am Führungsfahrzeug von Organisator Günter Grützner aus Bad Freienwalde das Motto "Gemeinsam Stärke zeigen", das vermitteln soll, dass es in Brandenburg Menschen gibt, die für Toleranz, gegenseitige Achtung und ein friedliches Miteinander eintreten. In den letzten Jahren sei das Thema wieder aktueller geworden, hätten sich Teilnehmer wieder vermehrt über diese Botschaft unterhalten, berichtet Grützner. "Die Welt ringsum ist ja insgesamt intoleranter geworden."

Mit 91 Jahren noch dabei

Darauf verwies auch Altlandsbergs Bürgermeister Arno Jaeschke, der zunächst rund 70 Frauen und Männer an der Erlengrundhalle begrüßte, ganz besonders die Strausbergerin Charlotte Henze, Stammgast bei der Tour und mittlerweile 91 Jahre alt.  Angesichts jüngster Wahlergebnisse seien Akzeptanz, gegenseitiger Respekt und gutes Miteinander heute umso wichtiger und auch der Einsatz, diesen Gedanken offen in die Region zu tragen, sagte Jaeschke, bevor er die Gruppe auf die Strecke schickte.
Die führte zunächst nach Neuenhagen, wo die Teilnehmer auf der Pflasterstraße zum und vom Rathaus erst einmal richtig durchgeschüttelt wurden. "Mit diesem Rad geht es", bekannte Petershagen-Eggersdorfs Bürgermeister Marco Rutter, der auf einem Mountainbike mit Federgabel mitradelte. Den ersten Zwischenstopp nach gut fünf Kilometern und 15 Minuten fand er etwas früh. Für manch andere, die die Wartezeit bis zum Start mit Kaffee überbrückt  hatten, war er hingegen willkommene Gelegenheit zu einer kleinen Erleichterung.
Der nächste Abschnitt nach Erkner war dann mit 16 Kilometern deutlich länger. Am Markt in Rüdersdorf begrüßte die neue Bürgermeisterin Sabine Löser die Radler zur Mittagspause. Sie wolle versuchen, für folgende Touren deutlich mehr Mitfahrer für das gute Ziel zu gewinnen, versprach sie und erntete dafür Applaus unter anderem von Familie Köhler aus Altlandsberg. "Für das Thema sind wir viel zu wenige", bekannte Torsten Köhler. Er habe selbst ausländische Kollegen im Team, daher sei ihm das Mitfahren wichtig, berichtete der Eisenbahner. Mancher hätte sich an der Station eine Verpflegung zum Beispiel aus der Feldküche gewünscht. Andere hatten Proviant dabei, einige stärkten sich in den für die Gruppe "vorgewarnten" nahen Lokalen. Im Herz von Eggersdorf wurden später noch Erfrischungen gereicht, und vom Gutshof in Fredersdorf-Vogelsdorf ging es schließlich zurück zum Ausgangspunkt.
Inzwischen werden fragende Stimmen laut, ob der vergleichsweise große Aufwand mit Polizeieskorte, Rettungswagen und -Bus und Straßensperrung noch gerechtfertigt ist. Denn an die großen Teilnehmerzahlen der Anfangsjahre mit über 1000 kam die Tour zuletzt nicht heran. Manchmal seien ja auf den Routen zum Altlandsberger Sattelfest mehr Leute unterwegs – ohne jegliche Absicherung, hieß es.
Die Organisatoren wollen indes weitermachen. Wer 2020 Ausrichter ist, wollte Grützner noch nicht sagen. Es gebe mehrere Bewerbungen. Zum 20. Jubiläum 2021 wolle man Start und Ziel wieder nach Eberswalde legen, wo die Tour einst ihren Ausgang hatte.
795047